Währenddessen zu Hause.... Nun warteten sie schon seit Tagen darauf, dass Angus wieder zurück kam. Jedoch gibt es bis jetzt keine Spur von ihm. Sein Vater, sein Bruder und ein paar Männer aus dem Dorf hatten jeden Tag die Umgebung durchkämmt. Aber immer noch gab es keinen Hinweis auf Angus' Rückkehr. Die Stimmung im Hause Aurelis wurde immer betrübter. Kaum einer wollte frühs noch aufstehen und seinem Tagwerk nachgehen. Irgendwann jedoch müssten sie alle wieder der Normalität nachgehen. Dazu allerdings war es noch zu früh. Alle waren zu tiefst betrübt und am schlimmsten hatte es Enya, die Großmutter von Angus, getroffen. Ohne Unterlass machte sie sich Vorwürfe, dass sie den Kindern und deren Kindern nicht die Wahrheit über die Welt und die Herkunf von Cedrik erzählt hatten. Lennart, Angus' älterer Bruder, machte sich ebenfalls große Vorwürfe. Er hätte besser auf "den Kleinen" aufpassen sollen.

Aber so leicht würde er sich nicht geschlagen geben. Tage, nachdem Angus verschwunden war, beschloss er, ihm in die weiße Stadt zu folgen und heute würde er sich auf den Weg machen. Früh am Morgen, als es noch ganz dunkel war und die Nordlichter wieder tanzten, packte er seinen Rucksack und holte sich den Segen seiner Familie für das waghalsige Unternehmen. Er versprach, wenn es einen Weg zurück gab, würde er wiederkommen und so das Schicksal im hold war, Angus mitbringen. Jetzt, da der Aufbruch nahte, wollte er keine Minute mehr verstreichen lassen. Er verabschiedete sich von all seinen Lieben und machte sich auf den Weg. Nun galt es, die Augen offen zu halten. Er musste die weiße Stadt in der Aurora sehen, um durch sie hindurch dorthin zu gelangen. Aber bislang konnte er die weiße Stadt nicht entdecken. Er lief und lief und langsam zeichnete sich am Horizont die Morgendämmerung ab. Wenn der Tag erst angebrochen war, würde er keine Aurora mehr sehen können und damit war die Chance für heute vertan. Doch noch war es nicht so weit.

Lennart lief immer weiter und plötzlich sah er in einer besonders schön schimmernden Aurora die Umrisse der Stadt. Er rannte auf sie zu und dachte an nichts anderes mehr als an die weiße Stadt. Plötzlich verlor er den Boden unter den Füßen, rannte jedoch weiter und stieg dabei höher und höher. Schon konnte er die schneebedeckten Bäume von oben sehen, als ihn ein scharfer Wind erfasste und mit irrer Geschwindigkeit nach oben zu. Lennart drehte sich in alle Richtungen, wirbelte umher, war dem schneidend kalten Wind gnadenlos ausgesetzt und schrie um sein Leben. Plötzlich wurde es ganz still. Lennart dachte schon, nun muss er wieder zu Boden fallen. Jedoch bemerkte er in diesem Augenblick, wie er von den Nordlichtern erfasst wurde. Seine Sachen, seine Hände, sein Gesicht - alles schimmerte in den bunten Farben der Aurora und ließ ihn Raum und Zeit, Kälte und Angst vergessen. Nun gab es nur noch ihn und  die Aurora. Leicht wie eine Feder fühlte er sich, als er durch die glimmenden Lichter schwebte. Das Gefühl war so schön, dass es ihm ein Lächeln auf das Gesicht zauberte.

Er war völlig verzückt. Da jedoch war er auch schon durch das Nordlicht hindurch geschwebt und ebenso plötzlich, wie sein Aufstieg gebremst wurde, begann nun sein Fall in eine kalte weiße Welt. Er versuchte krampfhaft, die Waage zu halten, wurde jedoch jedoch genau wie eben herumgewirbelt und hin und her geschüttelt, so dass er garkeinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Da gab es auch schon einen dumpfen Knall und Lennart lag im Schnee. Ihm taten alle Knochen weh von diesem abrupten Fall und der unsanften Landung. Er schüttelte vorsichtig seinen Kopf, um wieder zu Sinnen zu kommen. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Aber die Freude und Leichtigkeit beim Durchschweben der Aurora hatten noch einen leichten Nachhall und so kam er schließlich doch noch auf die Beine. Etwas benommen schaute er sich um und sah - nichts. Alles weiß. Kein Baum, kein Strauch, kein Mensch, kein Tier - und keine weiße Stadt. War er jetzt überhaupt in der Welt mit der weißen Stadt? Na gut, dachte Lennart, am Übergang gibt es wohl keinen Zweifel. Wohin jedoch sollte er sich jetzt wenden? Er hielt den angeleckten Finger in die Luft und prüfte, woher der Wind wehte. Ihn im Rücken wollte er so lange laufen, bis er auf einen Anhaltspunkt stieß, der ihm den Weg in die weiße Stadt weisen würde. Also machte er sich beherzt auf den Weg und hoffte, nicht all zu lange laufen zu müssen.

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