Leise Kinderfüße waren zu vernehmen, heimlich einen Schritt nach dem anderen machend und darauf achtend, dass ja die Dielen nicht knarrten. Beschwerte sich das Holz, sobald sie auf eine empfindliche Stelle traten, erklang heiteres, gedämpftes Lachen, das Fortbewegen wurde kurz eingestellt und Deckung hinter einer Kommode gesucht. Als niemand kam, um sie zu maßregeln, strahlten sich die Zwillinge erfreut und siegestrunken an, die Münder von den Zuckerstangen ganz rot, die Mundwinkel voller Spekulatiuskrümel. Wagemutig setzten sie sich wieder in Bewegung, das Mädchen mit den wilden, nussbraunen Locken voran, der Junge mit den verträumten, warmen Augen als Nachhut. Wie Ninjas bewegten sie sich durch die Flure, die Treppe hinunter auf die Garderobe zu, wo ein grünes und ein rotes Mäntelchen hing, passende Schuhe davor stehend. Rasch schlüpften sie in die gefütterten Schuhe und ab ging es nach draußen. Die ganze Nacht über hatten die Wolken Schneeflocken auf die Erde niederfallen lassen, sodass jetzt eine schöne lockere Schicht den harten Boden bedeckte. Ideale Bedingungen für eine Schneeballschlacht.

Nachdem die Kinder aufgestanden waren und zum Frühstück Kakao mit Keksen hatten, gingen sie wieder in ihre Zimmer um ihre Sachen zusammen zu packen und um rechtzeitig für die Abreise bereit zu stehen. Sie waren schon ganz gespannt, auf welche Weise sie mit dem Weihnachtsmann reisen würden. Das würde sehr spannend werden.

Gegen Mittag kam Keena, um die fünf Freunde abzuholen. Sie steuerte gleich auf den Platz vor den kleinen Häusern zu und dort stand - das konnte doch nicht wahr sein - der Schlitten vom Weihnachtsmann, bepackt mit tausenden Geschenken und einem strahlend fröhlichen Weihnachtsmann, der bereits auf die Kinder wartete. Vor den Schlitten waren acht Rentiere gespannt, die vor Aufregung mit den Hufen scharrten und nur so darauf brannten, endlich losfliegen zu können. So schnell es ging, packten die Kinder ihre Rücksäcke zwischen die Geschenke und setzten sich auf die noch freien Plätzche. Kaum saßen sie, ging die Fahrt auch schon los. Einmal um den Platz mit dem Weihnachtsbaum und dann heraus zum Tor und ab in den Himmel. Die Kinder kamen aus dem Staunen garnicht wieder heraus. Aus dem Flugzeug hatte der Nordpol schon sehr schön ausgesehen. Aber nun war er noch tausend mal schöner und von hoch oben leuchtete immer noch die Weihnachtsstadt. Dann entfernten sie sich immer schneller und immer höher und kurz darauf landeten sie auf einer Wiese in der Nähe von Auenberg, stiegen aus und verabschiedeten sich herzlich vom Weihnachtsmann. Auf dem Weg nach Hause wollten sie noch ganz schnell auf dem Weihnachtsmarkt vorbei gehen und eine Bratwurst essen. Kakao und Keks waren zwar lecker, aber was zuviel war, war zuviel.

Auf dem Weihnachtsmarkt angekommen holten sich alle schnell eine Wurst. Eric, der in seinen Hosentaschen nach Kleingeld kramte, holte dabei einen Zettel hervor. Das Los! Jetzt fiel den Kindern auch wie Schuppen von den Augen, was sie noch vor der Abreise machen wollten, aber nicht mehr geschafft haben: das Los einlösen. Wie nach einem Startschuss stürmten die Kinder los in Richtung Losbude und reichten ihr Los ein. Wenn sie recht hatten, würden sie jetzt wohl gleich den Hauptgewinn gewinnen und wirklich. Die Glocke klingelte laut und hell und der Losverkäufer verkündete den Hauptgewinn der Kinder. Die Freude der Kinder war riesig und alle lagen sich in den Armen.

Der Gewinn war so groß, dass sie gleich erstmal die Direktorin der Schule baten, dass Geld in Empfang zu nehmen und gleich für die Renovierung der Schule zu behalten. Die Direktorin und die anderen Lehrer waren unglaublich glücklich über diese Fügung und feierten mit den Kindern - mit Kakao und Keksen - die Rettung der Schule. Anschließend gingen die Kinder alle Hause. Ihre Eltern waren froh, dass die Kinder wieder wohlbehalten zu Hause angekommen waren und diesmal konnten die Kinder auch erzählen, bei wem sie gewesen sind.

24. Dezember Weihnachtsfeier und Rückkehr

 

Ganz früh am morgen, noch vor die Eltern wach waren, standen die Kinder auf um den Weihnachtsbaum von dem Bauern abzuholen. Schnell zogen sie sich an und gingen los. Eine knappe halbe Stunde später waren sie schon angekommen und luden die schöne Tanne auf ihre Folie auf. Nach einer weiteren knappen halben Stunde waren sie wieder daheim und stellten glücklich fest, dass ihre Eltern noch schliefen. Emilia und Christa rannten flink auf den Dachboden um den Baumschmuck runter zu holen, und Taylor und Kaylie stellten währenddessen den Baum auf. Mit schönsten Weihnachtskugeln schmückten sie den Weihnachtsbaum, Lametta durfte natürlich nicht fehlen genau wie die Kerzen. Als sie den Baum fertig geschmückt hatten, staunten sie nicht schlecht, denn er sah wirklich nicht schlecht aus. Taylor und Emilia rannten in das Zimmer ihrer Eltern um sie zu wecken, und um den wunderschönen Weihnachtsbaum zu zeigen. Die Eltern staunten auch nicht schlecht, als sie ihn sahen. Gemeinsam gingen sie dann erst einmal frühstücken, denn sie hatten großen Hunger. 

Der Tag verging rasend schnell und und schon war es Abends. Die Eltern waren den ganzen Tag gut gelaunt und kicherten viel. Warum sie das taten, hatten Emilia, Taylor, Kaylie und Christa immer noch nicht raus gefunden. Das komischste war aber, dass sie 17:30 Uhr in ihr Zimmer gehen sollten und sich beschäftigen sollten bis die Eltern zum essen rufen würden. Das machten sie nämlich nie. Als es 17:45 Uhr war, wurden sie ins Wohnzimmer gerufen. Nachdem sie dort angekommen waren, machten sie große Augen denn unter dem Baum standen 3 große Schlitten, ein Hundebettchen für Kaylie und noch ein paar handbemalte Puppen, Autos und viel mehr Sachen, die Christa nur zu gut kannte. Eine einzelne Träne rann ihr die Wange runter. "Christa, an dem Schlitten hier steht dein Name dran! Ach und hier ist sogar ein Brief für dich!", holte Taylor, Christa aus ihren Gedanken wieder heraus. Sie stürzte sich förmlich auf Taylor und riss ihm den Brief aus der Hand. Schnell machte sie ihn auf und faltete den Brief auseinander. Er war vom Weihnachtsmann! 

 

"Liebe Christa,

komm bitte mit dem Schlitten zurück in die Weihnachtsstadt, Rudolph wartet schon im nächst- gelegenen Wald auf dich! 

Du warst so mutig. Herzlichen Glückwunsch, du hast es geschafft! Du hast der Familie den Weihnachtsglauben zurück gebracht und vielen Familien ein schönes Weihnachtsfest beschert durch dein tolles Theaterstück. 

Ja, ich habe es gesehen Christa, und sag Kaylie das sie gerne bei Taylor und Emilia bleiben kann. Sie und das Rentier im Wald hab ich dir geschickt, aber du warst so stur und bist weiter gelaufen.

Jetzt beeil dich bitte,ich hab noch eine Überraschung für dich,

                                      weihnachtliche Grüße der Weihnachtsmann (:"

 

Freudentränen stahlen sich über ihr Gesicht und sie sprang vor Freude auf und ab. Immer wieder sagte sie "Ich kann wieder zurück!". Emilia, Taylor, Kaylie und die Eltern freuten sich natürlich darüber aber sie waren auch sehr traurig darüber.

 

Eine Stunde später im Wald

Sie ließen ihren Tränen freien lauf und erwürgten sich fast, da sie sich so doll umarmten. In diesem einen Monat hatte Christa tolle neue Freunde gefunden und wollte sie nur schweren Herzens gehen lassen, aber es war jetzt Zeit auf Wiedersehen zu sagen, denn Rudolph hatte nicht ewig Zeit. Mit einer letzten Umarmung  und dem Versprechen sie mal wieder zu besuchen, stieg Christa in den Schlitten ein und Rudolph rannte los. Er wurde immer schneller und schneller. Christa musste schon aufpassen, dass sie ihre Mütze nicht verlor. Nach fast 10 Minuten waren sie wieder da. Christa konnte schon die Weihnachtswerkstadt sehen und ein paar Meter davon entfernt standen Kimball, die restlichen Rentiere und... der Weihnachtsmann! Langsam kam Rudolph zum stehen. Christa stieg mit zitternden Knien aus und lief auf sie zu. Sie wurde mit den Sätzen, "Da bist du ja endlich!", "Wir hätten dich echt gut gebrauchen können!" oder "Endlich bist du daheim!", begrüßt. Sie konnte nur ein leises "Hallo.", erwidern. Der Weihnachtsmann fragte Christa nach ein paar Sekunden des Schweigens ob sie denn die Geschichte von der Weihnachtselfe Maya kenne. "Natürlich wusste er die Antwort, er hatte doch das Theaterstück gesehen oder nicht?", dachte Christa sich. Oder wollte er sie bloß auf den Arm nehmen? "Natürlich." antwortete sie ihm dann misstrauisch. Ein leichtes Lächeln bildete sich auf seinem Gesicht, dass dann zu einem breiten Grinsen wurde. "Großartig! Dann hab ich noch eine klitzekleine Frage an dich, willst du denn dieses Jahr mit mir die restlich Geschenke austeilen?", fragte er Christa., Sie machte noch größere Augen als vorher, wenn das geht. "Er veralbert mich bestimmt!", dachte sie wieder. Aber er sah nicht nach Spaßen zumute aus und setzte sich in seinen Schlitten. "Kommst du endlich?", fragte er sie lachend. Sie flitzte in den großen Schlitten und sagte mehrmals "Dankee!".

 

Zusammen stiegen sie in den mit Sternen übersätem Himmel und sangen "Merry Christmas", "Oh Tannenbaum" und viele weitere Lieder. -Ende

Obschon er von dem letzten Tag noch ziemlich geschlaucht war, erwachte Angus, sobald die Morgendämmerung einsetzte und die rötlich-goldenen Strahlen der Sonne in das prunkvolle Gemach fluteten, wodurch die Garnitur vollkommen in Flammen zu stehen schien. Dieser Anblick besaß eine irisierende Wirkung, ließ seine Umgebung unwirklich erscheinen, weshalb Angus seine Lider wieder senkte. Von draußen vernahm er vereinzelt noch Hochrufe und feierliches Gelächter, manch einer grölte schief ein Lied, dessen Text so unverständlich war, dass Angus daraus schloss, dass die Person recht angeheitert sein musste.

Ein letztes Mal noch vor Weihnachten wollten Siridean, Tjara und Eowyn auf den Mondberg klettern. Eines galt es noch zu holen - den Mantel vom Weihnachtsmann, ohne den er die nächtliche Fahrt auf dem Schlitten nicht überstehen würde. Also machten sie sich noch einmal auf den Weg und betraten den nun beträchtlich ausgetreten Pfad zum Mondberg. Mit ihnen - denn sie wich Eowyn nicht von der Seite - war Nanouk, die Wölfin, die ihm eine gute Freundin und Weggefährtin war. So mussten sie keine Angst mehr haben, dass sich irgend etwas Schlimmes unterwegs ereignen würde. Am Fuße des Mondberges angekommen, nahmen sie diesmal einen anderen Weg. Den zu Eowyns Höhle, der ein wenig steiler und unzugänglicher war.

