Der Wecker klingelte, ich stöhnte, drehte mich um und drückte mein Kissen auf die Ohren. Aber es half nichts, entnervt drückte ich die Schlummertaste und stand noch immer schlaftrunken auf. Taumelnd gelang ich ins Bad, um mich für die Schule fertig zu machen. Ich hatte schon einmal von Menschen gehört, welche aufwachten und fit wie ein Turnschuh waren, meine beste Freundin Lilian war so einer, was jedoch nicht hieß dass ich es verstand. Um wirklich wach zu werden drehte ich den Wasserhahn auf und spritzte mir eiskaltes Wasser ins Gesicht. Schon besser. Dann putzte ich mir meine Zähne und duschte noch schnell. Binnen 10 Minuten war ich wieder in meinem Zimmer und holte einen einfachen grauen Pulli sowie schwarze Jeans und Unterwäsche aus meinem Schrank. Nachdem ich angezogen war, ging ich schnell runter in die Küche. Jeder von uns musste Vorbereitungen für die Reise treffen. Ich war für den Proviant und Taschenlampen zuständig. Auf dem Weg runter zur Küche kam ich an einem Spiegel vorbei. Meine schwarzen Haare standen in alle möglich Richtungen ab, das störte mich aber herzlich wenig, schlimmer waren die schwarzen Augenringe. Schnell lief ich weiter. Als ich an der Garderobe vorbei kam, schnappte ich nach meinem alten Rucksack. In der Küche schnappte ich alles was mir in die Hände kam und stopfte es in den Rucksack, die Taschenlampen mit den dazugehörigen Batterien holte ich aus einer Schublade. Gerade als ich die Schritte meiner Mom auf den Treppenstufen hörte, war ich fertig. Zufrieden machte ich mich am Wasserkocher zu schaffen um Kaffee zu kochen. Einen Tag ohne Kaffee zu starten war fast einem Todesurteil gleichzustellen. Fast. Erstaunt blieb meine Mom mit zusammengezogen Augenbrauen im Türrahmen stehen. "Du heckst irgendetwas aus.", war ihre morgendlich Begrüßung. Tja, sie kannte mich zu gut, ich stand nie vor ihr auf, außer wenn ich etwas ausheckte. Mit der besten Unschuldsmiene gab ich ihr einen Kuss auf die Wange, drückte ihr eine Kaffeetasse in die Hand und schob mich an ihr durch die Tür vorbei, den Rucksack in meiner linken Hand. Verwundert schaute sie mir nach, sagte jedoch nichts mehr. Ich rannte schnell die Treppe wieder hoch und versteckte die Vorräte unter meinem Bett. Dann nahm ich meinen Schulrucksack, welcher an meiner Tür lehnte und rannte den Weg wieder herunter. Ich zog die schwarze Daunenjacke vom letzten Jahr an und hängte den schwarz-weiß karierten Schal um meinen Hals, außerdem setzte ich mir die blaue Mütze auf. Meine Mom schenkte ihn mir letztes Jahr, weil sie fand dass die Farbe meine Augen so gut betonte. Als ob ich nichts besseres zu tun gehabt hätte, aber ich will mich nicht beklagen. Sie meinte es bloß gut. "Bis nachher", rief ich zum Abschied. Moms Antwort kam aus dem Bad:"Viel Spaß in der Schule. Hab dich lieb Jake." Da ich heute mehr Zeit hatte um zum Bus zu gelangen, konnte ich noch etwas nachdenken. Was sollten wir bloß unseren Eltern sagen? Am besten nichts, obwohl es sicher schlecht aussehen würde, wenn auf einmal 5 Kinder am nächsten Morgen nicht mehr in ihren Betten liegen würden. Das wir zum Weihnachtsmann fahren würden, konnte ich noch immer nicht recht fassen! Der Weihnachtsmann, ich meine, welcher 18-jährige glaubte noch an den Weihnachtsmann? Aber was sollte ich sagen, drastische Zeiten verlangten drastische Maßnahmen. Ich wurde unsanft aus meinen Gedanken gerissen, da ich mich auf einmal auf dem Boden wieder fand, meine beste Freundin auf mir. Sie lachte. Ein leichtes Lächeln stahl sich auch auf meine Lippen, was mich aber nicht aufhielt lauthals zu fluchen. Lilian war immer so positiv, was ich von mir nicht immer behaupten konnte. Wir rappelten uns mühselig wieder auf und gingen zum Bus. Lilian hatte mal wieder viel zu erzählen, das liebte ich an ihr. Obwohl auch unter ihren Augen Schatten lagen, strahlte sie eine Lebensfreude aus, die unter normalen Umständen ansteckte. Der Schultag verging schnell, was natürlich daran lag dass so viele Lehrer fehlten. Eric erteilte mir noch die Aufgabe ein Kaleidoskop zu besorgen, Lilian gab mir zum Abschied ein Kuss auf die Wange und ich ging zurück nach Hause. Ein ganz normaler Tag, wenn man von der freudigen Erwartung absah. Wie wir alle zum Nordpol gelangen sollten, war wir mir ein Rätsel. Außerdem hatte ich keine Ahnung, wofür das Kaleidoskop gut sein sollte, aber ich zweifelte nicht an Erics Worten. Deshalb befand ich mich diesen Nachmittag in der Scheune und suchte nach Opas altem Exemplar. Schweißüberströmt fand ich es letztendlich in der hintersten Kiste, in der dunkelsten Ecke der Scheune. So ein Glück hatte nur ich. "Sarkasmus" *husst*. Naja, am Abend, als ich mit den Hausaufgaben fertig war, aß ich mit Mom Spaghetti zum Abendbrot. Mit einem Kuss auf die Wange ging ich dann ins Bett. Es dauerte nicht lange und ich war ins Land der Träume abgedriftet.

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