Eine fortlaufende Weihnachtsgeschichte

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Mit den Fingerknöcheln knirschend saßen mittlerweile alle fünf Kumpane um den massiven Holztisch herum verteilt und hingen ihren Gedanken nach, was jedoch recht beschwerlich war, da ein lauter Bass ihre Fenster vibrieren ließ. Das führte allerdings am Ende meistens dazu, dass ein Nachbar entnervt an der Tür klopfte oder gar bei der Hausverwaltung anrief, weshalb sie ihre Musik herunter drehen und einmal sogar Strafe zahlen mussten, doch das war es ihnen wert. Sie besaßen zwar auch Codewörter und Verschlüsselungen für ihre öffentlichen Gespräche und „privaten“ Nachrichten, doch Zuhause wollten sie in ernsten Fällen normal miteinander reden können. Lorentz setzte sich aufrecht hin und klopfte einmal kräftig auf den Tisch, um den anderen zu verdeutlichen, dass ihr Treff nun offiziell eröffnet war. Er wurde nie von der Mehrheit gewählt oder sonst in einer Form zum Oberhaupt ihrer Gruppe ernannt und dennoch hat er sich schnell in seine Rolle eingefunden, neue Ideen hervorgebracht, wie sie an Geld kommen könnten – sie waren nicht immer in diesem Bereich tätig gewesen, sondern haben zuvor auch geschmuggelt und gestohlen -, notwendige Materialien für ihre Showeinlagen organisiert und wichtige Kontakte geknüpft. Letzteres konnte er aber nicht ganz auf seine Kappe nehmen. Wenn man so einen Vater wie er hatte, kam man nicht drumherum, allerlei Bekanntschaften zu schließen. Selbst jetzt noch konnten die Leute aus seiner Domäne etwas mit dem Namen Selver anfangen – und dabei war sein Vater bereits seit mehreren Jahren tot.

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Alles Blut wich sturzartig aus ihrem Gesicht. Anna wurde schwarz vor Augen und während sie hilfesuchend mit ihren Händen nach Halt an der Kommode hinter sich tastete, war Stellan aufgespruchen, hatte ihr unter einen Arm gegriffen und sie gestützt. So eine heftige Reaktion hatte er nicht erwartet. Anna keuchte und tat ihr Bestes, auf den Beinen zu bleiben, die langsam unter ihr nachgaben. Stellan zog sie mehr als das er sie führte zu ihrem alten Ohrensessel und half ihr, sich hinein zu setzen. Vorsichtig drückte er Anna in das Polster und warf dabei verstohlene und sorgenvolle Blicke in ihr Gesicht. Das schlechte Gewissen machte sich bei ihm breit, weil er Anna nicht besser auf die unverhoffte Konfrontation mit einer Geschichte über ihre Tochter vorbereitet hatte. Offenbar hatte es Zwischenfälle in der Vergangenheit gegeben, die sie so heftig hatten reagieren lassen. Zwischenfälle, die über den vollständigen Kontaktverlust hinaus gingen und von denen er nichts wusste. Da war die Recherche wohl doch nicht so gut gewesen.

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Sie nahmen beinahe ihre Beine in die Hand, bogen rechts ab, überquerten den Römerweg des Gartens und waren binnen Sekunden mittels der Bank über den Zaun in vermeintliche Sicherheit gesprungen. Nun befanden sie sich in der Einbahnstraße, welche zwei Hunde als Familien-Hüter besaß, weshalb die beiden ihr Tempo sofort drosselten und entspannt über die Pflastersteine zu ihrem Transportwagen liefen, welcher 345 Meter entfernt einsatzbereit stand. Auf dem Weg dorthin schwiegen sie sich kurz an und erzählten dann von Besorgungen, die sie noch machen mussten, von Bekannten, denen sie noch etwas zu Weihnachten kaufen wollten. Sie hätten nun auch endlich eine Idee, was sie Alex und Lorena, ein junges Paar, das erst vor einigen Wochen in die Straße gezogen war, schenken konnten. So gelangten sie recht schnell bei einem silbernen VW Golf an, auf dessen Rückbank sie sich setzten und warteten. Die Wartezeit verkürzten sie sich dadurch, dass sie das Radio anschalteten und darauf lauschten, ob es irgendwelche Eilmeldungen gab, was jedoch nicht der Fall war, weshalb sie den Ton herunter schraubten und gelangweilt aus dem Fenster schauten. Gerade, als die Nachrichten eingeläutet wurden, öffnete sich die Fahrertür und ein unscheinbarer, schlanker Mann mittleren Alters stieg ein, wuselte an seinem Rucksack herum, bis der Moderator fertig mit berichten war, und fing dann an, ausschweifend von seinem Spaziergang zu erzählen. Auf dem Weg holten sie dann noch den vierten im Bunde ab, der für alle recht nah am Ortseingang in einem kleinen Lädchen Brötchen geholt und sich mit der dortigen Bäckerin verquatscht hatte. Gut gelaunt hatte sie gemeint, welch eine Erleichterung es doch war, dass mittlerweile immer mehr alte Leute auf freiwilliger Basis mit im Laden halfen, da sie doch so unterbesetzt waren. Dann gab sie noch ein wenig Vorstadttratsch weiter, bis sie von der nächsten Kundin unterbrochen wurde. Während all das erzählt wurde, tippte der eine lustlos auf seinem Handy herum und beachtete die anderen scheinbar nicht, bis sie eine kleine Auffahrt hoch fuhren und er mit seinem Handy den Öffnungsmechanismus für die Garage aktivieren musste. 

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Gespannt lauschte Anna und war begierig darauf zu erfahren, wem er begegnet war. „Lorentz.“, sagte Stellan. „Lorentz? Wer soll das sein? Ich kenne keinen Lorentz!“ „Nur Geduld, dazu komme ich gleich noch. Ich traf Lorentz in einer kleinen Kneipe. Er saß am Tresen, trank sein Bier und unterhielt sich gelegentlich mit dem Barkeeper. Ich hatte zu Abend gegessen, bezahlt und wollte, bevor ich gehe, noch ein Bier an der Bar trinken und nach einem einsamen Tag ein paar Worte mit jemandem reden. Also ging ich vor und fragte Lorentz, ob neben ihm noch Platz wäre. „Klar doch. Setz dich!“

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