Wieder waren die Kinder heute in aller Frühe auf den Beinen und wie auch gestern war Keena schon wach und wartete auf sie. Heute wollte sie den fünf Freunden die Rentierställe zeigen. Nach dem Frühstück - mit Kakao und Keksen -  ging es in Richtung Stall. Auch der Stall war sehr schön geschmückt und mit Lichterketten versehen - wie jedes Gebäude in der Weihnachtsstadt. Im Stall standen etwa 20 Rentiere, deren Fell frisch gebürstet war und glänzte. Alle schienen guter Laune zu sein und aufgeregt auf morgen Abend zu warten. Die Spannung war fast zum Greifen im Stall. Als ihr Rundgang beendet war, kam eine andere kleine Elfe - die Kinder erinnerten sich, dass sie Rhonda hieß - und flüsterte Keena etwas ins Ohr. Diese nickte und wandte sich dann den Freunden zu. Jetzt war es soweit, dass der Weihnachtsmann Zeit für sie hatte und Keena würde sie nun zum Weihnachtsmann bringen. Den fünf Freunden wurde es abwechselnd heiß und kalt und die Beine wurden schwer. Bislang hatten sie nur theoretisch über den Weihnachtsmann nachgedacht. Aber nun sollte es Realität werden und das war schon eine ganz andere Hausnummer.

Die Kinder folgten Keena durch viele Gebäude und viele Flure, die sie noch nicht gesehen hatten und standen schließlich vor einer großen zweiflügligen Tür, vor der einige Elfen geschäftig hin und her liefen. Dann öffneten sich die beiden Flügel der Tür und die Kinder wurden herein gerufen.

Drinnen saß auf einem roten Sofa der Weihnachtmann und lächelte die Kinder freundlich und auffordernd an. Da standen sie nun und brachten kein Wort raus und kurz bevor es richtig peinlich wurde, trat Eric - der immer so still war und sonst nie etwas sagte - hervor und richtete das Wort an den Weihnachtsmann. Mit klarer und fester Stimmer erzählte er dem Weihnachtsmann, dass ihre Schule zum Ende des Jahres geschlossen werden soll, weil die Mittel für die Renovierung nicht vorhanden sind und dass alle Schüler und Lehrer Geld über verschiedene Aktionen sammeln, es aber am Ende nicht reichen würde. Er erzählte weiter, dass die Freunde sich zusammengetan haben, um ihn, den Weihnachtsmann, zu finden und von den Herausforderungen, denen sie auf dem Weg hierher begegnet waren und all dem Guten, dass ihnen dabei widerfahren ist und wie das Kaleidoskop ihnen am Ende die Weihnachtsstadt gezeigt hat. Das alles erzählte er ohne zu stottern und sonst wie zu stolpern und die Freunde waren ganz überrascht, dass Eric so gut sprechen konnte.

Der Weihnachtsmann hörte sich die ganze Geschichte von Anfang bis Ende an und fragte dann freundlich Eric, was sie nun von ihm wünschten. Eric sagt:

Lieber Weihnachtsmann,

wir sind auf der Suche nach einem Weihnachtswunder zu dir an den Nordpol gekommen. Das Wunder, dass wir uns erhoffen, ist der Erhalt der Schule. Wir möchten dich also bitten, für die kleinen und jüngeren Schüler unsere Schule zu retten. Leider haben wir keine Idee, wie das Wunder geschehen kann und möchten diesen Teil gern in deinen Händen lassen.

Der Weihnachtsmann lachte freundlich und sagte dann zu den fünf Freunden:

Wenn ein Wunsch so geballt und nachdrücklich vorgetragen wird, habe ich wohl keine andere Wahl - hier zwinkert er den Kindern zu - als den Wunsch zu erfüllen. Wenn ihr zurück zu Hause seid, tut etwas, dass ihr vor der Abreise noch habt tun wollen, aber nicht mehr geschafft habt und euer Wunsch wird in Erfüllung gehen.

Damit waren die Kinder wieder entlassen und gingen zurück in ihre Zimmer. Was wollten sie denn noch vor der Abreise tun? Verwundert schauten die Kinder sich an und grübelten nach, was sie nicht mehr erledigt hatten. Später kam Keena nochmal und sagte den Kindern, dass sie morgen mit dem Weihnachtsmann zurück reisen würden und sie sich ab Mittag bereit halten sollten. Der Weihnachtsmann würde einen kleinen Umweg fliegen, damit sie noch rechtzeitig zu Hause ankamen.

Ein bisschen wehmütig war den Kindern schon zumute, wieder nach Hause zu reisen. Für sie hatte das größte Abenteuer in der Weihnachtsstadt gerade erst angefangen. Aber sie freuten sich auch alle auf ihre Eltern und Geschwister und so war die Freude auf zu Hause doch größer als die Wehmut. In dieser Nacht gingen sie grübelnd zu Bett und überlegten jeder für sich, was sie vor der Abreise nicht mehr geschafft hatten.

23. Dezember - Heimlichkeiten

Den ganzen Nachmittag hatten die Eltern von Emilia und Taylor gekichert, gelacht und gescherzt. Was war nur los mit den beiden? Aber das konnten die Kinder jetzt nicht herausfinden. Sie wollten ja noch in den Wald gehen und nach einem Weihnachtsbaum Ausschau halten. Den wollten sie dann morgen holen und für den Abend schmücken. Also machten sie sich auf den Weg zum Bauern, der mittlerweile ihr Freund geworden ist und gingen mit ihm in den Wald. Sie hatten auch gleich noch die große Folie mitgenommen, so dass sie wieder Holz mit ins Haus des Bauern bringen können. Nachdem sie eine Weile trockenes Holz gesammelt hatten, fanden sie die perfekte Tanne für den Heiligen Abend. Gemeinsam fällten sie den Baum und luden ihn zu dem Holz auf die Folie. Zunächst sollte er zu den alten Leuten gebracht werden und dort bis morgen stehen. Dann würden sie die Eltern aus dem Haus locken und den Baum aufstellen.

Frohen Mutes machten sie sich wieder auf den Weg nach Hause. Dort kicherten die Eltern noch immer und langsam ging den Kindern auf, dass sie wohl ein Geheimnis vor ihnen hatten. Aber was konnte es nur sein? So kurz vor Weihnachten... Das konnte doch nicht sein, oder?

Mit eisigem Blick starrten sich Lennart und Angus an. Keiner wollte nachgeben. Doch wussten beide, dass sie eine Lösung finden mussten. Sie konnten schließlich nicht ewig in den Katakomben bleiben. Das Volke draußen auf dem Schlosshof, den Plätzen und Straßen hatte mittlerweile herausgefunden, dass Lennart nirgendwo zu finden war. Weder war er im Verlies, noch war er angeblich geköpft worden. Schon schwärmten die ersten aus, um sich auf die Suche zu machen. Irgendwann drangen auch in die Katakomben Menschen und Elfen ein und fanden die beiden Geschwisterpaare. Allen voran stürmte Albion, für den es seit dem Beginn der Unruhen kein Halten mehr gab. Er wollte sich nie wieder verstecken und kämpfte nun darum, einer Zukunft zu Leben zu verhelfen, die Elfen und Menschen wieder zusammen und in Frieden leben ließ.

Er lief auf und ab, auf und ab. Im Gegensatz zu seiner letzten Unterkunft maß dieser Boden vier mal fünf Meter. Im Allgemeinen war er viel komfortabler eingerichtet als die Zelle, in welcher er letzte Nacht einquartiert gewesen war. Statt der Pritsche stand ein massives Eichenbett unter einem großen Bogenfenster, welches großzügig das Mondlicht herein ließ und einen Blick auf das schmale Band des Flusses und dem dahinterliegenden Wald freigab. Neben der Tür stand eine zart verzierte Kommode aus dem selben Holz, aus welchem auch das Bett bestand und in der Mitte war ein Tisch mit dazugehörigen Stuhl, welcher ebenfalls aus Eiche gezimmert war, drapiert. Die Möbel harmonierten wunderbar. Um dem Zimmer noch eine angenehme Note zu verleihen, hatte man auf den Tisch ein Weihnachtsgesteck aus Tanne, Misteln, Zuckerstangen und Kugeln aufgestellt, an der Wand hing ein Bild, auf welchem ein Reh in den Untiefen des Waldes dargestellt wurde, vor dem Bett lag ein ein satter roter Teppich mit goldener Umrandung und das Fenster wurde von dicken Gardinen umrahmt.

In aller Frühe - obwohl es draußen noch dunkel war - waren die Freunde heute auf den Beinen und brannten darauf, mit Keena die Weihnachtsstadt zu entdecken. Aber zuerst gab es ein umfangreiches Frühstück mit heißem Kakao und Weihnachtsplätzchen. Zur Frühstückszeit war auch der Saal, in dem sie gestern Abend schon gewesen sind, viel voller und sie erkannten viele der Elfen wieder. Gleich  ihre erste Station sollten die Werkstätten der Weihnachtselfen sein. Davon gab es gleich drei: eine für Holz- und mechanisches Spielzeug, eine für elektrisches Spielzeug und Fortbewegungsmittel und eine für Elektronik. Es konnte also nur ein interessanter Tag werden. Zunächst gingen sie in die Werkstatt mit dem mechanischen und Holzspielzeug. Das Haus war von außen wieder wunderschön mit Tannen- und Mistelzweigen geschmückt und zahlreichen Lichterketten begangen, so dass es garnicht wie eine Werkstatt aussah. Auch drinnen war es erhellt von tausenden von Weihnachtslichtern und die kleinen Werkbänke waren lustig bunt angestrichen worden. Wie schon das Haus, in dem sie schliefen, war die Werkstatt von außen nur ein kleines Haus aber von innen ein riesig großer Saal, in dem hunderte von Elfen eifrig ihren Verrichtungen nachgingen und Spielzeug produzierten, zusammenbauten, montierten oder verpackten. Von ihrem Standpunkt auf der Empore sah alles ziemlich nach einem Durcheinander aus. Aber Keena, zeigte ihnen, dass sehr wohl eine Struktur hinter dem Handeln der Elfen verborgen war und das jede ihre Aufgabe hatte. Die einen bauten das Spielzeug auf vielfältige Weise, die nächsten transportierten alles zu einem großen Fließband und von diesem Fließband aus lief alles zu einer Verpackungsmaschine, die den Geschenken eine schicke Hülle verpasste und von den Elfen dort noch mit Schleifen beklebt wurde. Was gab es nicht alles für Spielzeug zu sehen: Baukästen und Puppen, Spielzeugautos und Puzzles, Rasseln und Plüschtiere und so weiter und so fort. Alles, was das Herz begehrte. Auffällig war, dass das meiste Spielzeug hier für wirklich kleine Kinder war. Nachdem sie sich den ganzen Vormittag in dieser Werkstatt herumgetrieben und und versucht hatten, das System zu durchschauen, war es in den beiden folgenden Werkstätten schon einfacher für sie. Wieder gab es Elfen die bauten, solche die transportierten und welche, die die Geschenke verpackten. Auch die beiden anderen Werkstätten waren festlich geschmückt und mit Lichterketten behangen worden, so dass es an allen Ecken und Enden glitzerte und leuchtete, wie es nur am Nordpol in der Weihnachtsstadt strahlen kann. Als der Abend heranzog, gingen die Kinder voller neuer Eindrücke und völlig geschafft zurück in den Saal und aßen zu Abend. Wieder gab es Kakao und Kekse. Das schien die natürliche Ernährung von Elfen zu sein. Na, es hätte schlimmer kommen können. Für den nächsten Tag wurde vereinbart, dass die Kinder den Rentierstall sehen sollten und dann war da ja auch noch das Gespräch mit dem Weihnachtsmann. Bis jetzt war noch alles ganz lustig gewesen. Aber bei dem Gedanken an die Unterhaltung mit dem Weihnachtsmann wurde doch allen etwas flau im Magen. Aber alles würde sich fügen. Da waren sich die fünf Freunde sicher und so gingen sie völlig erschöpft in ihre Betten und schliefen schnell ein.

21. Dezember - Die Aufführung

Kurz nachdem es dunkel geworden ist, saßen alle Eltern in der Scheune der alten Leute auf dem Stroh und schauten erwartungsvoll auf den freien Platz, der sich davor auftat. Die Kinder, hinter einer großen, alten Decke, die als Vorhand diente, verborgen, hatten alle fürchterliches Lampenfieber. Aber da erschien auch schon der Gong und der Vorhang wurde zur Seite gezogen.

