Eine fortlaufende Weihnachtsgeschichte

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Fast könnte man meinen, dass sein Handwerk bereits etwas langweilig wird, dachte er sich, als die Matratze mit einem befriedigendem Schmatzer auf den Lattenrost fiel und somit das dort verborgene Geld unter sich begrub. Den meisten fielen keine kreativeren Versteckmöglichkeiten ein. Zugegebenermaßen hatte sie zumindest nichts im Kühlschrank, im Kleiderschrank oder im WC-Spülkasten versteckt, doch darach scheiterte der Verstand von einem Großteil. Ihrer schien wohl auch nicht ganz mitgezogen zu haben… Bedauerlich… Schon alleine die Tatsache, dass sie sich in ihrem Alter und dazu noch allein lebend kein Sicherheitssystem zugelegt hat, zeugte von äußerst grober Fahrlässigkeit. Natürlich hätte er auch Milde walten lassen können, vor allem in Anbetracht dessen, dass eine Unmenge an Rentnern gerade so genügend Rente erhielt, um ihr Leben zu bestreiten. Manche dieser armen Teufel waren dann zwar länger und öfter auf der Straße unterwegs, um Plastikflaschen aus Mülleimern zu farmen, was ihm das Einbrechen ziemlich erleichtert, aber in ebenso hohen Maße nicht lohnenswert gemacht hätte. Bei ihr sah die Sache zumindest anders aus. Natürlich sah der Sessel etwas schäbig aus, doch er tat ihn schnell als nostalgischen Unsinn ab – ihre frische Küchengarnitur interessierte ihn da schon mehr. Sie schrie nicht danach, als dass jeder Penny einzeln hatte umgedreht werden müssen. Sein Eindruck wurde noch dadurch bekräftigt, als er den aufgebrochenen Brief am Essenstisch fand. Da schien es jemandem wahrlich fast schon zu gut zu gehen. Und das, obwohl sie lediglich Inhaberin eines Buchladens gewesen war und ihr Gatte ausschließlich lektoriert, vielleicht ein, zwei Bücher veröffentlicht hatte! Nun, er würde sich nicht beklagen – das konnte er im Handumdrehen ändern.

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Kaum hatte sie ihren Hausflur betreten, als ihr auch schon dieser merkwürdige Geruch in die Nase stieg. Da erst wurde ihr vollends klar, dass die Eingangstür nicht verschlossen gewesen war. Bewaffnet nur mit ihrem Picknickkorb, den sie langsam über ihren Kopf hob und dabei angestrengt in das Haus lauschte, schlich sie sich vorbei an ihrer Kellertür zur Küche. Nach kurzem Zögern trat sie ein - und fand diese genau so vor, wie sie sie in aller Eile verlassen hatte. Da stand noch die benutzte Kaffeetasse von heute Morgen und den kalten Toast hatte keiner angerührt. Angespannt lauschte sie wieder ins Haus und begab sich sehr leise und langsam in Richtung Wohnzimmer. Hier, so sagte ihr ihre Nase, wurde der Geruch stärker und plötzlich hörte sie auch leise Geräusche aus der Richtung ihres Ohrensessels. Vor Schreck hielt Anna die Luft an, ihr Herz drohte zu zerspringen. Sie hatte keine Ahnung, was sie nun tun sollte. Die Polizei rufen oder ins Wohnzimmer stürmen und zu versuchen, den Einbrecher einen so gehörigen Schrecken einzujagen, dass er sich aus dem Staub machte? Das Herz schlug ihr bis zum Hals und sie hatte das Gefühl, dass alles Blut aus ihrem Kopf und Gesicht gewichen war. Wäre jetzt nur ihr Mann hier. Aber er konnte ihr nicht mehr helfen und wütend auf sich selbst, weil sie in einer Notsituation wieder einmal zuerst bedauerte, dass ihr Mann ihr nicht mehr helfen konnte, anstatt das Problem selber zu lösen, stürmte Anna unter lautem Gepolter ins Wohnzimmer.

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Sie entsann sich einer Zeit, als sie stets bereits vor Dämmerung mit einer Kaffeetasse in der Hand leise durchs Haus tippelte, um alle Lichterketten zum Strahlen zu bringen und daraufhin in deren Glanz das Frühstück zuzubereiten. Im Nachhinein betrachtet scheint ihr dieses Leben unfassbar fern von der Realität zu sein, zu idyllisch, zu perfekt. Am liebsten hätte sie jede Sekunde zwischen Buchseiten eingefangen, die Zeit daran festgehalten, um diese Erinnerungen nie wieder loszulassen. Selbst wenn es nur Kleinigkeiten waren, schienen sie ihr nun umso kostbarer. Ihr gemeinsames Frühstücksmahl, welches zur Adventszeit häufig aus Porridge mit Zimt und eingefrorenen Pflaumen bestand – selten auch mal nur eine halbe Portion an Pflaumen, da er manche Nacht noch einmal aufgestanden war und den Tiefkühlschrank geplündert hatte.

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Anna saß in ihrem alten Ohrensessel. An den Kanten war der ehemals grüne Bezugsstoff, der nun zu einem fadenscheinigen blassgrünem Etwas zerfallen war, ganz dünn und das Unterfutter trat an einigen Stellen hervor. Aber Anne liebte ihren alten Sessel. Wie viele Jahre hatten sie gemeinsam im Wohnzimmer am Fenster mit Blick auf die viel befahrene Straße verbracht. Anna konnte sie kaum noch zählen. Damals hatte Erwin noch gelebt. Er hatte ihn, mit einer roten Schleife an der Lehne bestückt, zu Weihnachten in das Wohnzimmer und in ihr Leben geschoben und beim Anblick ihrer immer größer werdenden Augen gelacht. "Der soll dich begleiten. Er soll dir an Sonnentagen einen Platz zum Verweilen und Träumen bieten und dich beschützen in Zeiten von Kummer und Not." Ja, Anna hatte seine Worte noch immer im Ohr. Und wenn noch weitere 30 Jahre vergehen sollten - daran würde sie sich immer erinnern!

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