Mit glasigen Augen starrte er Richtung Spiegel, ohne eine Regungen darin wahrnehmen zu können. Er war tief versunken in einer anderen Welt, in einem anderen Körper. Wenn er an sich herabschaute, sah er keine glatte Haut, sondern ein bräunliches Federkleid. Raschelte es im Gebüsch hinter ihm, musste er seinen Kopf nur drehen, um dann mit messerscharfen Blick die Ursache zu erspähen. Häufig waren es Ratten, welche sich nicht ganz unbemerkt fortbewegen konnten. Ein ungutes Gefühl machte sich stets in seiner Magengrube breit, wenn er sie hörte, doch er kam nicht darauf, weshalb. Deshalb konzentrierte er sich lieber darauf, jeder einzelne Bewegung von Alva zu folgen. Die Form annehmende Sternschnuppe auf ihrer Wange beäugte er dabei am ausgiebigsten. Schließlich konnten sie erst richtig eingreifen, sobald diese ausgereift war. Taten sie dies nicht, wären ihre Kräfte auf immer verloren. Einmal haben sie diesen Fehler bereits begangen - ein zweites Mal war nicht vonnöten, schließlich brauchten sie Alva‘s Kräfte so dringend. Wenn alles gut lief, war sie das letzte Sternschnuppenkind, dessen Magie notwendig war, um Weihnachten wieder zu ermöglichen.

Mit jedem neuen Verbündeten, der sich ihnen anschloss, zeichnete sich ein klareres Bild der aktuellen Lage ab. Je mehr Verbündete sie hatten, umso deutlicher konnten sie sehen, wo die Geschenke jedes Jahr aufs neue verschwanden. Und je mehr Verbündete sie dazu gewannen, desto offensichtlicher wurde es für sie, dass sich die Macht ihres Gegenübers gar nicht so sehr von der ihren unterschied. Es schien gar so, als schauten sie in einen Spiegel, doch es blickte sie nicht ihr Ebenbild an, sondern eine verschrobene Variante davon. Vertraut, aber von ihrer Natur entrückt.

Langsam wurde er sich des samtigen Sessels bewusst, in dem er saß. Mit großen Augen starrte er in den Spiegel vor sich, in dem er sein kreideweißes Gesicht sah. Er war zurück gekehrt in seinen eigenen Körper. Neben ihm stand der Weihnachtsmann, die Hand auf Alems Schulter abgelegt, zusammen mit einer Frau. Leicht schmunzelnd, aber mit müder Stimme, gab der bärtige, alt gewordene Mann ihm zu verstehen, dass er ähnlich wie Alem dachte.

Schon immer hatte der Weihnachtsmann die Gabe gehabt, in den Herzen und Gedanken der Menschen zu lesen. Sie mussten beim Erblühen der Sternschnuppekinder, der Träumer, sofort bei ihnen sein, um sie auf ihre Reise zu schicken. Und das bedeutete nun für sie eine doppelte und dreifache Wachsamkeit. Nichts durfte ihrem Blick mehr entgehen. Der Weihnachtsmann nickte einmal bekräftigend und klopfte ermutigend auf Alems Schulter, der sich nun wieder gefasster fühlte. Körper und Geist der Eule hielten ihn, da er jetzt vollständig zurück gekehrt war, nicht mehr in ihrem Bann.

Die Frau stellte ihm ein paar Plätzchen und eine heiße Schokolade hin, damit er wieder Kraft tanken konnte. Er war nie ein großer Fan von süßen Leckereien gewesen, aber da sie in der Weihnachtsstadt nichts anderes zu bieten hatten, fing er an, am Gebäck zu knabbern. Während er das tat, nahm er die Frau zum ersten Mal bewusst war, weshalb er die Augenbrauen fragend hob. Er hatte sie nie zuvor gesehen. Der Weihnachtsmann fing seinen Blick auf und erklärte lediglich, dass sie ebenso wie wir ein überaus großes Interesse daran besaß, Alva wohlbehalten hierher zu bringen. Er wünschte Alem noch einmal viel Erfolg und bat ihn, die neu gewonnenen Informationen an die anderen weiterzugeben und schon entfernte er sich mit der Frau. Alem seufzte nur noch einmal und schloss wieder die Augen. Er konnte den Wind bereits in seinen Flügeln fühlen.