Fortan bemalten die Kinder Puppengesichter, bauten Vorrichtungen und scherzten mit dem Weihnachtsmann. Als gegen Ende Maya-Christa mit dem Weihnachtsmann Geschenke verteilte, waren alle Eltern sehr ergriffen und besonders die Eltern von Emilia und Taylor ging die Geschichte sehr nah. Sie kannten die Geschichte ja von der Oma und fühlten sich ihr und der Zeit, als sie noch da war, wieder sehr nahe. Als Maya-Christa und der Weihnachtsmann zum Schluss mit lautem Knall - der alte Bauer hatten einen dicken Stein gegen das Scheunentor geklopft - wieder in der Weihnachtsstadt landeten, hatten die eltern von Emilia und Taylor Tränen in den Augen. Alle Eltern und die alten Leute applaudierten lange und freuten sich über die gelungene Überraschung. Emilia und Taylor liefen zu ihren Eltern und umarmten sie. Die Eltern waren sehr ergriffen und drücken ihre Kinder immer wieder an sich. Christa hatte so ein Gefühl, dass Weihnachten dieses Jahr doch nicht ausfallen würde...

...

    Die grauen Wolken standen tief, diesiges, träges Wetter herrschte, nur hier und da fielen ein, zwei Schneeflocken zur Erde. Die Natur wollte es sich die Weihnachtstage über gemütlich machen, wodurch das Klima um einiges milder wurde. So stand dieses in einem großen Kontrast zu der entflammten Bevölkerung, bei der es nicht ganz so lauschig zuging, wie beispielsweise in der gestrigen kleinen Abendrunde der Freunde. Nein, die Bürger waren aus einer lang währenden Starre erwacht, das Feuer der Freiheit loderte hell und heiß in ihren Herzen, verlangte, sich Gehör zu verschaffen.

Und wieder waren Siridean und Tjara auf dem Weg zum Mondberg. Am Morgen hatten sie noch kurz überlegt, ob sie den fremden Elf wieder überwältigen wollten. Aber der Überraschungseffekt war erst mal weg und ob ihnen das noch mal gelang, war mehr als fraglich. Also wollten sie versuchen, ihn zur Rede zu stellen. Nur musste er dafür erst mal in der Höhle sein. Wo sie ihn sonst hätten suchen sollen, wussten sie nicht. Also gingen sie mit gemischten Gefühlen den Mondberg hoch, vorbei an der Höhle, in der vormals die Werkbänke waren und weiter zu des fremden Elfens Behausung. Als sie dort ankamen und in die Höhle eintraten, staunten sie nicht schlecht. Auf einem Stuhl saß der Elf und schien bereits auf sie zu warten. Neben ihm eine riesige Wölfin, die ihn zu beschützen schien und die beiden argwöhnisch beäugte.

Völlig überwältigt starrten die fünf Freunde die kleine Elfe an, die aus dem Türchen heraus schaute. Sie hatten sie Weihnachtsstadt wirklich gefunden. Das allein war schon ein Wunder. Auch die kleine Elfe schaute ganz ungläubig und fragte verwundert, was der Wunsch der Kinder wäre. Die Freunde erzählten, dass sie dringend den Weihnachtsmann um Hilfe bitten wollten und mit ihm reden müssten. Die Elfe überlegte kurz und öffnete dann das große Tor. Was gab es da nicht alles zu sehen! Den Kindern standen vor staunen die Münder offen. Um einen freien Platz tummelten sich zahlreiche kunterbunte Häuser, die auf das festlichste mit Tannengrün, Mistelzweigen und Lichterketten geschmückt waren. Die riesigen Fenster waren mit farbigen Fensterläden versehen. Auf dem freien Platz vor den Häusern war eine riesige Tanne zu sehen. An ihr hingen allerlei Äpfel, Nüsse und anderes Naschwerk und eine Lichterkette, die den Baum mehrmals umspannte endete ganz oben in einem hell erleuchteten Weihnachtsstern, der wie ein echter Stern aussah. Zwischen den Häusern und auf dem Platz wimmelte es nur so von kleinen Elfen mit bunten Karren und Geräten. Den Kindern standen vor Staunen die Münder offen. Die kleine Elfe begleitet sie zunächst in eins der Häuser und bat sie zu warten. Die Kinder machten es sich auf den kleinen Stühlen gemütlich und schauten sich in der näheren Umgebung um. Alles war festlich geschmückt und mit hunderten von Lichterketten versehen. Nach einer weile kam die kleine Elfe mit einer anderen Elfe wieder, die sie als Keena vorstellte. Sie sagte, dass der Weihnachtsmann in den nächsten ein bis zwei Tagen Zeit für sie haben würde und sie bis dahin seine Gäste sein sollten. Keena würde sie begleiten und ihnen ihre Zimmer zeigen. Was für eine Freunde! Der Weihnachtsmann würde tatsächlich noch vor weihnachten mit ihnen reden! Keena brachte die Kinder zu den beiden Zimmern, die die Jungen und Mädchen bewohnen sollten. Als die Kinder auspackten, saß Keena auf dem Bett der Mädchen, baumelte mit den Beinen und erzählte, dass der Weihnachtsmann jetzt sehr viel zu tun hat und dass seit vielen hundert Jahren kein Mensch mehr die Weihnachtsstadt betreten hat. Sie selber hatte noch nie Menschen gesehen und freue sich darauf, sie herumführen zu dürfen. Ihren Rundgang wollten sie in der Küche beginnen. Als die Jungen aus ihrem Zimmer kamen, ging es durch einen riesigen Flur in Richtung Küche. Obwohl die Häuser von außen eher klein aussahen, waren sie von innen riesig! Der Flur mit vielen, vielen Türen endete in einem großen Saal, der den Elfen als Speisesaal und Freizeitraum diente. Hier bekamen die Freunde erst mal einen Kakao und Kekse. Einige andere Elfen befanden sich auch noch im Saal und kamen neugierig näher um zu erfahren, was die Kinder hier tun würden. Bereitwillig erzählten die Freunde von ihrer Mission. Immer wieder kamen und gingen Elfen und immer wieder mussten sie ihre Geschichte erzählen, so dass am Abend jede Elfe über den Besuch der Kinder und ihren Wunsch Bescheid wusste. Auch die Kinder hatten viel Spaß mit den Elfen und schlossen schnell neue Freundschaften. Wen es da nicht alles gab. Rhonda und Audra, Aithne und Alana, Bran und Colin. Die Namen waren so einzigartig wie ihre Besitzer. Bevor sie es sich versahen, war es schon wieder dunkel und die Nacht brach herein. Für heute hatten die fünf Freunde genug erlebt. Keena brachte sie zurück zu ihren Zimmern und versprach, am nächsten Morgen mit ihnen die Werkstätten und den Rentierstall zu gehen. Überglücklich, aber völlig erschöpft schliefen die Kinder in dieser Nacht ein.

20. Dezember - Die Generalprobe

Am Nachmittag trafen sich alle Kinder in der Scheune des alten Bauern, für den die Kinder Tages zuvor Holz gesammelt und den Schlitten bekommen haben. So kam der Schlitten, wenn nun auch etwas lediert, wieder an seinen Ursprung zurück. In der Schule konnten sie heute nicht proben, da die Schule am Wochenende geschlossen war. Ausßerdem brauchten sie ja auch einen Ort für die Aufführung vor den Eltern. Am Tag zuvor hatten sie beschlossen, die Eltern aller Kinder, die im Stück mitspielten, einzuladen. Sie wollten Glühwein ausschenken, Lebkuchen anbieten und jede Menge weihnachtlichen Spaß mit allen Eltern haben.

Aber dazu musste erstmal die Scheune aufgeräumt werden. Nach zwei Stunden gab es einen großen freien Platz in der Tenne und im Bansen war das Stroh so gestapelt, dass sich die Eltern daraufsetzen und den Kindern bei ihrem Stück zusehen konnten.

Nun konnte die Generalprobe beginnen. Wie immer, ging es mit viel Spaß zur Sache und nun konnte man auch sehen und hören, dass sich die vielen proben und das fleißige Lernen der Texte ausgezahlt hatten. Das ganze Stück konnte ohne Zwischenfälle zu Ende geprobt werden und anschließend waren alle erleichert und sehr guter Laune. Für den folgenden Tag wurde vereinbart, noch ein paar Decken und weihnachtliche Deko in die Scheune zu bringen und sie zu schmücken. Die beiden alten Leute wurden ebenfalls noch eingeladen und am nächsten Tag wollten sich alle bei einbrechender Dunkelheit mit den Eltern einfinden.

An diesem Abend konnten die Kinder lange nicht einschlafen. Das Lampenfieber hielt alle drei wach. Die Eltern, die sie eine Stunde zuvor eingeladen hatten, waren sehr überrascht, was wohl auf sie zukommen würde. Aber sie hatten fest versprochen, morgen zu kommen. Mit diesem guten Gedanken schliefen die Kinder spät abends doch noch ein.

 

Lennart schaute trübsinnig durch die Gitter seines Verlieses nach draußen auf den Hof. Die Wachen standen in kleinen Gruppen beieinander und unterhielten sich. Hin und wieder lachte einer von ihnen laut auf um sich dann wieder leiser mit den Kameraden zu unterhalten. Von Lennart nahmen sie keine Notiz. Der war trotz allem nicht wichtig genug und würde außerdem in ein paar Tagen geköpft werden. Wozu also ihm einen Blick schenken? Langsam schlicht Lennart zurück zu seiner Prische und setzte sich drauf. Er machte sich noch immer Vorwürfe, dass er so grandios versagt hatte. Und nun würde er bald die Rechnung dafür serviert bekommen.

Die ganze Nacht über hatte er die Wand angestarrt, die Ziegel Reihe auf Reihe gezählt und dann wieder von vorne angefangen. Zweiundzwanzig nach oben, dreizehn zur Seite hin. Von Zeit zu Zeit fielen ihm die Augen kurz zu und sein Kopf fiel hart auf die Pritsche, auf welcher er sich niedergelegt hatte. Nicht gerade der bequemste Liegeplatz, doch was sollte ihn das interessieren? Sie half ihm sogar, durch ihre Härte wurde es einem nämlich ziemlich schwer gemacht einzuschlafen. Durch die Fenstergitter seiner Zelle fielen Mondstrahlen in den Raum hinein und beleuchteten schwach seine Umgebung. Abgesehen von einem Tablett mit Brot und Wasser, sowie einem Nachttopf war das Gefängnis leer.

Als die Kinder gegen Mittag aus den Zelten krochen, ging gerade die Sonne auf. Die fünf Freunde machten sich erstmal ein Frühstück aus Lebkuchen, Trockenobst und Tee und fingen dann an, über die nächsten Schritte nachzudenken. Da sie gestern Nacht keine Weihnachtsstadt finden konnten, war fraglich, ob sie überhaupt am richtigen Pol waren. Immerhin könnte die Weihnachtsstadt auch am magnetischen Nordpol sein. Aber der war sehr weit weg und es war fraglich, ob sie ihn ohne fremde Hilfe bis zum Weihnachtsfest erreichen konnten. Immerhin zeigte der Kompass noch immer nach Norden und so würden sie ihn mit ein bisschen Glück finden können. Nun gab es zwei verschiedene Optionen: entweder, die Kinder marschierten weiter zum magnetischen Nordpol und versuchten dort ihr Glück mit dem Nachtsicht-Fernglas oder sie versuchten ihr Glück weiterhin hier. Aber was konnten sie noch tun? So sehr sie sich auch umsahen, der Blick aus glaubenden Kinderaugen allein schien nicht zu helfen. Die Kinder waren noch unentschlossen, ob sie weiterziehen oder bleiben sollten, als sie plötzlich Niclas ganz aufgeregt aufschreien hörten. Niclas hatte wehmütig draußen im Schnee gesessen und mit seinem Kaleidoskop gespielt, als er plötzlich eine Entdeckung machte. Aufgeregt lief er auf das Zelt zu, aus dem gerade die anderen herauskamen um zu fragen, was los sei. Niclas schwenkte sein Kaleidoskop über dem Kopf hin und her und rief etwas von Fernglas. Was konnte er nur haben? Als Niclas bei den Anderen angekommen war, drückte er Eric das Kaleidoskop grinsend in die Hand und bedeutete ihm, hindurch zu schauen. Dabei zeigte er in eine bestimmte Richtung, die eigentlich ganz gewöhnlich aussah.

