Übermütig sprang Cation zwischen Azariel und Quamo hin und her. Heute würden sie mit den beiden anderen Elfenteams in Kontakt treten. Janus, mittlerweile festes Mitglied des Teams - hatte er sie doch zu ihrem Ziel geführt und war allen an's Herz gewachsen - beäugte die Geschehnisse mit skeptischem Blick aus schräg geneigtem Kopf und schien nicht so recht zu wissen, woher die Freude rührte. Azariel und Quamo wussten freilich genau Bescheid und teilten Cation's Freude - wenn auch nicht ganz so überschwänglich. Quamo, der präzise den Platz außerhalb der Stadt anpeilte, der am wenigstens von menschlichen Gedanken überlagert wurde, konnte sich ein leises Grinsen nicht verkneifen. Der Rabe war zu lustig, wenn er etwas nicht verstand und Cation in ihrer Freude verbreitete einfach nur gute Laune. Der mühsame Weg durch den mit Schneewehen und Gestrüpp versehenen Waldstreifen, den sie auf der Suche nach einem ruhigen Ort durchqueren mussten, war somit viel einfacher zu bewältigen und die eine oder andere unter dem Schnee versteckte Wurzel, die Cation zum Stolpern brachte, sorgte für besondere Belustigung. Ja, heute war ein wirklich ein guter Tag. Die Himmelslichter nahmen von Tag zu Tag zu. Gestern Abend, nachdem sie das Mädchen gefunden hatten, nahmen sie ein Bad in den Lichtpunkten, die zur Erde fielen. Das hatte allen gut getan, sogar Janus. Ja, so konnte es weitergehen!

Endlich angekommen auf einem kleinen freien Platz, von dem aus der Lärm der Stadt und der Gedanken kaum noch wahrnehmbar war, setzen sich die Elfen in einen weiten Kreis - Janus hatte seinen eigenen Platz im Rund - und sahen sich mit vor Freude rotglühenden Ohrenspitzen an. Die anderen Teams hatten sie gestern bereits kurz informiert, dass es heute ein Treffen mit den letzten Sonnenstrahlen geben sollte und so warteten sie nun, bis die Sonne hinter dem Horizont versank. Elfen können über den ganzen Erdball miteinander kommunizieren, wenn sie dies möchten und viel zu selten kommen sie in den Genuss, diese Fähigkeit einzusetzen. Aber heute war alles anders. Kurz bevor die Sonne hinter dem Horizont versank, hörten sie den Ruf von Mandrion aus Arela's Team.

Sofort verbanden alle drei Elfen und Janus ihre Gedanken mit ihm und sahen sich nur Augenblicke später Auge in Auge mit all ihren Mitelfen, die auf eigenen Missionen waren. Die Verbindung zwischen Elfen ist besonders. Nichts auf der Welt kann dieser gleich kommen. Sind zwei Elfen miteinander über die Gedanken verbunden, können sie miteinander reden, als würden sie sich gegenüber stehen, können die Gefühle des anderen fühlen, als wären es ihre eigenen und dessen Umgebung wahrnehmen, als würden sie sie selber betrachten. Und so saßen alle in einem weiten Kreis und sahen sich freudestrahlend an. 

Zehn Tage war es nun her, dass sie die Weihnachtsstadt verlassen und sich auf die Suche nach dem vergessene Geschenk, der gestorbenen Hoffnung und dem ungeborenen Kind gemacht hatten. Alle waren bis aufs äußerste gespannt, wie es den anderen ergangen war und was sie bislang erreicht hatten. Nur eins war bislang allen klar. Sie mussten auf einem guten Weg sein - die Himmelslichter hatten wieder begonnen, die Nacht in Magie zu tauchen.

