Arela, Keona und Azariel sahen sich überrascht an. Gerade sie sollten auf Wunsch des Weihnachtsmanns auf eine Mission gehen? In die Menschenwelt? Das war eigentlich nur ganz bestimmten Elfen vorbehalten und sie hatten bislang nicht dazu gehört. Was für ein Knaller! Jetzt konnten sie endlich beweisen, was in ihnen steckt. Arela, die ohnehin gern mal im Mittelpunkt stand, streckte voller Stolz ihre Brust heraus und blickte triumphierend um sich. Keona und Azariel, die die Aufmerksamkeit nicht ganz so sehr suchten, blickten noch immer etwas verwundert drein und bei Keona schwang auch ein kleines bisschen Frucht mit. Aber alle drei Elfen waren sich der Ehre durchaus bewusst, die ihnen da zuteil wurde. Auf Mission in die Menschenwelt. Das war doch mal was!

Aber lange konnten sie sich nicht in der Bewunderung ihrer Mitelfen baden. Nun hieß es, ein Team zusammen zu stellen und schnellstmöglich aufzubrechen. Ohne Hinweis darauf, wo sie suchen sollten, war die Menschenwelt doch recht groß. Arela, forsch und naseweis wie immer, hatte ihr Team aus drei Elfen in Sekunden zusammengestellt. Mandrion, den sie bewunderte und Kiovar, der sie bewunderte, sollten sie begleiten. Bei Keona und Azariel dauerte die Auswahl etwas länger. Keona, von Haus etwas ängstlich und eher zurückhaltend, wusste, dass sie jemanden brauchte, der sie vorantrieb und ihr Mut machte. Medarion war da genau richtig und zu seiner Ergänzung sollte Amarandel beitreten, von der Keona wusste, dass sie auch mal eigene Wege ging.

Schließlich stellte auch Azariel sein Team zusammen: Cation, die größte Ulknudel weit und breit würde bei Fehlschlägen ihre Laune heben und Quamo würde keine Spur, sei sie auch noch so klein, verlieren. So waren alle drei Teams gebildet und die Reise konnte beginnen. Schnell ein paar Lebkuchen und Spekulatius eingepackt, einen kleinen Vorrat an Lichtpunkten eingepackt und schon saßen je drei Elfen ungeduldig auf einem Rentier, umringt von einer jubelnden Menge! 

Ein letzter Gruß, Handküsse und liebevolle Wünsche begleiteten die Elfen, als sie mit ihren Rentieren die Hülle der Weihnachtsstadt durchbrachen. Draußen war es schlagartig still...eins der Wunder der magischen Hülle. Nichts hören, nichts sehen, keine Entfernung. Waren sie außerhalb der Hülle, gab es die Weihnachtsstadt nicht einmal mehr für denjenigen, der von ihrer Existenz wusste. Sie war einfach nicht vorhanden und wo eben noch der große Festplatz war, lag nun ein Stück Wald, in dem einige vorwitzige Wintervögel zwitscherten und Polarfüchse schnürten. Zurück würden sie nur mit der Hilfe der Rentiere kommen. Ihnen allein vor es möglich, die Weihnachtsstadt zu finden und die Hülle von außen nach innen zu passieren. Ihr innerer Kompass machte dies möglich. Darüber, wie sie die Rentiere nach geglückter Mission zu sich rufen wollten, machten sie sich keine Gedanken. Dafür würde später genug Zeit sein!

Vor der Weihnachtsstadt oder dem, was sie dafür hielten, legten sie auf einer kleinen Lichtung einen letzten Stopp ein. Wohin es sie verschlagen würde, wusste keine der Elfen. Aber alle waren sich einig: den Weg und die Ankunft würden sie den Rentieren überlassen. Da, wo sie nach Willen der Rentiere landeten, würden sie ihre Suche beginnen. Alle drei Rentiere waren genauestens informiert worden, worum es ging. Ob diese die Elfen verstanden hatten, wussten sie nicht zu sagen - schließlich verstand nur der Weihnachtsmann die Sprache der Rentiere. Sie vertrauten jedoch auf die Magie der Weihnacht und darauf, dass die Rentiere wussten, wohin sie ihre Expeditionsteilnehmer tragen mussten und so verabschiedeten sie sich untereinander mit innigen Umarmungen, lieben Worten und dem Versprechen, sich eine Woche nach Weihnachten wieder hier zu treffen, sollten es ein oder mehrere Teams nicht geschafft haben, zurück in die Weihnachtsstadt zu kommen.

Mit vor Zuneigung rot glühenden Ohrspitzen und wehmütigen Blicken verabschiedeten sie sich voneinander und kletterten - einer nach dem anderen - wieder auf ihre Rentiere. Ein letztes Winken und ein lautes "Auf in das Abendteuer!" und die drei Rentiere stoben in verschiedene Richtungen davon. Schnell entfernten sich die Elfen und Tiere voneinander und schon nach wenigen Momenten war kein anderes Team mehr zu sehen. Der Ritt auf den Rentieren über den Himmel und der eisige Wind taten unendlich gut und machten allen Mut, ihre Mission zu erfüllen. Schon seit dem Morgen, als sie den Brief geöffnet hatten, hatten sie auf ihre Abenteuer gewartet und nun standen sie alle an der ersten Stufe.

Mittlerweile war es dunkel geworden. Bald musste die sechste Kerze verlöschen. Ein jeder der Elfen blickte immer wieder zaghaft zum Himmel. Gestern hatten sie ihre Notreserve verbraucht. Das wussten sie aus dem Brief vom Weihnachtsmann. Was kommen würde, wenn auch diese verbraucht war, wusste keiner so genau. Sie konnten nur auf die Himmelslichter hoffen.

Noch bevor die Nasen zu Eiszapfen gefroren waren, setze das erste Rentier mit seinen Elfen in pulverweichem Schnee auf. Hier also würde das erste Team seine Suche beginnen. Der Wald um sie herum war licht  und hell erleuchtet vom vollen Mond. Doch ansonsten blieb der Himmel leer.


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