Er schaute hindurch und plötzlich wich Eric alles Blut aus dem Gesicht. Wortlos fielen sich die beiden Jungs in die Arme und tanzten herum. Lilian entwand Eric das Kaleidoskop und schaute ebenfalls in die angegebene Richtung. Einer nach dem Anderen schauten sie durch und begannen zu tanzen und sich zu umarmen. Ein Blick durch das Kaleidoskop zeigte den Eingang zu einem sehr bunten Tor in einer sehr großen Mauer, die die Weihnachtsstadt einschloss und von der Umgebung abgrenzte und versteckte. Die Kinder waren außer sich von Freunde, endlich am Ziel angekommen zu sein und das Rätsel um das "Fernglas" doch noch gelöst zu haben.

Schnell packten die Kinder ihre Zelte und die Ausrüstung zusammen und dann gingen sie zum Tor. Da Niclas das Tor gefunden hatte, durfte er daran klopfen. Nock, nock, nock! Nach kurzer Zeit öffnete sich ein kleines Fensterchen im Tor und heraus schaute eine kleine Weihnachtselfe.

19. Dezember - Weihnachten rückt näher

bevor die Kinder nach der Schule wieder mit ihren Freunden in der Turnhalle probten, wollten sie schnell noch den Schlitten für die Requisite von zu Hause holen. Auf dem Weg zum Haus von Emilia und Taylor flogen die Schneebälle nur so hin und her und unter lauten Gelächster kamen die Kinder schließlich an. Nun nichts wie auf den Schlitten und ab ging die wilde Fahrt den Hügel hinunter in Richtung Schule. Aber oh weh, da lag unter dem Schnee ein dicker Stein und der Schlitten kippte in voller Fahrt um. Als sich alle wieder aufgrappelt und festgestellt hatten, dass keinem etwas passiert war, gingen sie zum Schlitten. Groß war die Bestürzung als sie feststellten, dass eine Kufe des Schlittens gesplittert war. Da war nichts mehr zu machen. Der Schlitten konnte immer noch im Theaterstück genutzt werden. Aber für Christas Heimfahrt war er nun nutzlos. Christa bemühte sich sehr, nicht zu weinen. Aber eine kleine Träne verirrte sich doch.

Die Probe, die sonst immer laut und fröhlich verlief, war heute etwas gedrückt und so machten sich die Kinder zeitiger als sonst wieder auf den Weg nach Hause. Dort angekommen erzählten sie den Eltern von dem Unglück mit dem Schlitten. Da sie sonst keinen Schlitten besaßen, würden sie diesen Winter wohl nicht mehr fahren können. Betrübt gingen die Kinder heute auch recht zeitig zu Bett und schliefen schnell ein. Das sonst übliche Getuschel blieb heute aus.

Die Eltern saßen noch eine Weile in der Küche und knabberten einige von Christas Weihnachtsplätzchen. Sie hatten schon vor einigen Tagen bemerkt, dass die Kinder etwas im Schilde führten und unterhielten sich darüber. Ganz erstaunt stellten sie plötzlich fest, dass diese Heimlichtuerei ja vielleicht etwas mit Weihnachten zu tun haben konnte und dass sich ein Gefühl wie Vorfreude bei Ihnen breit gemacht hatte. Noch vor einem Jahr waren sie so voller Trauer und wollten Weihnachten nie wieder feiern. Doch schon in diesem Jahr begann die Weihnachtszeit wieder in ihnen zu wirken. So überracht sie darüber waren, so erleichtert waren sie auch, dass sich nun doch wieder ein Licht am Horizont zeigte, auf das sie ganz langsam zugehen konnten. Still und heimlich hatten sie ja Christa im Verdacht, Weihnachten der Familie wieder näher zu bringen und so beschlossen sie, dieses Jahr an Heilig Abend eine kleine, stille Feier mit den Kindern zu machen und Geschenke auszutauschen. Aber was sollte es sein? So kurz vor Weihnachten? Da kam dem Vater eine super Idee: warum kein Schlitten? Ihrer war doch gerade kaputt gegangen und sie hatten, ohne zu Klagen, doch sehr darunter gelitten. Also war es beschlossene Sache und die kleine Feier sollte ebenfalls eine Überraschung für die Kinder werden. Gleich am nächsten Tag wollten sie die nötigen Schritte unternehmen, den Schlitten kaufen und für ein festliches Essen einkaufen. Weihnachten rückte wieder in greifbare Nähe.

Die Bettfedern quietschten, als Angus sich genüsslich auf dem Bett rekelte und streckte, wodurch das Laken zu einer Hügellandschaft wurde. Es gab doch nichts besseres, als nach einer langen Reise auf seine weiche Matratze zu fallen und unter die warmen Daunenfederdecke zu kriechen, den Kopf auf das flauschige Kissen zu betten und den Geruch frisch gewaschener Wäsche zu inhalieren.

In späteren Annalen war dieser Tag als einer der chaotischsten in der Geschichte der Weihnachtszeit eingegangen. Wie ihre Vorfahren dieses Grauen hatten ausstehen können, war ihnen ein Mysterium, welches nicht zu lösen gewagt wird. Der Weihnachtsgeschichtsschreiber der Elfen hatte es an jenem grausigen Tag nicht so genau mit seinen Aufzeichnungen genommen. Verständlich, wenn man bedachte, was für eine Panik nach dem Verschwinden des Weihnachtsmanns geherrscht hatte. Man konnte aus dem Bericht allerdings entnehmen, dass alles drunter und drüber ging. Der oberste Polizei- Elf und später Weihnachten- Retter, Siridean, hatte das Verschwinden vorerst verheimlichen wollen, um eine Massenpanik zu verhindern.

Nach dem Frühstück packten die Kinder und Uwe ihre Sachen zusammen und machten sich bereit, die Fahrt mit dem Schneefahrzeug zum Nordpol anzutreten. Zum Abschied umarmten die Kinder die Mitarbeiter der Forschungsstation herzlich und versprachen, Grüße nach Hause mitzunehmen. Dann beluden sie das riesige Schneefahrzeug, dass mit seinen Gleisketten sehr futuristisch aussah. Im Inneren würden alle Kinder und Uwe bequem Platz finden. Das Gepäck war im hinteren Teil des Fahrzeuges untergebracht.

Dann ging die atemberaubende Fahrt los. Die Ketten stoben den Schnee nur so auf und das Fahrzeug war überraschend schnell. So würden sie ganz sicher noch heute an den Nordpol kommen. Das Wetter zeigte sich nach dem Sonnenaufgang von seiner besten Seite und die fünf Freunde hatten Zeit und Muße, sich die Umgebung anzusehen. Da gab es nicht nur einfach eine flache, weiße Landschaft, sondern es waren Spalten, Verwerfungen und Schneewehen zu sehen, die der Wind immer wieder neu ordnete. Zwischendurch waren wieder Polarfüchse zu sehen, die Jagd auf kleine Säuger im Schnee machten. Unterwegs unterhielten sich die Kinder nochmal mit dem Forscher über das besondere Fernglas, dass nötig war, um die Weihnachtsstadt zu sehen. Aber auch Uwe hatte keine Idee, welches Fernglas wohl gemeint sein konnte. Von der Forschungsstation hatten sie ein ausrangiertes Nachtsicht-Fernrohr bekommen, mit dem sie versuchen würden, den Nordpol abzusuchen. Aber mehr konnten die Forscher auch nicht tun.

Nun würde es also wahr werden: Sie mussten die Weihnachtsstadt unbedingt finden, damit der Weihnachtsmann ihnen bei der Rettung der Schule helfen konnte. Ein bisschen weiß um die Nase wurden sie schon, als sie sich der Dringlichkeit bewusst wurden. Noch heute Abend wollten sie mit dem Nachtsicht-Fernglas die Weihnachtsstadt suchen. Aber dazu mussten sie erstmal ankommen. Anders als am Südpol gibt es am Nordpol keine Kennzeichnung des Ortes - nur Packeis in alle Richtungen, soweit das Auge reicht. Die Kinder holten ihre Ausrüstung aus dem Schneefahrzeug und waren überrascht, am Ziel ihrer Reise angekommen zu sein. Der Nordpol - nun war es nur noch ein kleiner Schritt zur Weihnachtsstadt - hofften die Freunde. Uwe verabschiedete sich herzlich von den Kindern und machte sich wieder auf den Heimweg. Er würde erst mitten in der Nacht wieder in der Forschungsstation sein. Die Kinder begannen erstmal, ihre Zelte aufzubauen und kochten sich dann einen schönen, heißen Tee. Als es dunkel war, probierten sie einer nach dem anderen das Nachtsicht-Fernglas. Aber nichts passierte. Von der Weihnachtsstadt war weit und breit nichts zu sehen. Enttäuscht und traurig legten sich die Kinder in dieser Nacht in ihre Schlafsäcke. Über eine neue Strategie wollten sie morgen nachdenken.

18. Dezember - Die Fahrt mit dem Schlitten

Langsam schlichen die Kinder sich an die Rückseite der alten Scheune, in der Kaylie gestern den Schlitten entdeckt hatte. Sie wollten schnell noch einen Blick auf das hölzerne Gefährt werfen und dann mit dem Bauern redem, dem dieser gehörte. Schließlich konnten sie den Schlitten nicht einfach mitnehmen und durch die kleine Luke, durch die sie gestern in die Scheune geklettert waren, hindurchzwängen. Aber zuvor schnell noch einen Blick drauf werfen. Also sie aber, einer nach dem anderen in die Scheune kletterten, wartete schon der Bauer mit hochrotem Kopf auf sie und schimpfte, was das Zeug hielt. Er hatte gestern ihren Besuch bemerkt und war nun sehr böse auf die Kinder. Mit wütendem Geschimpfe warf er die Kinder zum Tor wieder hinaus, ohne auch nur auf ihre Entschuldigungen zu hören. Nun war guter Rat teuer! Ohne den Schlitten konnte Christa nicht zurück in die Weihnachtsstadt und auch als Requisite für ihr Theaterstück war der Schlitten sehr kostbar. Also beschlossen sie, den Bauer durch eine Gefälligkeit zu besänftigen und ihn dann um den Schlitten zu bitten. Da der Mann schon alt war und sicher nicht mehr so gern in den Wald ging, um Feuerholz zu holen, wollten sie das für ihn erledigen. Sie holten sich schnell eine große Plane von zu Hause und marschierten los in den nahe gelegenen kleinen Wald.

Dort trafen sie wieder auf den Bauern mit dem Schlitten, der sich redlich abmühte, seine Fuhre Holz auf dem Rücken nach Hause zu tragen. Misstrauisch beäugte er die Kinder. Diese gingen jedoch schnurstracks auf ihn zu, entschuldigten sich für ihr Eindringen in die Scheune und boten ihre Hilfe an. Da schlich sich ein kleines Lächeln in die Augen des alten Mannes und gern ließ er sich von den Kindern helfen. Die packten die ganze Fuhre auf ihre Folie und sammelten gleich noch eine ganze Ladung dazu, die sie dann gemeinsam zum Haus des Bauern brachten. Anschließend liefen sie noch zwei Mal in den wald und brachten die gleiche Menge Holz zurück wie bei der ersten Ladung. Die Frau des alten Mannes wartete schon mit heißer Honigmilch und Keksen, als die Kinder von ihrer letzten Tour in den Wald zurück kamen. Als alle um den runden Tisch saßen, getrauten sich die Kinder auch endlich, den Bauern um den Schlitten zu bitten. Er war längst nicht mehr böse auf die drei und gab ihnen den Schlitten gern.

Zum Abschied winkten die Kinder und zogen dann zum großen Rodelberg hinter dem Dorf. Dort setzten sich alle auf den Schlitten und los ging die Fahrt unter lautem Gelächter und Juche! Bis es dunkel wurde, rodelten die Kinder noch einige male und sie hatten sehr viel Spaß.

Als sie mit vor Kälte geröteten Wangen mit den Eltern am Tisch saßen, erzählten sie ihr Abenteuer mit dem Schlitten und die Eltern waren sehr stolz auf ihre Kinder und Christa. Auch der Weihnachtsmann, der wieder alles beobachtet hatte, war sehr stolz auf Christa. Wenn Nächstenliebe und gegenseitige Hilfe selbstverständlich waren, dann weihnachtete es und wenn sich die Eltern darüber freuten, konnte ihren Herzen Weihnachten nicht so fern sein.

Nachdem die Kinder noch ein paar Pläne für den nächsten Tag geschmiedet hatten, schliefen sie todmüde ein. Christa war ihrem Vorhaben, zurück in die Weihnachtsstadt zu gehen, wieder einen Schritt weiter.

