Der einzige Lichtblick an diesem Tag war, dass die Werkzeuge zum Herstellen nicht gestohlen wurden. So konnten sich immerhin ein paar Elfen an ihr Tagewerk machen und weitere Geschenke fertigstellen. Man hatte über die Nacht Wachen aufgestellt, welche sicherstellten, dass nicht mehr notwendige Sachen entwendet werden. Und das funktionierte auch ganz gut soweit, schließlich waren alle restlichen Hilfsmittel aus der Werkstadt noch an ihrem Platz. Das konnte man aber nicht von all dem behaupten, was zu entwenden Wert ist. Denn wenn es eine Sache gab, die dem Ganzen die Krone aufsetzte, dann war es diese. Das Gewand des Weihnachtsmannes war gestohlen worden. Elfen rannten schreiend umher, auf der Suche nach den verschwundenen Anziehsachen. Nicht auszudenken, was diese Katastrophe nach sich ziehen würde! Schließlich wusste jeder von ihnen, dass der Weihnachtsmann ohne seinen Mantel anfangen würde zu altern, wie jeder andere Normalsterbliche. Und das hieß es unter allen Umständen zu verhindern! Was würde sonst aus Weihnachten werden?

"Nicht auszudenken, wie die Kinder sich fühlen würden!", dachte Siridean. Doch eins war ihm klar, es konnte sich unmöglich um einen Einzeltäter handeln. Die Frage war jedoch, wie sie es geschafft hatten, unbemerkt inmitten das Herz der Weihnachtsstadt zu gelangen. Denn es musste sich um außerhalb Lebende handeln. Nun musste erst einmal der Sicherheitsstandard enorm gebessert werden. Somit machte sich Siridean an die Arbeit.  Einer seiner unterstellten Polizei- Elfen stieß kurz vor Einbruch der Nacht auf Schlittenspuren, die tiefe Furchen im Schnee hinterlassen hatten. Sie mussten etwas sehr schweres transportiert haben. Die Maschinen vermutlich. Ein weiterer potentieller Hinweis. Allerdings verlor sich die Spur schon bald am Rand des Waldes. Wie das passieren konnte, war ihnen ein Rätsel. Waren sie weitergeflogen?  Und wenn ja, wie haben sie das geschafft? Nur die Rentiere des Weihnachtsmannes, welche krank in ihrem beheizten Stall lagen, waren in diesen Gefilden dazu in der Lage. Siridean war am Rand der Verzweiflung. So viele Spuren, die ins Leere führten! Trotzdem stellte dieser Fund momentan ihre größte Chance dar, die Diebe zu fassen. Jeder entbehrliche Elf machte sich auf den Weg in den Wald. Bereits nach einer Stunde tauchte der Erste auf, um die Überreste einer Werkbank vorzuzeigen, die eindeutig aus ihrer Werkstadt stammte. Ein weiteres Stück wurde eine Meile weiter gefunden. Und daraufhin wieder etwas. Es schien fast zu offensichtlich. Wie die Brotkrumen von Hänsel und Gretel, nur dass diese darauf abgezielt haben, den Weg zurück zu finden und nicht darauf, jemanden hinzulocken. Denn genau danach sah es auch. Sie wurden auf direkter Strecke zum Mondberg geführt. Steil ragte er in den Himmel hinauf, mit wild wucherndem, unübersichtlichen Gesträuch. Dunkel konnte man Höhlen und versteckte Nischen erahnen.  Nadel- und Laubbäume wechselten sich ab, Sträucher wuchsen dicht wie Mauern und die Schatten waren länger, dunkler und tiefer als im Rest des Waldes. Der Koloss schien ständig im Schatten zu liegen, die Sonne beschien ihn fast nie und die meisten Tiere machten einen großen Bogen um ihn. Trotzdem strahlte er eine ungebändigte, wilde Schönheit aus, die einen die unheimlichen Seiten fast vergessen ließ. Und nun führte eine Spur dorthin. Was bezweckten die Diebe damit? Doch egal, was es war, morgen würde Siridean sich mit einer kleinen Eskorte auf den Weg dorthin begeben, Tristian und Arun im Schlepptau. Obwohl die beiden ein Alibi hatten, traute er ihnen nicht über den Weg. Selbst wenn sie nichts mit den merkwürdigen Geschehnissen zu schaffen hatten, etwas wissen taten sie trotzdem, nur was dieses Wissen beinhaltete, würde sich auf dem langen Marsch noch herausstellen. Weiter überlegte er, dass es nicht förderlich wäre, wenn jeder von ihrer Reise wüsste. Am Besten, sie reisten im kleinst möglichen Kreis. Denn es musste Spitzel im Lager geben, ohne diese hätten die Täter es nicht so weit geschafft. Er würde zusätzlich noch Einar und Tjara mitnehmen, nahm er sich vor. Thorin würde in seine Fußstapfen treten und alles andere koordinieren, wenn er nicht mehr anwesend war.Er hatte richtige Führungsqualitäten und war außerdem ein loyaler Elf und Freund. Während der Plan in seinem Kopf reifte, wurde er immer aufgeregter. Nach einer halben Ewigkeit stand der Plan dann fest. "So würde es gehen!", dachte Siridean zuversichtlich und machte sich los, die restlichen Schritte in die Wege zu leiten.

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