Als Siridean Tristian an diesem Morgen missgelaunt in die Werkstadt kommen sah, atmete er erleichtert auf. Er hatte die Befürchtung gehegt, ein verwüstetes, verweistes Zimmer aufzufinden, wenn man die Schlafzimmertür des Elfen aufbrach. Nachdem er sich gestern die alte Geschichte vergegenwärtigt hatte, kam ihm dieses Bild nur allzu real vor. Umso besser gelaunt widmete er sich wieder seiner Arbeit, mit dem Bewusstsein, dass es noch nicht zu spät war. Doch die Freude über dessen Auftauchen verflüchtigte sich bald wieder. Zwar verrichtete Tristian seine Arbeit genauso sorgfältig wie sonst, zog sich aber immer weiter von seinen Mit- Elfen zurück. Einmal mehr wünschte er sich, in die Köpfe der anderen schauen zu können, um deren Gedankengänge zu ergründen.

Wie konnte er Tristian und Arun nur behilflich sein? In seinen Gedanken versunken, wurde er jäh aufgeschreckt, als der Stall- Elf völlig durch den Wind durch die große, in Rot- und Weißtönen gehaltene Tür gerannt kam. Aus der Puste und mit hoch rotem Kopf stammelte er, dass es den Rentieren des Weihnachtsmannes noch schlechter als am Vortag ginge. Dancer war mittlerweile in Ohnmacht gefallen und Cupid litt unter Schüttelfrost, außerdem hatte mindestens die Hälfte keine Stimme mehr. Natürlich dämpfte diese Mitteilung die fröhliche Stimmung im Raum, das angeregte Geschnatter verstummte nacheinander und Hämmer waren nur noch vereinzelt zu hören. Das war eine Katastrophe! Dem Weihnachtsmann musste selbstverständlich unverzüglich Bericht erstattet werden. Die Rentiere waren ernstlich krank, ein Umstand, der seit einer halben Ewigkeit nicht mehr aufgetreten ist. Vor allem nicht so kurz vor der Fahrt. Jetzt mussten nur noch die Laufbänder ihren Geist aufgeben, die Geschenke auf mysteriöse Weise verschwinden und Weihnachten wäre gelaufen. "Huhh, bloß nicht Panisch werden!", dachte sich Seridean. Mittlerweile hatte sich der Stall- Elf auf den Weg gemacht, um die weiteren Schritte zu beratschlagen. Die anderen nahmen widerstrebend ihre Tätigkeit auf und bald war vereinzelt wieder Gepfeife zu hören. Serideans Blick fiel auf Tristian, dessen Miene eine ausdrucklose Maske war und dann auf Arun, der ihm kurz zuvor unmerklich zugenickt hatte. Wenn es den Rentieren morgen nicht wieder besser ging, so nahm er sich vor, würde er die beiden zur Rede stellen.  Am Ende des Tages war ein riesiger Haufen Geschenke fertiggestellt und die Erkrankten unter einen Berg von Decken begraben, mit den stärksten Arzneien vollgestopft und einem üppigen Vorrat an Heu versorgt. Der Weihnachtsmann hat am späten Nachmittag eine Motivationsrede gehalten, mit der er seine Zuversicht ausgedrückt hatte, um seine Elfen zu beruhigen. Nur wer genau hingesehen hatte, dem sind die feinen Furchen auf dessen Stirn aufgefallen. Weiter ist nichts ungewöhnliches geschehen und so fand ein weiterer Dezembertag mit funkelnden Sternen und von bunten Lichtern angestrahlten Bäumen sein Ende. 

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