Die Wachen fackelten nicht lange. Sie zerrten Lennart aus der Bäckerei auf die Straße und stießen ihn in Richtung Schloss. Mit einem deftigen Stoß in die Rippen setzte sich Lennart in Bewegung. Hatte seine Großmutter, die seit Angus' Verschwinden viel über die andere Welt gesprochen hatte, also doch Recht gehabt. Der Name Aurelian war wohl der königlichen Familie vorbehalten. Aber, hey! War er denn nicht ebenfalls Mitglied der königlichen Familie? Sein Großvater Cedric war schließlich mit den heute Herrschenden blutsverwandt und so auch er. Er war gespannt, wie der hiesige Herrscher auf ihn reagieren würde. Nichts desto trotz war er ein bisschen in Sorge, er könnte nicht gut aufgenommen werden. Jedoch hatte er vorgesorgt und seinen beglaubigten Stammbaum, das Heiligtum einer jeden Elfe und Halbelfe, mitgenommen. So würde er beweisen können, dass er ein Aurelian war.  

Unruhig warf sich Einar im Schlaf hin und her. Schon wieder hatte er schlecht geträumt. Seit drei von vier Tagen suchte ihn immer der gleiche Alptraum heim. Dabei verspürte er immer ein unsägliches Verlangen und als Nachhall fühlte er sich jedes Mal am frühen Morgen niedergeschlagen und wütend. Aber nicht aus den naheliegendsten Gründen, nämlich denen, in einer unbekannten Höhle festzusitzen und völlig wehrlos zu sein, auch noch als einzigen Zimmergenossen den Weihnachtsmann zu haben. Nein, das alles war nicht der Grund, weshalb Einar wie sieben Tage Regen schaute. Das Gefühl, als wäre er kurz vor seinem Ziel gewesen, endlich Gerechtigkeit widerfahren zu bekommen, um dann im letzten Augenblick zu scheitern, hinterließ einen bitteren Geschmack in seinem Mund. Dabei waren dies nicht einmal seine Gefühle, nicht seine Erinnerungen. Und so recht schlau daraus werden konnte er auch nicht. Da war so viel Dunkelheit, eine kalte, feuchte Höhle, Angst, ein Plan reifte in seinem Kopf, da waren große Wölfe, die Scheune des Weihnachtsmannes,ein roter Sack, freudige Erregung, Ausschnitte des Waldstückes vor dem Mondberg, dann wieder die Höhle. Diese kam ihm vage bekannt vor, nur kam er nicht darauf, bei welcher Gelegenheit er sie gesehen haben sollte.

Nachdem das Leben nach der letzten Nacht wieder in die Station zurück gekehrt war, wurde erst mal ein ordentliches Frühstück gemacht. Mit dicken Backen und kauend schauten die Kinder auf die Karten und stellten fest, dass es zwei Nordpole gab: einen geografischen und einen magnetischen Nordpol. An welchem war nun die Weihnachtsstadt? Schon wieder gab es ein Problem, dass sie noch lösen mussten. Der Geografische Nordpol lag aber näher und so beschlossen die Kinder, erst mal dorthin zu marschieren und dort nach zu schauen. Uwe, so hieß der Leiter der Forschungsstation und derjenige, der sie gefunden hatte, hatte jedoch noch eine Überraschung für die Kinder parat. An seinem freien Tag wollte er die Kinder zum geografischen Nordpol mit dem Schneemobil fahren. Damit würden sie mindestens drei Tagesmärsche einsparen. Die Kinder waren sprachlos und dankten ihm überschwänglich. Damit konnten sie einen ganzen Tag in der Station bleiben und in aller Ruhe noch einmal mit ihren Eltern telefonieren. Eric hatte ja versprochen, sich regelmäßig zu melden und dies war die einzige Möglichkeit, sein versprechen zu halten. Später am Tag, nach einem deftigen Mittagessen aus Dosensuppen, machten die Kinder noch einen Ausflug in die nähere Umgebung der Forschungsstation und bestaunten die Gebäude und die Funktionalität von Geräten und Fahrzeugen. Alles war auf die Kälte und Schnee eingestellt. Der Ausflug war richtig spannend und als die Kinder wieder zurück kamen, hatten sie noch viele Fragen an die Mitarbeiter. Während die anderen sich noch mit den Forschern unterhielten ging Eric zum Telefon und sprach mit seinen Eltern. Sie machten sich ziemliche Sorgen, weil sie nicht gedacht hatten, dass Eric und die Anderen so lange wegbleiben würden. Aber Eric konnte sie wieder zerstreuen, indem er von Uwe und seiner Hilfsbereitschaft erzählte. Vom Nordpol sagte er immer noch kein Wort und von der Mission auch nicht. Erstaunlicherweise kam er damit durch und sein Vater verabschiedete sich immer noch ein wenig sorgenvoll aber sehr herzlich von ihm und versprach, die anderen Eltern zu informieren. am Abend wurde noch viel erzählt und gescherzt, da die Kinder am nächsten Tag mit Uwe zum geografischen Nordpol fahren würden. Die Kinder waren extrem aufgeregt und fragten sich, ob sie die Weihnachtsstadt wohl erkennen würden, wenn sie dort war. Die Forscher jedoch hatten sie noch nicht entdeckt und konnten den Kindern auch nicht viel Hoffnung machen. Trotzdem waren die Kinder zuversichtlich und und freuten sich auf den nächsten Tag.

17. Dezember - Die Scheune

"Und schon ist es Donnerstag", waren die ersten Gedanken die Christa durch den Kopf huschten, als sie früh's aufwachte. Gut gelaunt stand sie auf und ging duschen. Noch leise Weihnachtsmusik summend, kam sie in die Küche und aß ein paar Kekse. Emilia und Taylor fragten sich ständig wie die kleine Elfe so viel essen konnte, ohne auch nur einen Gramm zuzunehmen. Voller Tatendrang gingen sie zur Schule um später nach Requisiten, für das Theaterstück, ausschau zu halten. 6 Stunden hatten sie heute. Für Christa war das relativ wenig da sie oftmals auch 11 Stunden lang zur Schule ging, weil Kimball ihr mal wieder mehr Puppen zum bemalen gegeben hatte! Warum wusste sie nicht und würde sie wahrscheinlich auch nie erfahren, aber ihr solls Recht sein, denn sie machte nix lieber als die vielen Spielsachen zu bemalen. Naja außer mit den Rentieren oder Jelena bis mitten in die Nacht zu reden oder mit den Huskys zusammen im Heu zu spielen, dachte sie verträumt. Jelena ist ihre beste Freundin seit sie denken konnte. Was sie wohl alle so machten ohne sie? "Würde man mich denn suchen?", fragte sie sich. "Wahrscheinlich nicht, sonst wäre ich schon längst wieder Zuhause.", beantwortete sie ihre Frage selbst.

Sie freute sich schon auf die erste Stunde, denn sie hatten ihr Lieblingsfach; Kunst. Heute sollten sie ein Winterlandschaft mit einem Tier im Vordergrund malen. Christa brauchte wie immer nicht so lange wie die anderen und war nach 20 Minuten auch schon fertig. Sie hatte Rudolf mit seiner roten Nase gemalt. Die anderen hatten ja keine Ahnung, wie rot seine Nase in Wirklichkeit war! Emilia und Taylor malten Kaylie neben einem Schneemann sitzend. Christa wusste genau wer dieser Schneemann war; Snowie, der noch im Vorgarten ihres Hauses stand. Als dann die letzten Stunden schließlich auch zu Ende waren, schimpfte Christa wie schwierig Mathe doch sei und Taylor konnte darüber nur lachen. "Soll er doch nur lachen, er ist ja auch ein Mathe-Wunderkind!", dachte sie eingeschnappt. Sie liefen gerade zur Bushaltestelle, um dann festzustellen das der Bus vor einer Minute abgefahren sei. Also liefen sie zu Fuß nach Hause, wo sie die freudenstrahlende Kaylie empfing. Sie erzählte aufgeregt, dass sie heute etwas ganz interessantes gefunden hätte! "Es ist groß, braun und bestimmt schon ganz alt!", schilderte Kaylie den dreien ihren Fund.

Nach einer halben Stunde laufen kamen sie an einer alten, fast zerfallenen Scheune an. Wie Kaylie hier her gefunden hatte, wollten die drei dann aber lieber doch nicht wissen. Als Kaylie sie dann zu einer Diele an der Seite der Scheune führte, blieb sie daneben stehen und deutete ihnen aufgeragt, dass sie da durch gehen sollten. Taylor fasste sich zuerst wieder und ging durch die Diele hindurch. Nach ein paar Sekunden schrie er, dass sie schnell rein kommen sollten, denn war hier drinnen war, sollte der Wahnsinn sein. Christa stieg als nächstes hindurch und fand einen wunderschönen alten Schlitten vor sich. Die anderen beiden folgten Christa kurz darauf durch die Diele. Alle waren sprachlos außer Kaylie, die stolz und breit grinste. Nachdem sie sich wieder gefasst hatten schmiedeten sie Pläne, wie sie den Schlitten nach Hause schaffen könnten, denn sie selbst könnten ihn nicht ziehen da er viel zu schwer war. Nicht, dass sie es nicht probiert hätten. Als es 19:00 Uhr war, gingen sie schließlich nach Hause, da es bald Abendbrot geben würde. Aber sie schworen sich, gleich morgen wieder zu kommen, um sich etwas einfallen zu lassen. 

 

Nach dem Abendessen gingen alle ziemlich müde ins Bett, denn der Marsch zu dieser alten, modrigen Scheune war für ihren kurzen Beine ziemlich anstrengend. Mit einem Lächeln im Gesicht schliefen sie dann alle ein.

Da sie den Großteil an Zeit der letzten beiden Tage im Dunkeln der Höhle verbracht hatten, abgeschirmt von natürlicher Sonneneinstrahlung, zu der sich nahezu jedes Wesen empor windet, wurde die ersten paar Minuten unter freiem Himmel erst einmal richtig mit den Wimpern geklimpert, ehe die Sonnenflecken aus ihrem Sichtfeld entschwanden und die Elfen ihre Umgebung wieder gebührend wahr nehmen konnten. Nach den unzähligen Stunden in der muffigen, undurchdringlichen, düsteren und Hoffnung raubenden Finsternis, schien der erste Atemzug wie eine Offenbarung, der schneidende, kalte Wind wie das pure Leben. Auch die Schneeflocken schienen plötzlich jeder für sich eine charakteristische, kristalline Form aufzuweisen. Jede Kleinigkeit nahm man war, sah den dünnen weiß-grau-blau verschwimmenden Streifen, wo Himmel und Landschaft weit draußen aufeinander trafen.

Als die Gruppe Elfen, bewaffnet mit Zuckerstangen, Weihnachtskugeln und Orientierungspulver sich auf den Weg zum Mondberg machten, war die Stimmung noch von Neugier geprägt. Je länger sich aber der Weg dahin zog, um so verdrießlicher wurden die Elfen und schließlich, als sie an der Höhle ankamen, stürmten sie ohne weiteren Schlachtplan einfach hinein. Sie fanden jedoch nicht, wie sie gehofft hatten, Einar oder den Weihnachtsmann, sondern nur einen Berg Werkbänke, die sich wie achtlos weggeworfen in einer Ecke stapelten. So ein Mist. Alle hatten gehofft, auf den schwarzen Schatten zu treffen und ihm Einar abzuringen. Aber von Einar keine Spur. Ob er wohl jetzt mit dem Weihnachtsmann zusammen war?

Gegen Mittag, als sich die Sonne wieder zeigte, bauten die Kinder ihre Zelte zusammen und begaben sich wieder auf ihren Marsch. Vorher hatten sie nochmal die Richtung mit ihrem Kompass überprüft. Er zeigte immer noch streng Richtung Norden und so wußten sie, dass sie noch nicht angekommen waren. Im Gegensatz zu gestern hatte der Himmel sich heute zugezogen und es bließ ein eisiger Wind aus Norden, der sie durch den aufgewirbelten Schnee nur wenige Meter weit sehen ließ. Na, dass konnte ja was werden. Da das Wetter so schlecht war, hing jeder seinen eigenen Gedanken nach und starrte auf das Stück Strick, dass von jedem Kind zum Vordermann führte. Eric hatte diesen Trick im Fernsehen gesehen und so konnten sie sich bei diesem Wetter nicht verlieren.

