Und wieder waren Siridean und Tjara auf dem Weg zum Mondberg. Am Morgen hatten sie noch kurz überlegt, ob sie den fremden Elf wieder überwältigen wollten. Aber der Überraschungseffekt war erst mal weg und ob ihnen das noch mal gelang, war mehr als fraglich. Also wollten sie versuchen, ihn zur Rede zu stellen. Nur musste er dafür erst mal in der Höhle sein. Wo sie ihn sonst hätten suchen sollen, wussten sie nicht. Also gingen sie mit gemischten Gefühlen den Mondberg hoch, vorbei an der Höhle, in der vormals die Werkbänke waren und weiter zu des fremden Elfens Behausung. Als sie dort ankamen und in die Höhle eintraten, staunten sie nicht schlecht. Auf einem Stuhl saß der Elf und schien bereits auf sie zu warten. Neben ihm eine riesige Wölfin, die ihn zu beschützen schien und die beiden argwöhnisch beäugte.

Eine ganze Weile sahen die drei Elfen sich nur an, bis die Spannung so groß war, dass Siridean es nicht mehr aushielt und das Wort an den fremden Elfen richtete. "Wir sind Siridean und Tjara und wir wollen dir nichts tun." So begann er zu seinem Gegenüber zu sprechen. Eine Weile blickten sie sich wieder an, dann für Siridean fort. "Wir sind auf der Suche nachen einem Elfen-Freund und dem Weihnachtsmann und wir glauben, dass du uns sagen kannst, wo die beiden sich aufhalten. Soweit wir feststellen konnten, hattest du mit dem Verschwinden unserer Werkbänke zu tun und nun fragen wir uns, ob Einar und der Weihnachtsmann ebenfalls bei dir sind. Wir wollen sie nur zurück und dir kein Leid zufügen!" Lange schwieg der fremde Elf, dann endlich meldete er sich zu Wort. "Warum soll ich den Weihnachtsmann wieder frei lassen? Er hat immer nur die Kinder beschenkt, die ihm einen Wunschzettel geschickt haben. Viele Kinder jedoch können weder Lesen noch Schreiben und sind gar nicht in der Lage, ihm einen Wunschzettel zu schicken. Wer denkt an diese Kinder? Ich hab die letzten hundert Jahre alles gegeben, um diesen Kindern ein schönes  Weihnachtsfest zu machen. Aber was kann ein einzelner Elf schon ausrichten? Ich finde es nur richtig, dass der Weihnachtsmann jetzt in Arrest ist und keine verwöhnten Kinder beschenken kann. Dieses Jahr bekommen nur solche Kinder Geschenke, die sie ganz bitter nötig haben. Dafür werde ich - wie jedes Jahr - sorgen." Siridean war sprachlos. Was sollte er dazu sagen. Natürlich stimmte es, dass der Weihnachtsmann Wünsche von Wunschzetteln erfüllte. Er selber hatte nie darüber nachgedacht, dass es auch andere Kinder gab, die sich nicht an den Weihnachtsmann wenden konnten und natürlich hatten auch diese Kinder ein Geschenk verdient. Es gab also so etwas wie einen Elfen-Untergrund, dämmerte ihm langsam. Aber wie konnte er den fremden Elf umstimmen und woher kam er eigentlich? Er selbst hatte ihn noch nie in der Weihnachtsstadt gesehen. Aber nur von dort konnte er eigentlich stammen. Also, wer war er? Und so frage er ihn direkt. "Wenn du ein Elf bist und für Kinder Geschenke herstellst, kommst du dann aus der Weihnachtsstadt? Ich hab dich dort nie gesehen." Und so kam es, dass Eowyn seine ganze Geschichte erzählte. In der Zwischenzeit hatten sich Siridean und Tjara gesetzt und Eowyn hatte für sich und die beiden Zimttee gekocht. Als Eowyn mit seiner Geschichte endete, saßen alle drei um einen Tisch und tranken Tee. Es folgte abermals ein langes Schweigen. Aber diesmal war es das einvernehmliche Schweigen von Freunden, denn Siridean und Tjara hatten durchaus Verständnis für die Beweggründe doch Eowyn. Siridean sagte, an Eowyn gewandt "Wir müssen den Weihnachtsmann zu unserem Gespräch dazu holen. Ich bin mir sicher, dass er ein offenes Ohr für deine Beweggründe hat und er uns helfen wird." Was sollte Eowyn darauf schon erwidern? Tief in seinem Innersten hatte er immer gewusst, dass er mit dem Weihnachtsmann zusammen arbeiten muss. Also stand er auf, betätigte einen Hebel neben seinem Bett und eine Wand links der Gruppe verschob sich einen Spalt weit, so dass Licht aus ihr hervor leuchtete. Eowyn ging und schob die Wand ganz auf und bat die sich darin befindlichen Personen, nach draußen zu kommen. Was war das für eine Freude für Siridean und Tjara, die nun wieder einar und dem Weihnachtsmann gegenüber standen. Mit Tränen der Freude in den Augen umarmten sich alle lange und schauten dann Eowyn an. Der war auch ganz gerührt von der Wiedersehensfreude und hatte ein schlechtes Gewissen, weil er den Elfen und den Weihnachtsmann eingesperrt hatte. Als Siridean sah, dass keiner so recht mit den ersten worten herausrücken wollte, bat er alle an den Tisch und eröffnete selber das Gespräch. Er erzählte, warum Eowyn Einar und den Weihnachtsmann entführt hatte und fragte den Weihnachtsmann, wie es nun weitergehen sollte. Der Weihnachtsmann hatte natürlich sofort gewusst, wen er vor sich hatte. Er hatte Eowyn als fleißigen Elf und guten Berater die ganzen hundert Jahre hindurch schmerzlich vermisst und so kam es, dass er ihm nur ein ganz kleines bisschen böse war und gleich einen Vorschlag parat hatte. Zuerst wollte er mit den Elfen - einschließlich Eowyn - zurück in die Weihnachtsstadt und dort weiter beratschlagen, was getan werden konnte, damit alle Kinder ein Geschenk bekommen. Gesagt, getan. Mit gemischten Gefühlen folgte Eowyn dem Weihnachtsmann und den anderen Elfen in die Weihnachtsstadt, aus der er vor nun einhundert Jahren verbannt worden war. Leicht fiel es ihm nicht, wieder unter die Elfen zu treten, von denen ihn noch viele kannten. Aber wenn er seinen Traum, dass jedes Kind ein Geschenk bekam, wahr werden lassen wollte, musste er mit den anderen gehen. Als sie in der Weihnachtsstadt ankamen, war es bereits  dunkle Nacht und so wurde das Gespräch auf den nächsten Tag verlegt. Wieder war Eowyn eine Nacht in der Weihnachtsstadt. Die Zweite in Folge. Aber diesmal war er ein freier Elf und er war froh, mit den anderen gegangen zu sein.

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