Da es nach der Besprechung sehr spät geworden war, hatten sie sich erst schlafen gelegt, bevor sie an diesem Morgen mit dem Weihnachtsmann ihr weiteres Vorgehen besprechen wollten. Es war eine sehr vertrackte Situation, da wieder sämtliche Hinweise fehlten. Vielleicht konnte dem ja mit Magie beigewohnt werden. Und dazu brauchten sie den Weihnachtsmann. Doch zuerst wollten das Team sich beim Frühstück mit einer gebührenden Portion Zimt stärken, etwas Routine in diesen chaotischen Tagesablauf bringen. Erschöpft ließen sich Siridean und sein Trupp auf die massive Mahagonibank fallen. Immerhin hat sich der Rest der Elfengemeinschaft in ihren Alltag zurückgefunden. Noch etwas bedrückt, doch schon viel gesprächiger als in den Vortagen, unterhielten sie sich über die Tische hinweg. Einars Verschwinden hatte kurzzeitig für eine betrübte Stimmung gesorgt, doch wog das Auftauchen der Maschinen diesen Schlag fast wieder aus. Siridean aber konnte das nicht besänftigen, ebenso wenig wie Thorin, schließlich war Einar ihr bester Freund.

Die Drei kannten sich schon seit Kindesalter an. Und nicht zu wissen, wie es dem Dritten aus ihrem Bunde ging, machte sie fast wahnsinnig vor Sorge. Also höchste Zeit, zum Handeln. Ihr Blick wanderte zum Haupttisch, an welchem ihr Oberhaupt meist speiste. Doch der Tisch war leer, was zu erwarten war. Zurzeit musste der Weihnachtsmann, wie die meisten anderen Elfen, Überstunden schieben. Es war aber auch zum Verzweifeln, nicht mal neun Tage waren noch übrig, bis die Bescherung stattfinden sollte. Energisch biss Siridean in seinen letzten Lebkuchen, jetzt war Schluss mit Trödelei. Auch die anderen beendeten ihr Mal und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Arbeitszimmer des Weihnachtsmannes. Auf zweimaliges Klopfen folgte nur Schweigen. Anscheinend war er momentan anderswo tätig. Er hatte ja auch viel zu tun. Oder er gönnte sich mal eine kurze Verschnaufpause, wer mochte es ihm verdenken. Siridean fühlte sich schon jetzt, als wäre er in dieser kurzen Zeit um Jahre gealtert. Um dem Weihnachtsmann noch eine kurze Verschnaufpause zu gewähren, unternahmen sie zuerst ein paar Maßnahmen, um einen weiteren Trupp auf den Mondberg zu schicken. Diesmal für unabsehbare Zeit. Wer wusste schon, ob der Schatten zurückkommt. Das wäre die Chance, ihn zur Rede zu stellen. Da er jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit feindlich gesinnt war, mussten die Elfen dementsprechend ausgerüstet sein. Für solche Notfälle hatten sie eine besondere Auswahl an magischen Objekten zur Verfügung. Zum Beispiel eine Zuckerstange, ähnlich einem Boomerang, welche du lediglich zu deinem Gegner schleudern musstest, damit dieser gefesselt vor deine Füße fiel. Dann war da noch eine winzige grün- blaue Weihnachtskugel, welche man in seiner Hand drehte, während derjenige fokussiert an seinen Zielort dachte und Sekunden später an ebenjenen Platz auftauchte. Natürlich nur in einem gewissen Radius, aber überaus praktisch, wenn es hart auf hart kam. Und da war da noch ein Pulver, welches nur ins Gesicht des Gegners geblasen werden musste, damit dieser einen Moment lang die Orientierung verlor. Also rüsteten sie die wackeren Elfen, welche sich freiwillig dafür gemeldet hatten, Thorin unter ihnen, damit und mit mehr aus, packten noch eine ausreichend hohe Ration Essen und Trinken ein, außerdem Schlafsachen sowie anderes Wichtiges, wie Streichhölzer, und schickten sie den Berg hinauf. Der Nachmittag war mittlerweile angebrochen, also höchste Zeit, sich endlich mit dem Weihnachtsmann zu beratschlagen. Sicherlich war er nun aufgestanden und ansprechbar. Siridean und sein Gefolge machte sich wieder auf den Weg zum Arbeitszimmer. Auch dieses Mal antwortete niemand auf deren Klopfen. Langsam machte sich Unruhe breit. Wo war der Weihnachtsmann hin? Kurzerhand wandte er sich um und lief zu seinem Schlafzimmer, doch auch dort war er nicht anzutreffen. Er ließ Elfen ausschicken und nach dem Weihnachtsmann Ausschau halten, doch alle kehrten erfolglos zurück. Kurzerhand ließ er ein Brecheisen holen und mit großem Ächzen stemmte er es unter den Türschlitz. Allein das dauerte eine Ewigkeit, in Büchern wurde das immer wie eine Kleinigkeit beschrieben, die Realität sah anders aus, wie Siridean angestrengt bemerkte. Als er die Tür schließlich aus seinen Angeln gehoben hatte, fanden sie ein leeres Zimmer vor. Der Stuhl war umgeworfen wurden, Blätter lagen auf dem Boden verteilt, aber ansonsten sah es aus wie immer. Nichts verdächtiges weiter, doch eins stand ohne Zweifel fest: Der Weihnachtsmann war verschwunden.

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