Kalt war es - kalt und einsam. Was hatte er sich nur dabei gedacht, in die Aurora zu laufen. Auf die ferne Stadt zu, die ihm ein Wiedersehen mit seinem Großvater Cedrik verhieß. Langsam kam Angus wieder zur sich. Er lag im Schnee, weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Flocken schmolzen in seinem Gesicht und ließen ihn aussehen, als würde er weinen. Aber so weit war es noch lange nicht. Nun, da er den Übertritt in die Welt geschafft hatte, aus der sein Großvater damals, vor 81 Jahren, zu seiner Großmutter gekommen war, wollte er nach ihm suchen. Immer hatte er sich nach dem Tod seines Großvaters ausgemalt, dass er zurück in seine Welt gegangen sei und nun würde er ihn hier wieder finden. Viel zu lang war schon die Zeit, seit sie ihn hatten gehen lassen müssen.

Langsam raffte er sich auf und streckte die vor Kälte steifen Glieder. Er sah sich um und entdeckte nichts außer einer riesigen, einsamen Schneelandschaft, die in der Sonne glitzerte. Wohin sollte er sich nun nur wenden? Ach, was soll's, dachte er sich. Ich halten den Finger in den Wind und folge ihm dann. Irgendwo muss es doch eine Behausung geben, in der ich erstmal um ein Nachtlager und etwas zu Essen bitten kann. Gesagt, getan. Er lief und lief und nach unendlich lang erscheinenden Zeit brach langsam die Dämmerung herein. Jedoch hatte er noch immer kein Haus oder ähnliches entdeckt. Das würde wohl eine kalte Nacht unter freiem Himmel werden. Besorgt sah sich Angus um, als er ein Rentier entdeckte, dass im Schnee scharrte. Vielleicht kann ich ihm folgen und ein wenig Schutz unter Bäumen finden, dachte er sich und hielt auf das Rentier zu. Es war jedoch scheu, ganz anders als in seiner Welt, und lief ihm davon, bevor er ihm folgen konnte. Eine merkwürdige Welt.... Warum hatte das Rentier ihn nicht gefragt, was er hier draußen macht? Nun gut, dachte er sich. Dann werde ich wohl weiter suchen müssen. Also setzte er seinen Weg fort. Kurz, bevor es ganz dunkel wurde, sah er am Horizont ein paar Bäume, zu denen er gelangen wollte. Zum Glück hatte er bei seinem überstürzten Aufbruch an seinen Rucksack gedacht. So hatte er wenigstens ein paar Äpfel für die Nacht und Streichhölzer, um sich ein Feuer anzuzünden. Auch ein paar Möhren und etwas Heu hatte er dabei, falls er zu Hause gezwungen war, die Nacht in der Wildnis zu verbringen und auf Rentiere stieß. Aber die Rentiere in dieser Welt wollten offenbar nicht mit ihm reden. So konnte er sich mit Hilfe des Heu's jedoch schnell ein kleines Feuer anzünden und nach und nach kleinere Ästchen auflegen, so dass schon kurz nach seinem Eintreffen bei den Bäumen ein lustiges kleines Feuer brannte. Gedankenversunken knabberte er an seinem Apfel und dachte zum ersten Mal an diesem Tag an seine Familie. Er hatte sie zurück gelassen, um in die Welt seines Großvaters zu gelangen und die Stadt zu finden, welche die Aurora von Zeit zu Zeit zeigte. Dort, so war er sich sicher, würde es ein Wiedersehen mit seinem Großvater geben. Aber der Abschied von all seinen Lieben schmerzte ihn dennoch sehr. Würde er jemals wieder zu ihnen zurück kehren können? Sein Großvater hatte es geschafft, in ihre Welt zu kommen und schließlich war es ihm ja auch gelungen, in diese Welt zu gelangen. Aber würde er seinen Großvater wieder mit zurück bringen können und so seiner Großmutter, die seit Cedriks Tod unsagbar traurig war, wieder neuen Lebensmut schenken können? Langsam und nachdenklich bereitete er sich aus dem verbliebenen Heu ein kleines Nachtlager, in das er sich hineinkuschelte und an seine Familie dachte. Es würde wohl noch ein langer Marsch werden, bis er die von der Aurora verhießene Stadt endlich finden würde. Aber damit hatte er gerechnet und so machte es ihm nichts aus. Auf ein paar Tage mehr oder weniger kam es jetzt auch nicht mehr an. Kurz, bevor er die Augen schloss, sah er in weiter Ferne ein Glitzern wie von tausend Lichtern. Die Stadt, die er in der Aurora gesehen hatte. Nun hatte er eine Richtung, in die er gehen konnte. Gleich morgen würde er sich auf den Weg machen! Mit den Gedanken bei seiner Familie schlief er schließlich ein und träumte einen wunderschönen Traum von seinem Großvater.

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