Eine fortlaufende Weihnachtsgeschichte

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Die letzten Jahre ihres Lebens haben nur aus Warten bestanden. Warten darauf, dass die Polizei ihr den entführten Sohn wieder brachten. Warten darauf, dass sie therapeutische Hilfe bekommt. Warten darauf, dass ihre Anfrage endlich stattgegeben wird und sie einen Detektiv zugeteilt bekommt. Warten darauf, dass er ihr irgendwelche wichtigen Informationen lieferte. Doch die Jahre zogen ins Land, ohne dass sie ihren Sohn wiedergesehen hatte, ohne dass nur die kleinste Information über ihrem Mann an ihre Ohren gedrungen war. Bis jetzt. Kerzengerade saß sie erneut auf dem Stuhl, ihre Tasche umklammernd, während der etwas ältere Herr vor ihr, Herr Lange, mit dem sie in den letzten Jahren vermehrt Kontakt betreffs der Übermittlung neuer Kenntnisse hatte, sie mit freundlichen aber ernsten Augen abscannte. Sie hatte jedes Mal das Gefühl, er würde jegliche Gestik und Mimik von ihr registrieren und auswerten - ihm blieb nichts verborgen. So entgingen ihm weder die überschminkten Augenringe noch die abgeknabberten Nägel. Doch er sagte nicht wie normalerweise etwas dazu, sondern nahm den Stapel Papier, klopfte ihn zurecht, bis jedes Blatt exakt über dem anderen lag und legte sie wieder hin.

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Der Rotwein in ihren Gläsern war längst zur Neige gegangen, als Stellan eine Pause in seiner Erzählung machte. Beide schwiegen sie, den eigenen Gedanken nachhängend. „In der Zwischenzeit habe ich auch Sabine kennengelernt.“ Nun war die Bombe raus. Anna, schon wieder ganz bleich, sah ihn aus großen Augen ungläubig an und die Fassungslosigkeit stand ihr einmal mehr ins Gesicht geschrieben.

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Ungeduldig wippte Sie mit ihrem Fuß, zupfte an dem losen Faden ihres Pullis und knirschte ein wenig mit ihren Zähnen - eine alte Gewohnheit aus Kindheitstagen, die sie einfach nie richtig hatte ablegen können. Die beiden Umzüge über konnte sie nicht still bleiben, während ihrer Examina wurde sie mehrfach auf ihr Verhalten hingewiesen, ihre erste Berufsvorstellung knirschte sie durch und die Geburt ihres Sohnes wurde unter diesem Lied in die Wege geleitet... Ihr Sohn, den sie seit fast fünfzehn Jahren nicht gesehen hat. Obwohl sie sich schon vor ein paar Jahren mit diesem Gedanken arrangiert hatte, schmerzte er doch sehr. Sein Verschwinden hat ein riesiges Loch hinterlassen, das durch nichts gefüllt werden konnte. Und der Gedanke, dass ihr kleiner Junge noch immer irgendwo dort draußen war, ließ ihren Hunger nur immer weiter ansteigen, das Loch im Bauch anwachsen. Dabei konnte sie nach wie vor nicht glauben, dass ihr Mann ihr das angetan hatte. Matthias, den sie über alles geliebt hatte. Sie hatte damals sogar seinen Nachnamen angenommen: Selver. Ein ungewöhnlicher doch harmloser Name, wie sie immer gedacht hatte. Dass das nicht stimmte, fand sie erst Jahre später heraus.

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Voller Ungeduld lief Anna nach Hause und betrat ihr Haus. Im Flur stand Stellan, der bereits auf sie gewartet hatte. Anna knöpfte ihren Mantel auf und während sie ihn über die Schulter gleiten lassen wollte, griff Stellan von hinten zu und nahm ihn ihr ab. In stillem Einvernehmen drapierte er ihn auf einem Bügel, während Anna die Nase in die Luft reckte und den verführerischen Duft aus der Küche einsog. Stellan freute sich darüber und fragte gespielt: „Haben Madam einen Tisch für zwei bestellt?“ Anna ging darauf ein und antwortete ebenso galant. „Ja, der Herr. Ein Tisch für zwei. Was können Sie mir denn empfehlen?“ Mit einer angedeuteten Verbeugung hielt er ihr seinen Arm hin und antwortete, während sie die Küche betraten: „Für heute möchte ich Ihnen die Spezialität des Hauses ans Herz legen: Spaghetti mit Tomatensoße und geriebenem Käse. Dazu den besten Rotwein des Hauses.“

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