Arela, ganz die alte, ergriff als erste das Wort. "Wie geht es euch, liebe Freunde und wer ist da neu in unserer Mitte? Du bist Janus, nicht wahr?" fragte sie freundlich an den Raben gewandt, der ihre Frage mit einem scheuen Krächzen und Gefühlen voller Zuneigung beantwortete. "Ich sehe, für dich ist dies alles fremd und bekannt zugleich. Raben können sich ähnlich wie wir unterhalten - über Gedanken und Gefühle - und dennoch fühlst du dich noch ein wenig fremd. Wir sind uns ähnlicher, als du denkst" bei diesen Gedanken stimmten alle Elfen bejahend ein "und begrüßen dich herzlich in unserer Mitte! Und er hat euch wirklich gezeigt" richtete sie ihre Gedanken an Azariel, wo ihr das Mädchen findet?" Schelmisch grinsend sah sie zu Quamo, der den Ball sofort auffing und analytisch erklärte, wie Janus das bewerkstelligt hatte. "Wir heißen dich jedenfalls herzlich in unserer Runde willkommen und danken dir sehr für deine Hilfe !" unterbrach Kiovar Quamo sachte. Dieser senkte lächelnd den Blick und fühlte sich einmal mehr dabei ertappt, wie er eine wissenschaftliche Abhandlung aus einem einfachen Vorgang gemacht hatte. "Nun erzählt aber mal, wie es euch bei eurer Suche ergangen ist und viel wichtiger, ob wir alle Aufträge vom Weihnachtsmann finden konnten!" rief Cation ungeduldig.

"Naja." "Ging schon irgendwie." "Muss doch, aber wir haben es geschafft." Dergleichen und mehr tönte durch die Gedanken der Gemeinschaft. Das es nicht immer einfach gewesen war, war schon an den Gefühlen der anderen zu bemerken und ausgestanden war die erste Anstrengung und Hoffnungslosigkeit wohl noch lange nicht. Dennoch konnte jeder bei jedem sehen, dass er ein Licht am Ende des Tunnels sah. "Die ersten Tage waren schwierig...", versuchte Medarion einzulenken und hatte damit den Nerv aller getroffen. "Dennoch haben wir alle gefunden, was wir gesucht haben." Freudige und erleichterte Zustimmung schlug ihm von allen entgegen. "Das ist die Hauptsache" fuhr er fort "und den Rest schaffen wir hoffentlich auch noch!" "Hat denn schon jemand eine Idee, was genau er nun tun soll?" fragte Kiovar nach einer kurzen Pause. Allgemeine Ratlosigkeit von allen Seiten machte sich breit. Eine Ausnahme schien es allerdings doch zu geben. Arela grinste alle frech an und schottete ihre Gedanken komplett ab. Das war unter Elfen zwar möglich, galt jedoch nicht als besonders höflich und wurde, sollte es je nötig sein, nicht so offen zur Schau gestellt. Kein Wunder, dass der eine oder die andere etwas irritiert waren. Sei es drum - Arela war schon immer eigen. 

 "Nein", gestand Amarandel schließlich ein. "Wir würden alle wissen, was dann zu tun ist, hieß es doch. Aber ich habe keine Idee, was wir tun können." Fragend sah sie die anderen an. Plötzlich fiel es ihr wieder ein. "Wir haben übrigens das ungeborene Kind gefunden!" Mit diesen Worten strahlten sie, Keona und Medarion über das ganze Gesicht und die anderen brachen in Jubel aus. Wir haben einen jungen Mann gefunden, der Computerspiele schreibt!", rief Arela wichtig. "Wer ist er? Das vergessene Geschenk? Die gestorbene Hoffnung?" Nachdenklich sah Arela ihn an. "Nichts von beidem, sagt mir mein Gefühl! Wir glauben, er hat mit dem vergessenen Geschenk zu tun. Aber welcher Art die Verbindung ist, können wir derzeit noch nicht sagen."

Damit war nun auch endlich Cation's Frage beantwortet. Offenbar hatten sie in dem Mädchen den Schlüssel zur verlorenen Hoffnung gefunden. Damit konnte man doch was anfangen!

Kurze Zeit später lagen sich alle Mitglieder der Gemeinschaft - Elfen wie Rabe - in Gedanken in den Armen und Flügeln, verabschiedeten sich voneinander und versicherten sich, recht bald wieder was von sich hören zu lassen. Ihre "Konferenz" war ein voller Erfolg . Nun hatten alle wieder einen Ausgangspunkt und ein Ziel, dass sie verfolgen konnten. Dankbar und voller Liebe winkten sich alle nochmal zu und Minuten später war jedes Team wieder auf seinem nach Hause. Der Weg wurde ihnen von Himmelslichtern beleuchtet, die heute Nacht schöner zu sein scheinen, als in den Nächten davor. 


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