Wieder waren die Kinder heute in aller Frühe auf den Beinen und wie auch gestern war Keena schon wach und wartete auf sie. Heute wollte sie den fünf Freunden die Rentierställe zeigen. Nach dem Frühstück - mit Kakao und Keksen -  ging es in Richtung Stall. Auch der Stall war sehr schön geschmückt und mit Lichterketten versehen - wie jedes Gebäude in der Weihnachtsstadt. Im Stall standen etwa 20 Rentiere, deren Fell frisch gebürstet war und glänzte. Alle schienen guter Laune zu sein und aufgeregt auf morgen Abend zu warten. Die Spannung war fast zum Greifen im Stall. Als ihr Rundgang beendet war, kam eine andere kleine Elfe - die Kinder erinnerten sich, dass sie Rhonda hieß - und flüsterte Keena etwas ins Ohr. Diese nickte und wandte sich dann den Freunden zu. Jetzt war es soweit, dass der Weihnachtsmann Zeit für sie hatte und Keena würde sie nun zum Weihnachtsmann bringen. Den fünf Freunden wurde es abwechselnd heiß und kalt und die Beine wurden schwer. Bislang hatten sie nur theoretisch über den Weihnachtsmann nachgedacht. Aber nun sollte es Realität werden und das war schon eine ganz andere Hausnummer.

Die Kinder folgten Keena durch viele Gebäude und viele Flure, die sie noch nicht gesehen hatten und standen schließlich vor einer großen zweiflügligen Tür, vor der einige Elfen geschäftig hin und her liefen. Dann öffneten sich die beiden Flügel der Tür und die Kinder wurden herein gerufen.

Drinnen saß auf einem roten Sofa der Weihnachtmann und lächelte die Kinder freundlich und auffordernd an. Da standen sie nun und brachten kein Wort raus und kurz bevor es richtig peinlich wurde, trat Eric - der immer so still war und sonst nie etwas sagte - hervor und richtete das Wort an den Weihnachtsmann. Mit klarer und fester Stimmer erzählte er dem Weihnachtsmann, dass ihre Schule zum Ende des Jahres geschlossen werden soll, weil die Mittel für die Renovierung nicht vorhanden sind und dass alle Schüler und Lehrer Geld über verschiedene Aktionen sammeln, es aber am Ende nicht reichen würde. Er erzählte weiter, dass die Freunde sich zusammengetan haben, um ihn, den Weihnachtsmann, zu finden und von den Herausforderungen, denen sie auf dem Weg hierher begegnet waren und all dem Guten, dass ihnen dabei widerfahren ist und wie das Kaleidoskop ihnen am Ende die Weihnachtsstadt gezeigt hat. Das alles erzählte er ohne zu stottern und sonst wie zu stolpern und die Freunde waren ganz überrascht, dass Eric so gut sprechen konnte.

Der Weihnachtsmann hörte sich die ganze Geschichte von Anfang bis Ende an und fragte dann freundlich Eric, was sie nun von ihm wünschten. Eric sagt:

Lieber Weihnachtsmann,

wir sind auf der Suche nach einem Weihnachtswunder zu dir an den Nordpol gekommen. Das Wunder, dass wir uns erhoffen, ist der Erhalt der Schule. Wir möchten dich also bitten, für die kleinen und jüngeren Schüler unsere Schule zu retten. Leider haben wir keine Idee, wie das Wunder geschehen kann und möchten diesen Teil gern in deinen Händen lassen.

Der Weihnachtsmann lachte freundlich und sagte dann zu den fünf Freunden:

Wenn ein Wunsch so geballt und nachdrücklich vorgetragen wird, habe ich wohl keine andere Wahl - hier zwinkert er den Kindern zu - als den Wunsch zu erfüllen. Wenn ihr zurück zu Hause seid, tut etwas, dass ihr vor der Abreise noch habt tun wollen, aber nicht mehr geschafft habt und euer Wunsch wird in Erfüllung gehen.

Damit waren die Kinder wieder entlassen und gingen zurück in ihre Zimmer. Was wollten sie denn noch vor der Abreise tun? Verwundert schauten die Kinder sich an und grübelten nach, was sie nicht mehr erledigt hatten. Später kam Keena nochmal und sagte den Kindern, dass sie morgen mit dem Weihnachtsmann zurück reisen würden und sie sich ab Mittag bereit halten sollten. Der Weihnachtsmann würde einen kleinen Umweg fliegen, damit sie noch rechtzeitig zu Hause ankamen.

Ein bisschen wehmütig war den Kindern schon zumute, wieder nach Hause zu reisen. Für sie hatte das größte Abenteuer in der Weihnachtsstadt gerade erst angefangen. Aber sie freuten sich auch alle auf ihre Eltern und Geschwister und so war die Freude auf zu Hause doch größer als die Wehmut. In dieser Nacht gingen sie grübelnd zu Bett und überlegten jeder für sich, was sie vor der Abreise nicht mehr geschafft hatten.

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