Als er endlich wieder unterwegs war, dachte er erneut über die merkwürdige Geschichte nach, die ihm die Elfen erzählt hatten. Sie passte so garnicht zu dem, was er von seinen Großeltern gehört hatte. Auch der ganze Unsinn mit dem Argwohn Fremden gegenüber...Hier war sich Angus sicher, dass Albion geflunkert hatte. Am Nordpol konnte kein Mensch in die Stadt der Elfen kommen, weil diese unter einem Zauber stand und nicht gesehen werden konnte. Warum sollte das hier anders sein? Hatten sie wirklich angenommen, er sei ein Mensch? Zu Hause konnte nur, wer ganz fest an den Weihnachtsmann glaubte,  durch diese Barriere hindurch. Deshalb war es auch seinem Großvater gelungen, bis vor die Tür von Enya zu gelangen. Sonst wäre er im eisigen Wind des Nordpols erfroren. Wie er jetzt so darüber nachdachte, war er sich ganz sicher, einen Hinweis auf dieses Universum gefunden zu haben. Wenn sein Großvater so fest an Weihnachten glaubte, dann feiern und lieben auch die Menschen hier Weihnachten. Das konnte garnicht anders sein. Woher sollte sein Großvater sonst diesen Glauben haben? Damit, so was sich Angus sicher, hatte er eine Gemeinsamkeit mit den Menschen hier und würde über diese Basis etwas über seinen Großvater in Erfahrung bringen können.

Frohen Mutes schritt er voran und ehe es Mittag war, sah er die weiße Stadt vor sich. Vorbei an kleinen Bauernhöfen, später kleinen Vorstadt-Häusern und noch später größeren Häusern suchte er sich seinen Weg zum Mittelpunkt der Stadt - dem Markt. Dort hoffte er eine Gaststube zu finden und vielleicht auch eine kleine Pension, in der für ein Nachtlager seine Dienste anbieten kann. Die Menschen der Stadt waren alle sehr wohlhabend gekleidet. Ein jeder trug feine Pelze und dick gefütterte Stiefel, in vielen Farben und mit Perlen verziert. Jedoch waren ihre Gesichter und Blicke kalt und leer. Genau wie die Stadt selber. Alle Häuser waren eintönig weiß. Wo war die große Tanne, die zur Weihnachtszeit den Markt schmücken müsste? Wo waren die bunten Lichter und die spielenden Kinder? Es hatte den Anschein, als ginge ein jeder seinen eigenen Wegen nach, ohne den anderen auch nur zu bemerken. Von weihnachtlicher Vorfreude, wie er sie von zu Hause kannte, war hier nichts zu spüren. Alles war trist und weiß und kalt - wenn auch elegant. Was Angus fehlte, war die Wärme und Liebe, die das herannahende Weihnachtsfest ausströmte. Als er sich noch so verwundert umsieht, entdeckt er einen Gasthof, in den er beschließt einzukehren. Er öffnet die Tür und geht in die Gaststube hinein. Jedoch erwarten ihn nicht, wie gedacht, Gelächter und gute Laune. Auch hier sitzen die Menschen verschlossen vor ihren Tellern und jeder kümmert sich um seinen eigenen Kram. Da Angus nicht allein sitzen möchte und etwas über die Stadt und die Menschen in Erfahrung bringen will, setzt er sich zu einem jungen Mann an den Tisch, der ihn daraufhin unwillig anschaut. Na prima, was ist hier nur mit den Leuten los? Das kann doch nicht normal sein. Nachdem er sich etwas zu Essen ausgesucht und bestellt hat, versucht er zaghaft, ein Gespräch mit seinem Tischnachbarn zu beginnen. Der ist erstmal garnicht begeistert von der Störung. Angus jedoch, mit seiner ewig guten Laune und freundlichen Art, lässt sich davon nicht ins Bockshorn jagen und so öffnet sich der Angesprochene Stück für Stück. Angus erzählt, dass er von weit her kommt und hier in der Stadt nach einem Verdienst sucht, mit dem er sich ein kleines Zimmer leisten kann. Da zumindest kann sein Tischnachbar, der, wie sich herausstellte, Martin heißt, ihm helfen. Sein Vater ist ein angesehener Gerber in der Stadt und die benötigen immer Leute, die die schweren Arbeiten übernehmen. Wenn sich Angus also nicht vor dieser Arbeit scheut, wollte Martin ihn mitnehmen und in der Gerberei könne er zudem noch schlafen.

Als beide gegessen und bezahlt haben, machen sie sich zusammen auf den Weg in die Gerberei. Martins Vater, ein feister Mann mit hochrotem Kopf, stellt nicht viele Fragen. Die schwere Arbeit in einer Gerberei wollen nur wenige machen und so stellt er ein, wer an seine Tür klopft. Angus bekommt ein Zimmer zugeteilt und soll sich am nächsten Tag um 5:00 Uhr unten in der Gerberei melden. Er bedankt sich bei Martin und verabredet sich mit ihm für den folgenden Abend. Dann geht er in sein Zimmer und lässt sich auf das karge Bett fallen. Eine merkwürdige Stadt mit noch merkwürdigeren Menschen, resümiert er noch, bevor er einschläft. 

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