Als sie so drei bis vier  Stunden stramm marschiert waren, hörten sie von Eric, der ganz vorne mit dem Kompass lief, einen Laut der Überraschung. Was konnte da nur los sein? Als sie alle aufgeschlossen hatten, sahen sie es selber. Mehrere Gebäude gruppierten sich um einen zugeschneiten kleinen Platz. Sollte das schon die Weihnachtsstadt sein? Sie hatten ja noch garnicht richtig gesucht und das spezielle Fernglas hatten sie auch nicht. Außerdem sah die Gruppierung von Gebäuden eher nüchtern aus. Das war ja merkwürdig. Plötzlich wurde eine der Türen geöffnet und heraus trat eine schneeweis vermummte Gestalt. Wie ein Weihnachtself sah er eigentlich nicht aus. Dafür war er viel zu groß und nicht bunt genug. Aber wer konnte das sein? Die Kinder riefen und winkten und liefen auf die Gestalt zu, die sich nach einigen Minuten als ein Mensch entpuppte. Dieser Mensch war ebenso überrascht, die Kinder zu sehen wie diese, auf ihn gestoßen zu sein. Um sich in Ruhe unterhalten zu können, bat der Mann sie erst mal in eins der Gebäude hinein.

Im Inneren des Gebäudes waren noch mehr Menschen, die nun alle neugierig näher kamen und sich sehr über den Besuch freuten. Was für eine Überraschung, hier am Nordpol unverhofft Besuch zu bekommen. Schnell machten sich alle miteinander bekannt und die ersten Becher Tee wurden herumgereicht. Nachdem die Kinder sich ausgezogen und es sich gemütlich gemacht hatten, begannen sie von ihrer Mission zu erzählen. Die Mitarbeiter der Forschungsstation, denn da waren sie gelandet, hörten mit offenen Mündern zu und versprachen den fünf Freunden, sie am nächsten Tag ein Stück ihres Weges mit dem Schneemobil zu bringen. Aber für diese Nacht wurde vereinbart, dass die Kinder in der Station blieben und sich erstmal ordentlich ausruhten und etwas Warmes aßen. Die Kinder waren von ihrem Marsch so müde und erschöpft, dass sie zustimmten und sich bald zu Bett legten. Was war es herrlich, in einem echten warmen und weichen Bett liegen zu können! Bevor sie einschliefen, versprachen sie ihren neuen Freunden noch, mit ihnen am nächsten Morgen die Landkarten durch zugehen und gemeinsam zu schauen, welchen Weg die Kinder gehen sollten. Danach schliefen sie ein und ihre neuen Freunde, die Mitarbeiter der Forschungsstation, unterhielten sich noch bis in die Nacht über die Kinder und ihre Mission.

Heute wollten die Kinder nach der Schule wieder mit den anderen proben. Mittlerweile kannten alle ihren Text und wussten schon ganz gut, an welchen Stellen im Stück sie aktiv werden mussten. So kamen sie gut voran und alle waren guter Laune. Nur Christas Gedanken schweiften immer wieder ab zu dem Rentier und dem Schlitten, den sie für die Rückfahrt in die Weihnachtsstadt brauchte.

Währenddessen in der Weihnachtsstadt...

Kimball tobte! Er war furchtbar wütend auf Christa gewesen, dass sie den Eimer mit der Farbe für die Puppenaugen umgeworfen hatte und mit dem Werkstattschlüssel verschwunden war. Aber schon nach ein paar Tagen wurde es sehr ruhig um ihn und er machte sich ernstlich Sorgen. Wie sollten die Elfen nur all das Spielzeug fertigstellen, wenn auch nur ein Elf fehlte...und ausgerechnet Christa, die immer seine beste Schülerin gewesen ist. Das hatte er ihr natürlich nie gesagt und eigentlich hatte er sie immer viel härter rangenommen und bestraft als all die anderen Elfenkinder. Aber das tat er nur, weil er von Christa viel mehr erwartete und nun war sie weg! Als die Sorge um Christa zu groß wurde, ging Kimball zum Weihnachtsmann und bat ihn, nach Christa Ausschau zu halten. Sie wäre doch meistens eine sehr liebe Elfe und nur ein ganz klein wenig schusselig und überhaupt. Aber der Weihnachtsmann lachte nur! Er hatte das leise Geräusch wie von einem Sog in jener Nacht ebenfalls gehört und hatte später nach seinen schlafenden Elfen gesehen. Christas Verschwinden hatte er sofort bemerkt und so hat er am nächsten Morgen in seinen allsehenden Spiegel geschaut und nach Christa gesucht. Schwer war sie nicht zu finden gewesen und so hatte er ihr Donner geschickt, damit sie die Bekanntschaft des Rentieres machte. Irgendwie musste sie ja wieder zurück kommen. Als sie sich von Donner zu den Menschen hat tragen lassen, war er zunächst etwas verwundert, dass sie nicht wusste, wie sie mit dem Rentier zurück kommt. Aber er bewunderte auch ihren Mut, sich den Menschen zu nähern und bei ihnen die notwendigen Informationen zu erfragen. Also schickte er ihr Kaylie, damit sie ihr den Weg zurück zum Wald zeigen konnte. Aber als Christa dann beschloss, bei den Menschen zu bleiben und ihnen Weihnachten zurück zu bringen, war er sehr stolz auf seine kleine Elfe. Als er Kimball alles erzählt hatte, war dieser sehr erleichert und froh darüber, dass es Christa gut ging. Also wollte er versuchen, mit den verbliebenen Elfen alle Geschenke zu machen. Aber wenn Christa zurückkam, dann....

In der Zwischenzeit war für Christa wieder ein ereignisreicher Tag zu Ende gegangen und müde lag sie in ihren kleinen Bett und dachte an Rentiere, Schlitten, Weihnachtsgeschenke und das Theaterstück.

Lennart war den ganzen Tag gelaufen - immer den Rücken im Wind. Und tatsächlich - gegen Abend machte er die Mauern der weißen Stadt am Horizont aus. Er beschleunigte seine Schritte und stand zwei Stunden später, mittlerweise war es dunkel geworden, vor den Toren und bat um Einlass. Die Wachen, die sich durch Lennart gestört fühlten, machten nur unwillig die Klappe im großen weißen Tor auf und fragten unwirsch: "Wer bist du und was ist dein Begehr?" Lennart hatte nicht erwartet, mit offenen Armen empfangen zu werden. Jedoch hatte er mit so viel Unwillen nicht gerechnet und antwortete trotzig: "Ich bin ein weit gereister Wandersmann und suche eine Unterkunft für die Nacht!" Mit einem lauten Knall schloss sich die Luke und das Tor wurde einen Spalt weit geöffnet. Ein Wachposten brummte ihn an, dass er reinkommen und sich dann schnell vom Acker machen soll, was Lennart nur zu gern tat. Mit diesen üblen Gesellen wollte er nichts zu tun haben.

Erleichtert darüber, in den letzten Tagen nicht mehr von diesen merkwürdigen Alpträumen heimgesucht worden zu sein, stürzten Tristian und Arun sich voller Eifer in die Recherchen über den Schatten. Dass ihre Laune sich schlagartig wieder gebessert hatte, erfreute ihre Mit- Elfen zutiefst. Die beiden jungen Elfen waren nicht mehr so mürrisch und unausgeglichen. Auch diesen Morgen machten sie sich ganz früh an die Arbeit, um herauszufinden, wer dieser Schatten ist. Sie hatten es unbedingt darauf abgezielt, dessen Identität aufzudecken, als eher darauf, was für eine Form von Wesen es war. Da gab es nämlich zwei Varianten. Sie hofften sehr, dass es nicht die eine war, welche sie zu Anfang für wahrscheinlich genommen hatten. Denn wenn es so war, konnte man den vermeintlichen Schatten viel einfacher besiegen, als sie es sich zu träumen gewagt hätten.

Heute Mittag war es also soweit. Die Kinder würden heute losmarschieren und sich Richtung Nordpol durchschlagen. Nach einem ausgiebigen Frühstück ein paar Stunden zuvor hatten sich alle auf den anstehenden Marsch vorbereitet, ihre Rücksäcke gepackt, die Schneeausrüstung angezogen und Schals um den Kopf gewickelt. So ausstaffiert ging es los. In der Nacht war es trotz anders lautender Vorhersage wärmer geworden. Das Thermometer stand trotzdem noch bei - 18¬C. Als die Kinder das Hotel verließen, blies ihnen ein leichter Wind entgegen. Als erstes holten sie ihren Kompass hervor, um die Richtung zu bestimmen. Auch hier oben so nahe am Pol funktionierte er noch. Nachdem sie die Richtung bestimmt hatten, stampften sie in diese Richtung los. Schon eine halbe Stunde später war das Hotel nicht mehr zu sehen und sie waren völlig auf sich gestellt. Aber nun, da alle Vorstellungen von ihrer Expedition real geworden sind, war alles nur noch halb so schlimm und so konnten die fünf Freunde scherzen, Engel im Schnee machen und rumtollen. Aus der Ferne sahen sie immer wieder mal ein paar Polarfüchse und freute sich über die Begleitung. Die Füchse tobten ausgelassen herum und hatten die lustige Angewohnheit, mit dem Kopf voran in den Schnee zu springen und nach kleinen Tieren im Schnee zu graben. So neigte sich der Tag lachend und scherzend dem Ende zu. Als es viel zu schnell wieder dunkel wurde, bauten die Kinder ihre Zelte auf und warfen den Kocher an, um sich Eis zu schmelzen und Tee zu kochen. Nach Stunden in der eisigen Kälte war es allen doch ein wenig kalt geworden und sie waren dankbar für die Pause, die bis morgen Mittag andauern würde. Der Kompass zeigte immer noch nach Norden. Somit waren sie noch nicht an ihrem Ziel angelangt. Der Kompass würde ihnen zeigen, wann sie am Pol sind, indem er kreiselte anstatt still nach Norden zu zeigen. Dann war es Zeit für das besondere Fernglas, dass sie nun weder beschaffen konnten, noch eingepackt hatten. Nach wie vor war allen schleierhaft, wie sie die Weihnachtsstadt erkennen sollten. Sie alle hofften, dass es ausreichen würde, die Gegend mit Augen von Kindern zu sehen, die an den Weihnachtsmann glaubten. Das sie an den Weihnachtsmann glaubten, war wohl hinreichend unter Beweis gestellt. Aber ganz sicher waren sie sich nicht. Mit vielen offenen Fragen kuschelten sie sich in ihre Schlafsäcke und unterhielten sich noch eine Weile über zu Hause und die zurückgebliebenen Eltern und Geschwister. Dann schliefen sie völlig erschöpft ein.

14. Dezember - Snowie der Schneemann

 

Ein weiterer Tag im Menschenhaus war angebrochen und Christa stieg fröhlich aus ihrem Bett. Und das hieß für die drei, auf in die Schule! Sie stiegen wie jeden Morgen in den Bus ein, natürlich nicht ohne Kaylie noch einen schönen Tag gewünscht zu haben. Christa setzte sich neben Taylor. Sie war schon ganz gespannt darauf, was die Lehrerin dazu sagen wird, ob sie denn in der Turnhalle proben könnten. Total aufgeregt betrat sie die Klasse mit den anderen Schülern. Sie beschlossen die Lehrerin in der Pause zu fragen, da sie da immer bessere Laune hatte. Nachdem die ersten beiden Stunden Kunst vorbei waren, gingen sie vor zur Lehrerin. Sie fragten ganz lieb ob sie denn heute dort proben könnten. Zu ihrem bedauern war die Turnhalle heute schon besetzt. "Aber morgen ist sie frei und ihr könnt dann gerne drin proben!", erzählte sie weiter. Auf einen Tag mehr oder weniger warten, kommt es jetzt auch nicht an, dachte sie und ging zufrieden auf die Hofpause. Nachdem sie die, für sie ziemlich freudige, Nachricht ihren Freunden erzählt hatte, war die Hofpause auch schon wieder vorbei. Nach der Schule klärten sie noch die restlichen Sachen für morgen und gingen schließlich nach Hause. Dort angekommen empfing die drei eine schwanzwedelnde Kaylie. Als sie alle mit den Hausaufgaben fertig waren gingen sie raus um einen Schneemann zu bauen. Aber diesmal nicht irgend einen kleinen sondern einen riesigen! Einen Kopf größer als sie selbst sollte er werden. Sie rollten die Kugeln stundenlang umher sodass riesige Kugeln entstanden. Sie holten rasch Kohle aus dem Keller, Topf und Möhre aus der Küche und einen Schal aus Emilias Zimmer. Sie machten noch zu fünft ein Bild, inklusive dem Schneemann den sie übrigens Snowie genannt hatten und gingen dann rein ins Haus. Sie setzten sich mit einer heißen Schokolade vor den Kamin und erzählten sich alles mögliche aus ihrer Kindheit. Emilia und Taylor erzählten, wie sie jedes Jahr den Weihnachtsstern zu Heiligabend auf den Baum gesetzt hatten oder wie sie allesamt Schlitten fahren gegangen sind. Und da fiel Christa auf einmal ein, dass sie noch keinen Weihnachtsbaum hatten! Nachdem sie den dreien das mitgeteilt hatten, schmiedeten sie Pläne wie sie einen besorgen könnten ohne das die Eltern es bemerken würden. Sie beschlossen es morgen weiter zu planen denn heute waren sie zu müde dafür und gingen schließlich ins Bett.

