Lange saß er in seinen roten Mantel eingewickelt auf dem schneebedeckten Boden. Er wartete Stunde um Stunde, während immer mehr Schnee fiel und er eins mit der Landschaft zu werden schien. Der Schnee setzte sich schwer auf seiner Mütze ab, verhing sich in Bart und Augenbrauen. Sein Atem verfing sich in seinen langen weißen Haaren, welche noch einmal weißer durch den Frost wurden, welcher an den Haaren hoch kroch. Ab und an konnte er Rehe an sich vorbei laufen hören, Eichhörnchen durchbrachen die Ruhe, wenn sie ihre Verstecke für Nahrung aufsuchten, doch keine vertrauten Schritte ertönten, keine Stimmen ertönten und riefen nach ihm. Dieser Fakt hätte ihn beunruhigen können, wäre sein Blick nicht permanent in den Himmel gerichtet, in welchem so prächtig wie schon lange nicht mehr die Aurora erstrahlte. Ein Gefühl tiefer Befriedigung und Bewunderung machte sich in ihm breit. Seine Elfen hatten es erneut geschafft, großes zu leisten und das Schaffen der Menschen in richtige Bahnen zu lenken.

Es kümmerte ihn nicht, ob Menschen an ihn glaubten oder nicht, doch der Geist, die Gesinnung von Weihnachten sollte auf keinen Fall verloren gehen, da es diese Grundprinzipien waren, welche seiner Meinung nach die Welt zu einem besseren Ort machten. Weihnachten sollte nur ein Mittel sein, um diese zu erhalten und fördern. Und durch seine Elfen haben sie das jahrelang auch hinbekommen. Deshalb besaß er auch tiefstes Vertrauen darin, dass auch dieses Weihnachten stattfinden würde... Notfalls auch ohne ihn.

Doch gerade, als er sich mit dem Gedanken abgefunden hatte, hörte er ein leises Krächzen. Mit erschöpften Schwingen landete ein Rabe nur Sekunden später vor seinen Füßen. Mit offenen, durchdringenden Augen schaute er in die seinen, ehe er sich wieder erhob und sich auf der Schulter des Weihnachtsmannes breit machte. Das war das Zeichen für diesen, seinen Schneemantel abzulegen und sich auf, in die trauten vier Wände, zu begeben. Was er jedoch zuvor nicht gewusst hatte, war, dass er mehrere Meilen hinter sich legen musste, bevor er vor die Tore, vor die reparierten Schilde der Weihnachtsstadt treten konnte. Und selbst als er sich dann auf dem Gelände befand, kam ihm alles nach wie vor fremd vor, da nun unzählige Bäume mit unterschiedlichen Größen auf den Wegen ruhten.
Das erschwerte das Vorankommen, doch dann stieß der Weihnachtsmann, wie bereits geahnt, auf eine komplett kahle und unberührte Stelle, die etwas 200 Meter lang und 20 Meter breit war - die Start- und Landebahn für die Rentiere. Und auf dieser konnte er eine Heerschar von Elfen sehen, die um einen großen Schlitten versammelt standen. Rudolphs Nase leuchtete wieder so stark wie eh und je, weshalb der Weihnachtsmann sich wegen der Reise keine Sorgen machte. Auch um seine fleißigen Weihnachtsretter musste er sich keine Sorgen mehr machen, da sie alle vor dem Schlitten versammelt standen und von den anderen fleißigen Arbeitern begrüßt wurden.

Im Stillen stand der Weihnachtsmann im Schatten der Tannenbäume und folgte dem regen Treiben, während Janus ihm all die wichtigen Momente weiterleitete, welche die Elfen zu ihren Erfolg geführt hatten. Doch das war noch nicht alles - Janus war, wie Quamo genau wusste, ausgesprochen schlau. Deshalb fuhr dieser begeistert und eindringlich damit fort, ihm einen Ratschlag für die kommenden Jahre zu geben, schließlich hatte er schon einiges von den Menschen mitbekommen. Aus diesem Grund wusste Janus auch, dass Menschen zu so viel mehr fähig waren, wenn sie ihre Anlagen gut genug nutzten. Es gab noch viel mehr Menschen, die Enyo, Lucia und dem kleinen Mädchen glichen. Warum also sollte sich nicht jedes Jahr ein Elfenteam aufmachen, um diesen Menschen die Wunder der Weihnacht nahe zu bringen? Damit wäre dem Weihnachtsmann viel mehr geholfen, als wenn er sich in seinem Schloss, seiner Weihnachtsstadt auf ewig versteckte.

Er war überrascht von dem Mut Janus', doch er konnte nicht anders als ihm zuzustimmen. Er hatte sich zu lange hinter seiner Schutzhülle versteckt. Vermutlich war nun die Zeit gekommen, in der er wirklich aktiv in die Geschehnisse eingreifen musste.

Doch bevor er das tun würde, galt es, Geschenke auszuliefern - und vor allem seinen treuen Elfen zu danken. Sie haben keine Sekunde an ihrer Loyalität, an ihrem Vertrauen gegenüber ihm gezweifelt, obwohl die Situation trostlos aussah. Und im selben Moment hatten sie trotzdem die Initiative ergriffen, um alles in die richtigen Bahnen zu lenken. Er war sich sicher, dass sie die Weihnachtsbescherung auch ohne ihn hätten durchführen können, dennoch warteten sie nun auf seine Rückkehr, obwohl die Zeit bereit bereits voran geschritten war.

Deshalb trat er nun ins Licht und offenbarte sich seinen Mitstreitern - langsam Schritt er auf sie zu und versuchte, so viele Blicke wie möglich einzufangen. Ein Jubelsturm brandete auf und alle begannen, eine Gasse zu bilden, die er durchschreiten konnte. Doch bevor er das tat, ging er hinunter auf ein Knie, um seinen Elfen seine Dankbarkeit und Ehrerbietung zu beteuern. Doch bevor er überhaupt auf sein Knie runtergehen konnte, kamen sie bereits milde entrüstet angestürmt und zerrten ihn zum Schlitten. "Dafür ist später noch mehr als genug Zeit!" Alle fassten an, auch Arela, Keona, Azariel und deren Wegbegleiter, damit ihre Mission nicht vergeblich war.

So schwang sich der Weihnachtsmann auf den Schlitten, welcher viel sanfter und leichter anfuhr als in den letzten Jahren. Und kurz bevor er abhob, ergoss sich ein Energiestrahl in den Himmel, der sich mit der Aurora vermischte und diese noch strahlender wirken ließ und den Schlitten noch leichter abheben ließ. Seine alte Freundin, die Annea, hat ihre letzte Lebensenergie an seinen Schlitten, an seinen Glauben gekoppelt. Eine einzelne Träne rollte seine Wange hinab und verwandelte sich in ein kleines Blatt, welches sich in seine Haut grub und nun zum Zeichen ihrer ewigen Verbundenheit auf seiner Wange ruhte.

Das war der Beginn einer neuen Zeit.


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