Mit eisigem Blick starrten sich Lennart und Angus an. Keiner wollte nachgeben. Doch wussten beide, dass sie eine Lösung finden mussten. Sie konnten schließlich nicht ewig in den Katakomben bleiben. Das Volke draußen auf dem Schlosshof, den Plätzen und Straßen hatte mittlerweile herausgefunden, dass Lennart nirgendwo zu finden war. Weder war er im Verlies, noch war er angeblich geköpft worden. Schon schwärmten die ersten aus, um sich auf die Suche zu machen. Irgendwann drangen auch in die Katakomben Menschen und Elfen ein und fanden die beiden Geschwisterpaare. Allen voran stürmte Albion, für den es seit dem Beginn der Unruhen kein Halten mehr gab. Er wollte sich nie wieder verstecken und kämpfte nun darum, einer Zukunft zu Leben zu verhelfen, die Elfen und Menschen wieder zusammen und in Frieden leben ließ.

Er rannte voll wilder Verzweiflung um die Ecken und Kurven des Labyrinths, bis er schließlich mit einem lauten Wums gegen Angus raste, der immer noch seinen Bruder anstarrte. Die beiden gingen zu Boden, kugelten übereinander und kamen schließlich langsam wieder auf die Beine. Dabei sahen sie sich verblüfft an und als ein Erkennen ihre Minen erhellte, lagen sie sich in den Armen. Angus freute sich sehr, den Elfen wieder zu sehen und auch Albion war kaum zu halten. Jedoch war der immer noch auf der Suche nach Lennart, den er natürlich nicht in Angus' Begleiter erkannte, da er ihn noch nie gesehen hatte.Also fragte er Angus frei heraus: "Hast du schon von Lennart Aurelian gehört? Wir sind auf der Suche nach ihm, nachdem wir ihn im Verlies nicht mehr vorgefunden hatten. Er könnte die Zukunft für unser Land sein! Für ein Leben in Frieden und Glück und einer Gemeinschaft zwischen Elfen und Menschen." Angus trat einen Schritt zur Seite um den Blick auf seinen hinter ihm stehenden Bruder freizugeben. Da jedoch trat dieser selbstsicher hervor und sagte laut und deutlich zu den Neuankömmlingen: "Ich bin Lennart Aurelian! Ich komme wie ein Bruder" und damit legte er Angus die Hand auf die Schulter " aus einem sehr fernen Land, in dem Menschen und Elfen in Friede und Eintracht miteinander leben. Dafür will ich auch hier eintreten!". Der Jubel der Anwesenden war riesig und schwoll weiter an, als Angus und Lennart sich in den Armen lagen.

Der niedrigen Decken in den Katakomben wegen konnten sie ihren neuen König nicht über ihren Köpfen hinaus tragen. So geleiten ihn alle unter Jubel und Hoch-Rufen in ihrer Mitte nach draußen. Dort jedoch wurde er auf die Schultern von zwei starken Männern gesetzt und davongetragen - in Richtung des Schlosses. Immer weiter entfernte er sich von Angus und seinen neuen Freunden und immer näher kam er dem Eingang des Schlosses. Langsam sprach sich herum, dass an Angus gefunden hatte und die Welle der Begeisterung brandete gegen die beiden Männer, die ihn auf ihren Schultern trugen. Bis in den Thron-Saal wurde er letztendlich getragen und dort vor dem Thron abgesetzt. Nun wurde die Menge still und schaute ihn erwartungsvoll an. Auch Angus, Luisa und Finnig hatten in der Zwischenzeit den Thron-Saal erreicht und harrten gespannt der Worte, die sie von Lennart erwarteten. Lennart ließ den Blick über die vielen Gesichter schweifen und war tief bewegt von dem Vertrauen und der Zuversicht, die ihm aus diesen entgegen trat.

Mit fester Stimme begann er zu den Anwesenden zu reden. "Ich bin Lennart Aurelian, Enkel des einstmaligen rechtmäßigen Königs Cedric Aurelian, der in die Verbannung geflohen ist und dort sein Glück gefunden hat. Ich hatte eine glückliche Kindheit und Jugend, war immer umgeben von einer mich liebenden Familie, der Gemeinschaft der Menschen und natürlich der Gemeinschaft der Elfen, beschützt von dem Glauben an Weihnachten und ich kann nur sehr schwer nachvollziehen, wie euer aller Leben hier unter diesen Bedingungen gewesen sein muss. Aber ich will ein Bestes tun, um euch dieses Glück und diese Zufriedenheit sowie den Schutz zukommen zu lassen - wenn ihr ich als König wollt!". Die Menge tobte und raste und innerhalb kürzester Zeit hatte es sich bis draußen herumgesprochen, dass Lennart ihr König sein wollte und für eine glückliche Zukunft sorgen würde.

Angus freute sich sehr, sah er doch, dass sein Bruder seiner Bestimmung gefolgt war - ganz ohne das sie sich prügeln mussten, wie Angus schon befürchtet hatte - jedoch fragte er sich auch, was seinen Bruder bewogen hat, von seinem ursprünglichen Ansinnen Abstand zu nehmen und doch hier zu bleiben. Die Antwort darauf sollte er noch am gleichen Abend von seinem Bruder bekommen: "Du warst immer ein verträumtes, ruhig Kind. Hast dich nie aufgelehnt, warst immer fröhlich und glücklich. Als wir unten in den Katakomben standen, habe ich zum ersten Mal in deinen Augen ein Feuer lodern sehen, dass ich so noch nicht kannte. Versteh mich nicht falsch, Bruderherz! Du warst immer für jeden Blödsinn zu haben. Aber wirklich gebrannt für eine Idee hast du nie und die Vehemens, mit der du deine Ansicht vertreten hast, hat mich überrascht und erfreut zugleich. In der kurzen Zeit, in der wir getrennt waren, bist du wahrlich zu einem Mann herangereift - einem, der für seine Freunde und Ideale eintritt und das hat mich sehr stolz gemacht" Gerührt von den Worten seines Bruders zog er diesen in eine Umarmung. Langsam jedoch wurden ihm die Knie weich - es war mittlerweile später Abend und der Tag war aufregend genug gewesen. So gingen alle zu Bett - nicht in den Katakomben, sondern im Schloss und dachten noch lange über die Ereignisse des heutigen Tages nach.

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