Obwohl es überdurchschnittlich kalt war und der schneidende Wind so tief in die Knochen eindrang, dass man nicht nur von außen, sondern auch von innen abkühlte, liefen Angus Schweißströme Schläfe, Hals und Rücken herab. Seine Handschuhe waren auch schon ganz klamm und feuchtwarm innerhalb des Futters. Und das lag nicht an der weiten Reise, welche fast reibungs- und beschwerdelos abgelaufen war. Nachdem Angus vorgestern voller Euphorie seine Entdeckung verkündet hatte und feststand, dass es den Ort wirklich auf der Landkarte gab, begannen sie sogleich mit den Reisevorbereitungen. Binnen weniger Stunden sind sie auf vollgepackten Schlitten über die weiße Landschaft geflogen, von den im Umland lebenden Huskys gezogen. Das Spannendste, was wohl während der letzten beiden Tagen passiert war, ist, dass sie ein paar Nomaden, die gerade das Gebiet nach möglicher Beute abgesucht hatten, begegnet sind.

Ganz früh am Morgen machten sich Siridean und Tjara auf den Weg zum Mondberg. Im Gepäck hatten sie jede Menge Eisenpulver, um den Schatten-Elf zu zwingen, seine normale Gestalt anzunehmen. Danach wollten sie ihn festnehmen und verhören. Das zumindest war der Plan für den heutigen Tag. Frohen Mutes machten sie sich auf den Weg, dem Plan Taten folgen zu lassen. Aber obwohl es noch ganz früh am Morgen war und die Elfen eigentlich noch schliefen, wurde ihr Fortgehen beobachtet. Siridean und Tjara waren schon fast am Wald angekommen, als sich eine zweite Prozession, bestehend aus Tristian und Arun, in Bewegung setzte und den beiden folgte. Auch sie hatten allerlei Pläne für den heutigen Tag. Auf alle Fälle wollten sie sich den Schatten-Elf schnappen und damit beweisen, dass sie nicht mehr zu jung für solche Abenteuer waren. Schließlich waren sie ja auch Hilfs-Polizisten geworden.

Endlich war der Flieger gelandet und das Abenteuer konnte beginnen. Nach dem Check Out verließen die Freunde das Flughafengebäude und blieben abrupt stehen. Der Atem frohr sofort ein und die Gesichtszüge zogen sich langsam zusammen. Die Anzeige am Flughafen zeigte - 31,2 ¬C an. Es war wirklich entsetzlich kalt und sollte in den nächsten Tagen nicht wärmer werden. Immerhin war es ein klarer Tag und die Sterne am Himmel waren gut zu sehen.

Der Weg zum Bus, der sie für die erste Nacht in ihr Hotel fahren würde, war nicht weit und so beeilten sich die fünf Freunde, um schnell wieder ins Warme zu kommen, Auf der kurzen Fahrt zum Hotel schliefen die beiden Kleinen ein. Die Großen unterhielten sich leise darüber, wie sie am nächsten Tag aufbrechen würden. Heute konnten sie nochmal ein heißes Bad nehmen und sich richtig satt essen. Ab morgen würde es dann Lebkuchen und Trockenobst geben. Nur der heiße Tee würde noch ein wenig Abwechslung in den Speiseplan bringen. Aber das war den Freunden egal. Sie hatten ein klares Ziel vor Augen und nichts würde sie davon abhalten, mit dem Weihnachtsmann zu reden.

Im Hotel verstauten sie alle schnell ihre Sachen und gingen dann zu einem späten Abendessen nach unten. Die Auswahl war ungewöhnlich und an die Umgebung angepasst. Es gab kleine Fleischbällchen mit einer würzigen Soße und ein wenig Obst. Unter anderen Umständen hätten die Kinder rumgeblödelt und ihren Spaß gemacht. Aber der Flug und die zurückliegende Nacht steckten ihnen noch in den Knochen und so bereiteten sie sich darauf vor, lange zu schlafen. Der Tag morgen würde sehr kurz werden, da die Sonne zu dieser Jahreszeit nur wenige Stunden schien. Sie konnten also jeden Tag nur wenige Kilometer voran kommen und müssten dann ihre Zelte aufstellen. Darin würde es auch bei günstigen Umständen nie auch nur annähernd warm werden. Aber das mussten sie eben ertragen.

Nach dem Abendessen gingen sie zurück in ihre Zimmer - Monika und Jilian in das Eine, die Jungs in das Andere - und schiefen schnell ein. Morgen würde wieder ein aufregender Tag werden.

13. Dezember - Die Proben gehen weiter

Am Nachmittag trafen sich alle Kinder wieder im Haus von Emilia und Taylor. Das Getuschel und Gelächter war den Eltern schon gestern aufgefallen und langsam fragten sie sich, was die Kinder im Schilde führten. Es würde zunehmend schwieriger werden, ihr Vorhaben vor den Eltern geheim zu halten. Aber für heute würde es noch einmal gehen.

Heute Morgen hatten sich noch einige Kinder bei ihnen gemeldet, die ebenfalls gern mitspielen wollten. Sie würden die Rentiere spielen, so dass nun alle Rollen verteilt waren. Jedes Kind wollte Stoffe und Materialien mitbringen, um die Kostüme für die Aufführung herzustellen. Die Kinder hatten die alte Nähmaschine der Oma gefunden und würden nähen können. Die Aufregung war fast mit den Händen greifbar und lange kehrte nicht genug Ruhe ein, um das Stück zu proben. Letztendlich jedoch schafften sie es noch für eine halbe Stunde, ein wenig zu proben. Danach mussten alle Kinder zum Abendbrot nach Hause. Nur Christa und die Geschwister blieben zurück. Morgen wollen sie in der Schule fragen, ob sie die Turnhalle benutzen dürfen. Alle drei waren sehr aufgeregt und konnten abends lange nicht einschlafen. Neben dem Stück, so hatten Christa, Emilia und Taylor überlegt, wollten sie eine weitere Weihnachtsüberraschung für die Eltern machen. Aber was konnte es sein? Spät abends schlief Christa mit dem guten Gefühl ein, Weihnachten einem Schritt näher zu sein.

Währenddessen zu Hause.... Nun warteten sie schon seit Tagen darauf, dass Angus wieder zurück kam. Jedoch gibt es bis jetzt keine Spur von ihm. Sein Vater, sein Bruder und ein paar Männer aus dem Dorf hatten jeden Tag die Umgebung durchkämmt. Aber immer noch gab es keinen Hinweis auf Angus' Rückkehr. Die Stimmung im Hause Aurelis wurde immer betrübter. Kaum einer wollte frühs noch aufstehen und seinem Tagwerk nachgehen. Irgendwann jedoch müssten sie alle wieder der Normalität nachgehen. Dazu allerdings war es noch zu früh. Alle waren zu tiefst betrübt und am schlimmsten hatte es Enya, die Großmutter von Angus, getroffen. Ohne Unterlass machte sie sich Vorwürfe, dass sie den Kindern und deren Kindern nicht die Wahrheit über die Welt und die Herkunf von Cedrik erzählt hatten. Lennart, Angus' älterer Bruder, machte sich ebenfalls große Vorwürfe. Er hätte besser auf "den Kleinen" aufpassen sollen.

Da es nach der Besprechung sehr spät geworden war, hatten sie sich erst schlafen gelegt, bevor sie an diesem Morgen mit dem Weihnachtsmann ihr weiteres Vorgehen besprechen wollten. Es war eine sehr vertrackte Situation, da wieder sämtliche Hinweise fehlten. Vielleicht konnte dem ja mit Magie beigewohnt werden. Und dazu brauchten sie den Weihnachtsmann. Doch zuerst wollten das Team sich beim Frühstück mit einer gebührenden Portion Zimt stärken, etwas Routine in diesen chaotischen Tagesablauf bringen. Erschöpft ließen sich Siridean und sein Trupp auf die massive Mahagonibank fallen. Immerhin hat sich der Rest der Elfengemeinschaft in ihren Alltag zurückgefunden. Noch etwas bedrückt, doch schon viel gesprächiger als in den Vortagen, unterhielten sie sich über die Tische hinweg. Einars Verschwinden hatte kurzzeitig für eine betrübte Stimmung gesorgt, doch wog das Auftauchen der Maschinen diesen Schlag fast wieder aus. Siridean aber konnte das nicht besänftigen, ebenso wenig wie Thorin, schließlich war Einar ihr bester Freund.

Endlich war es soweit. Das Flugzeug wurde aufgerufen und die Freunde konnten an Board gehen. Dort hatten sie in der Mitte eine ganze Reihe für sich und konnten sich unterhalten, ohne andere Leute zu stören. Da das Flugzeug nicht ganz voll und der Himmel klar war, hatten sie die Hoffnung, aus einem der freien Fenster auf die Erde blicken zu können. Pünktlich hob das Flugzeug zu seinem 11,5 Stunden dauernden Flug ab. Nachdem sich die Kinder wieder abgurten durften, begannen sie über ihre Zeit nach der Landung zu reden. Auch wenn die Vorfreude auf die unbekannte Gegend groß war - die Ungewissheit stand allen ein wenig ins Gesicht geschrieben und langsam begannen sie Angst vor der eigenen Courage zu bekommen. Da immer noch Fenster frei waren, konnten sie nun auch einen Blick aus dem Fenster werfen. Mittlerweile führte sie der Flug entlang der bizarren Westküste Norwegens. Der Anblick waren atemberaubend und alle freuten sich, dass die Sicht so gut war. Zwei Stunden später flogen sie über der Barentsee in Richtung Spitzbergen, dass sie bald erreichen würden. Als der Flieger über dem Nordpolarmeer war, schliefen alle Fünf schon wieder, weil die Nacht im Flughafen sehr anstrengend gewesen war und alle nur eine Mütze Schlaf abbekommen hatten. Den Überflug des Pols hätten sie fast verschlafen. Aber Eric war wach und hat alle aus dem Schlag gerüttelt. Im Flugzeug lief ein Countdown über die Lautsprecher bis zur Überquerung des Pols, den sie alle mit zählten und sich dann in die Arme fielen. Es war das erste Mal seit Tagen, dass sie wieder richtig ausgelassen und fröhlich waren. Lange würde der Flug nicht mehr dauern und dann hieß es "durchhalten bis zum Weihnachtsmann". Als sie die Realität wieder einholte, saßen sie alle still auf ihren Sitzen. Das würde ein riesiges Abenteuer werden.    

12. Dezember - Schauspieler

Wie der Blitz fuhr Christa aus dem Bett und rannte ins Bad. Sie war sehr aufgeregt und durcheinander. Einerseits wollte sie sofort loslaufen, zurück zur Weihnachtsstadt. Andererseits hatte sie bereits beschlossen, ihrer Gastfamilie das Weihnachtsfest zurück zu bringen. Hin- und hergerissen rannte sie ziellos durch das Haus, bis die beiden Geschwister sie stoppten. Die fragenden Gesichter von Emilia und Taylor ließen sie wieder an ihrem Entschluss festhalten und schließlich hatte sie ja auch keinen Schlitten mit Rentieren. Dieses Problem musste sie erst noch lösen.

