Entnervt schlug ich mir das Kissen über den Kopf, drehte mich mal hier, mal dort hin und versuchte den nervtötenden Ton meines Weckers zu ignorieren, jedenfalls bis mir einfiel, dass meine Mom nicht aufwachen durfte. Schnell wie ein Ninja, jedenfalls kam es mir in meinem schlaftrunkenen Zustand so vor, sprang ich aus meinem Bett und schaltete den noch immer piependen Wecker aus. Einen kurzen Moment hielt ich den Atem an und lauschte, ob meine Mom von dem Lärm aufgeweckt wurde. Erleichtert kniete ich mich auf den Boden, sie atmete gleichmäßig ein und aus, und holte ein kleines Beutelchen unter meinem Eschefarbenem Bett hervor. Darin war ein Schokorentier sowie ein Bild von ihr und mir, welches während unserem letzten Urlaub entstanden war. Heute war Nikolaus. Noch etwas benommen schlich ich mich die Treppe hinunter, am Wohnzimmer vorbei, zu der Garderobe. Als erstes fiel mein Blick auf die schwarzen Turnschuh, welche bis zum Rand gefüllt waren, es sind meine. Daneben standen die geradezu grotesk klein wirkenden Schuhe meiner Mom. Dorthinein legte ich das kleine Beutelchen. Ich haderte kurz mit mir, nahm dann jedoch meinen Schuh mit hoch, um alles zu verstauen. Langsam ging ich wieder die Treppe hoch, machte die Tür hinter mir zu und ließ mich mitsamt den Sachen ins Bett fallen. Träge hob ich den Blick und schaute auf die Uhr, ein Stöhnen drang aus meiner Kehle. Es war 4:37 Uhr. Ein Stechen an der Seite bewegte mich dann doch dazu, mich in eine gerade Sitzposition zu stemmen. Kurz tastete ich nach dem Gegenstand, um verwirrt festzustellen, dass ich ein Taschenmesser in der Hand hielt. Ich zog die Augenbrauen zusammen, ein Taschenmesser zum Nikolaus zu bekommen war etwas eigenartig. Stumm musterte ich es, eine feine Maserung zierte den Griff und die Klinge war aus feinstem Stahl. Es musste sehr teuer gewesen sein, außerdem hatte ich noch nie ein solches Symbol gesehen, welches ins Heft eingraviert war. Um es eingehender zu betrachten war ich jedoch zu müde und war binnen ein paar Minuten wieder eingeschlafen. Als mein Wecker das nächste mal klingelte war es 10 Uhr. Durch den Lehrermangel wurde der ganzen Schule frei gegeben. Natürlich war das Messer schon wieder vergessen, ich musste dringend aufs Klo. Danach zog ich mich an, kämmte die wirr abstehenden Haare, putzte Zähne und ging anschließend in die Küche um mir meinen wohlverdienten Kaffee zu holen. Mit meinem unglaublich gut riechenden Kaffee in der Hand ging ich ins Wohnzimmer, fläzte mich auf die Couch und fuhr meinen Laptop hoch. Während er hoch fuhr ging ich nochmal in die Küche, um mir ein Käsebrot zu schmieren, der Hunger hatte sich gemeldet. Als ich zurück kam blickte mir mein Desktop-Bildschirm entgegen. Rasch öffnete ich einen Internetbrowser, bis zum nächsten Treffen sollte jeder einen billigen Weg finden, zum Nordpol zu gelangen. Nach einer Stunde suchen fand ich einen sehr preiswerten Flug, der für alle zusammen dann doch zu teuer wäre. 7 Flüge müssten gebucht werden, für Lilian, Niclas, Monika, Eric und seine  Freundin Hannah, ihr kleiner Bruder Emanuel und mich. Ich seufzte. Wie sollten wir bloß alle ohne Aufsehen zu erregen abhauen können? Der restlich Tag ging mit vielen ungelösten Fragen und einem Anruf von Lilian zu Ende. Am Abend hatte meine Mom noch Plätzchen gebacken, aber das war auch schon das Aufregendste gewesen. Um 9 Uhr abends lag ich also wieder im Bett, wartete darauf dass ich einschlief und  machte mir, wie sollte es auch anders sein, Sorgen. Doch ohne es zu merken glitt ich in einen traumlosen Schlaf.

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