Erleichtert darüber, in den letzten Tagen nicht mehr von diesen merkwürdigen Alpträumen heimgesucht worden zu sein, stürzten Tristian und Arun sich voller Eifer in die Recherchen über den Schatten. Dass ihre Laune sich schlagartig wieder gebessert hatte, erfreute ihre Mit- Elfen zutiefst. Die beiden jungen Elfen waren nicht mehr so mürrisch und unausgeglichen. Auch diesen Morgen machten sie sich ganz früh an die Arbeit, um herauszufinden, wer dieser Schatten ist. Sie hatten es unbedingt darauf abgezielt, dessen Identität aufzudecken, als eher darauf, was für eine Form von Wesen es war. Da gab es nämlich zwei Varianten. Sie hofften sehr, dass es nicht die eine war, welche sie zu Anfang für wahrscheinlich genommen hatten. Denn wenn es so war, konnte man den vermeintlichen Schatten viel einfacher besiegen, als sie es sich zu träumen gewagt hätten.

Um also Näheres herauszufinden, warteten die beiden sehnlichst auf einen Anruf der Elfen, die auf Expedition zu den Höhlen waren. In Verbindung wollten sie durch Bergkristalle treten, auf denen ein magischer Zauber liegt. Sie hofften, dass der Trupp dort auf Hinweise stieß, welche sie im entscheidenden Punkt voran brachten. Dann könnten sofort alle nötigen Wege eingeleitet werden, so oder so. Während Tristian und Arun nun auf den Anruf der anderen warteten, versuchte Siridean Ordnung in den chaotischen Alltag der Elfen zu bringen. Immer noch kam es zu Auseinandersetzungen und ein Großteil der Gemeinschaft fing langsam an, sich zu langweilen, da die restliche Arbeit, welche noch für die Geschenke zu verrichten war, aus nur einem geringen Teil bestand. Und da es keine Werkbänke und Maschinen mehr gab, die es zu reparieren galt, saßen sie meist nur herum und starrten mit glasigen Augen an die Wand. Normalerweise wäre in diesem Endstadium der Weihnachtsvorbereitungen eine großes Fest- Zeremoniell veranstaltet worden, die Tische hätten sich unter einem Berg von sündhaften Speisen gebogen, dem Weihnachtsbaum wäre die große Sternspitze aufgesetzt worden, die Rentiere wären auf Hochglanz gestriegelt worden und zahlreiche Tänze hätten stattgefunden, alle wären ausgelassen gewesen. So aber schlichtete Siridean Streits, schickte Elfen zum Streichen von den Arbeitsgebäuden und Innenräumen, bat sie, den Vorhof zu fegen und das Geschirr zu spülen, was in letzter Zeit zu kurz gekommen war. Sie sollten nur irgendetwas tun, was sie von der jetzigen Situation ablenken konnte. 

Schneller als erhofft erhielten Tristian und Arun Nachricht vom Mondberg. Völlig gespannt lauschten sie dem Bericht, welcher ausführlich und in allen Einzelheiten vorgetragen wurde. Hier und da stellten sie Fragen und als der Trupp um Unterstützung für ihr weiteres Vorgehen bat, erteilten die beiden bereitwillig Ratschläge. Nachdem die Verbindung der Leitung unterbrochen und das Gesicht der Elfen aus dem jeweiligen Kristall verschwunden war, sahen die beiden Elfen sich lange an. Mit einem leibhaftigen Schatten, der natürlich in dieser Form erschien, war nicht zu spaßen. Er war der böse Wunsch eines Kindes, dem man mit keinem Mittel der Welt beiwohnen konnte - außer mit dem reinen Herz eines Kindes. Da sie aber am Nordpol, in einer magischen, unauffindbaren Stadt lebten, gab es weit und breit kein Kind im Umkreis. So hätte der Schatten uneingeschränkte Macht auf alle in seiner Umgebung ausüben können, die Elfen wären ihm schutzlos ausgeliefert gewesen. Niemand hätte noch über seinen freien Willen verfügen können. Das Herz der Weihnachtswelt wäre unwiderruflich zerstört gewesen. Die beiden grinsten sich breit an und drehten sich voller Euphorie im Kreis, denn es handelte sich um einen einfachen Elf, der sich die Fähigkeit des Gestaltwandelns angeeignet hatte. Mit Eisenpulver war dies ganz einfach zu ändern. Der Schatten müsste sich in seiner wahren Form offenbaren. Und so konnte man ihn ganz einfach gefangen nehmen. Das mussten sie sofort Siridean anvertrauen! Weihnachten konnte noch gerettet werden! Ohne Umschweife machten sie sich auf den Weg zum obersten Polizei- Elf.

Verstimmt scharrten sie mit den Füßen und schauten sich missmutig an. Mit der Euphorie war es vorbei. Schon morgen wollte sich Siridean mit Unmengen an Eisenpulver und Tjara im Schlepptau auf den Weg nach oben machen. Tristian und Arun sollten währenddessen unten warten, da sie zu jung waren. Pahh! Ohne sie  wären die anderen niemals auf die Lösung gekommen, dachten sie sich übermütig. Dabei konnten sie es nicht belassen. Mit den Vorbereitungen und aufgehellter Stimmung ging dieser Tag zu Ende.

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