Kaylie freute sich sehr, als sie den Stimmungsumschwung bemerkte und begleitete die Kinder noch zur Schule. Dort angekommen erzählten die Kinder den anderen, was sie vorhatten. Für die Aufführung würden sie weitere Kinder brauchen, die mitmachen würden. Da war zum Beispiel Jo, der bei seiner Größe den Weihnachtsmann spielen könnte und Marry und Luisa, die weitere Elfen spielen könnten. Eine Figur - den Werkstattleiter Kimball - hatte Christa noch beigesteuert. Ihn könnte doch Robin spielen. Schnell waren sich die Kinder einig und eins war gleich klar - Christa würde Maya spielen.

Die Kinder dachten sich den ganzen Nachmittag Kostüme aus, sprachen über das Stück und lachten und scherzten. Alle hatten viel Freude an dieser ersten Probe. Am Abend schlief Christa erschöpft und glücklich ein. Aber ein klein wenig besorgt war sie doch, weil sie das Problem mit dem Schlitten und dem Rentier noch nicht gelöst hatte.

Obwohl das Bett nur rustikal sowie einfach gebaut war und das Gestell aus Metall bestand, da hier, in den Katakomben alles recht schnell zu modern begann, war seine Unterkunft im großen und ganzen recht bequem. Aber obwohl sie recht bequem war, konnte er sich nicht sonderlich mit ihr anfreunden. Genauer genommen, sinnierte er weiter, war sie ihm sogar ziemlich zuwider. Er fühlte sich wie ein Leichnam, begraben unter der Erde, unter Steinen.

Nach dem erholsamen und langen Schlaf, den ihre Gastgeber ihnen gegönnt hatte, versammelten sich Kilian, Joel und Angus zusammen mit Luisa und Fennig in der Halle, durch die sie gekommen waren. Dort wurde ihnen gerade etwas zu Essen und Tee auf einem der größeren Tische bereit gestellt. Also setzten sich erstmal alle, rieben sich die Augen, gähnten und streckten sich und sahen sich dann mit großen Augen an. Keiner wusste so richtig, was er sagen oder tun sollte. Es hatte sich viel verändert seit gestern Früh. Erst befreiten sie Angus aus seinem Verlies und fanden in ihm einen neuen Freund, dann tischte er ihnen eine schier unglaubliche Geschichte auf, die keiner so recht glauben konnte und dann fand Luisa ihren Bruder wieder. Die Welt war schon verrückt.

Gleich nachdem Tristian und Arun erzählt hatten, wo Einar war und was er nun am nötigsten brauchte, machte sich eine Prozession von Elfen mit Lebkuchen, Kakao und ein paar Decken auf den Weg zum Mondberg. Mittlerweise war ein Pfad im Schnee ausgetreten, so dass die Elfen schnell voran kamen. Die Höhle war gut zu finden und so waren die Elfen in relativ kurzer Zeit vor Ort und wollten Einar begrüßen. Wie groß war der Schreck, als Einar gar nicht mehr da war. Sie suchten in allen Ecken. Aber sie konnten ihn nirgends finden. Sofort machte sich eine große Sorge unter den Elfen breit, dass Einar schon wieder entführt worden ist. Dafür stellten sie fest, dass der dunkle Schatten, hinter dem die Werkbänke wie hinter einer unsichtbaren Barriere verborgen waren, weg war. Was ist hier bloß los gewesen? Fußabdrücke gab es auf dem felsigen Boden der Höhle nicht und draußen hatten sie auch nichts verdächtiges gesehen. Wie es schien, konnten sie hier erstmal nichts weiter ausrichten. Deshalb schnappten sie sich so viele Werkbänke wie möglich und machten sich auf den Weg zurück zur Weihnachtsstadt. Allen Elfen stand die Sorge um Einar ins Gesicht geschrieben.

Nachdem die Schule beendet war, trafen sich die fünf Freunde auf dem Weihnachtsmarkt. Sie wollten noch schnell schauen, ob ihr Los von gestern denn etwas gewonnen hat. Aber noch warteten sie auf Eric und als er kam, war Eile geboten. Für heute Nachmittag war eine Lehrerkonferenz einberufen worden und die Lehrer würden sich alle in der Schule befinden. Damit war es unmöglich, die Ausrüstung für die Expedition aus der Schule zu schmuggeln. Also liefen sie sofort los. In der Zwischenzeit hatte es begonnen, leise zu schneien. Die Vorgärten und Häuser bestäubten langsam mit weißem Puder und die Freunde nahmen das als ein gutes Omen für ihre beginnende Reise zum Nordpol. Als sie in der Schule ankamen, war von den Lehrern noch nichts zu sehen. Schnell stahlen sich die Fünf zu den Spinden und holten ihre Ausrüstung heraus. Gerade als sie gehen wollten, stellte sich ihnen der Hausmeister in den Weg und fragte mit hochrotem Kopf, was die Kinder noch in der Schule zu suchen hatten. Nun war guter Rat teuer. Der Hausmeister war wirklich sehr wütend. Aber der sonst immer stille Eric rettete die Situation indem er ihm erzählte, dass die Kinder für die Lehrerkonferenz einen Vortrag über die Arktis halten wollten - ein Schulprojekt über verschiedene Klassen hinweg - und deshalb Ausrüstungsgegenstände holen wollten. Damit gab sich der Hausmeister dann auch zufrieden und ließ die Kinder in Richtung der Klassenzimmer von dannen ziehen. Nun aber schnell raus und ab zum Busbahnhof. Dort wurden schnell noch die ganzen Sachen verstaut, die die Kinder sonst noch so mitgebracht hatten und ab ging es in den Bus, der sie in die nächst größere Stadt und zum Bahnhof bringen würde. Dort angekommen erreichten die Kinder mit knapper Mühe und Not ihren Zug. In der Zwischenzeit machten sich die Eltern sicher schon sorgen, weil die Kinder nach der Schule noch nicht nach Hause gekommen waren. Entsprechend ruhig verlief die Zugfahrt. Jeder hing seinen Gedanken nach und war zu Hause bei seinen Eltern und Geschwistern. Die Zugfahrt dauerte bis zum späten Abend und die Kinder hatten, als sie endlich beim Flughafen ankamen, ein sehr schlechtes Gewissen. Also beschlossen sie, vor dem Abflug noch einmal zu Hause anzurufen und Bescheid zu sagen, dass sie in Sachen Schule unterwegs waren. Vom Nordpol allerdings wollten sie nichts sagen. Und wieder war es der ruhige Eric, der seine Eltern anrufen sollte. Das Gespräch mit seinen Eltern dauerte nicht lange. Sein Vater erklärte sich bereit, die anderen Eltern zu informieren und es wurde noch vereinbart, dass die Kinder sich regelmäßig melden. Bis zum Abflug waren noch ein paar Stunden Zeit, so dass jeder noch ein wenig seinen Gedanken nachhängen und schlafen konnte. Morgen in aller Frühe würde der Flieger abheben und sie zum Nordpol und zum Weihnachtsmann bringen. Das große Abenteuer hatte begonnen.

11. Dezember - Wie Maya dem Weihnachtsmann helfen durfte, die Geschenke auszuteilen!

Also Christa am Morgen aufwachte, griff sie sich, wie immer, als erstes an die Kette um ihren Hals. Aber dort hing nur noch ihre Pfeife. Erleichert fiel ihr wieder ein, dass der Schlüssel durch Magie zurück zur Weihnachtswerkstatt gelangt ist und nun alle Elfen wieder arbeiten konnten. An der Stelle hatte Christa im Unterricht wirklich mal aufgepasst. Weinachtsmagie war eins ihrer Lieblingsfächer!

Aber nun musste Christa erstmal los in die Schule. Am Nachmittag weihte Christa ihre beiden Freunde in ihren Plan ein, den Geist der Weihnacht wieder ins Haus der Kinder zu holen und sie verriet ihnen auch, wie sie mit ihrer Hilfe eine Geschichte der Oma aufführen wollte. Doch welche Geschichte sollte es sein? Die Oma hatte so viele Geschichten erzählt, so dass sie alle schon ineinander über gegangen sind und keiner mehr so recht wußte, wie die Geschichten wriklich gingen. Eine Geschichte jedoch stand allen noch klar vor Augen: Wie Maya dem Weihnachtsmann helfen durfte, die Geschenke auszuteilen!

Maya war mit all ihren Elfenfreunden fleißig bei der Arbeit und gestaltete die Gesichter der Puppen, die der Weihnachtsmann zu Weihnachten verschenken würde. Hier die Lippen rot, dort die Augen blau, grau, grün und nun noch die Bäckchen in zartem Rosa. So ging es Puppe um Puppe den ganzen Tag! Abends war Maya sehr erschöpft und fiel einfach nur noch in ihr Bett. Auch ihren Freunden ging es nicht besser. Die gesamte erste Klasse bemalte Puppengesichter und alle waren am Abend erschöpft.

Nach mehreren Tagen waren Maya und die anderen Elfenkinder so müde, dass sie jeden Tag weniger Puppen verschönerten und in ein paar Tagen in Rückstand geraten würden. Maya dachte, man müsse eine Maschine erfinden, die die Puppen automatisch bemalte. Dann könnten doch noch alle Puppen bis zum Fest fertig werden. aber wie sollte sie es anstellen? Nach stundenlangem Grübeln in der Nacht, wo sie eigentlich dringend hätte schlafen sollen, baute Maya eine einfache, aber effektive Konstruktion, die drei Pinsel gleichzeitig schwang und so in kurzer Zeit eine Puppe bemalt hatte. Maya blieb noch bis zum Morgen, als der Weihnachtsmann in die Werkstatt kam und zeigte ihm ihre Maschine. Der Weihnachtsmann war so begeistert, dass er Maya einlud, mit ihm gemeinsam die Geschenke auszuteilen.

Am Weihnachtsabend bestieg Maya mit dem weihnachtsmann den Schlitten und mit einem Geräusch wie ein Sog verließen sie die Weihnachtsstadt. Da die Zeit dort, wo der Weihnachtsmann die Geschenke verteilt, still steht, hatten sie genügend Zeit, alle Puppen und Autos, Schaukelpferde und Eisenbahnen, die sie im letzten Jahr gebaut hatten, zu verteilen. Als sie sich auf den Weg zurück zur Weihnachtsstadt machten, erzählte der Weihnachtsmann, dass sie nun mit Lichtgeschwindigkeit fliegen und die Rentiere noch einmal ihr Letztes geben mussten, damit sie die Grenze wieder überschreiten können. Mit einem lauten Knall landeten sie wieder in der Weihnachtsstadt und für Maya ging ein großes Abenteuer in der Menschenwelt zu Ende.

 

Christa hatte still der Geschichte gelauscht und vergaß nun fast zu atmen. Das konnte ihre Rettung sein! In dieser Nacht konnte sie lange nicht einschlafen!

Da es bereits in den frühen Morgenstunden war, versammelten sich immer mehr Elfen im Gemeinschaftsraum. Doch anstatt dass sie sich wie jeden Morgen gemeinsam bei Tisch setzten, stellten sie sich in einem großen Halbkreis um die Neuankömmlinge herum. Gerade, als Angus Identität als Elf gelüftete worden war, trat eine weitere Gruppe ins Zimmer ein.

Müde schlug Einar die Augen auf. Er hatte eine unruhige Nacht hinter sich. Immer wieder drehte er sich von der einen auf die andere Seite. Das untrügliche Gefühl beobachtet zu werden, lastete die gesamte Nacht auf ihn. Außerdem war da eine lauernde Wesenheit im Hintergrund. Nicht zu sehen oder zu hören, doch nahe genug, um jede kleinste Regung auf Seiten Einars mitzubekommen. Fest hatte er ein Stück Holz von den kaputten Maschinen in der Hand gehalten, um sich für den Notfall verteidigen zu können. Zumindest redete er sich ein, nicht völlig hilflos zu sein. Denn wenn er ehrlich zu sich war, musste Einar sich eingestehen, mit seinem Werktischbein nicht viel gegen einen Schatten ausrichten zu können.

Das Wetter war den ganzen Tag über frostig und sehr freundlich gewesen, so dass sich die fünf Freunde heute zur Abwechslung mal auf dem Weihnachtsmarkt und nicht in der Schule trafen. Von überall her leuchteten die Lichter an kleinen Ständen und Buden und leise spielte Weihnachtsmusik aus verschiedenen Lautsprechern. Langsam, sehr langsam wurde es auch in Auenberg weihnachtlich. Der Kampf um die Schule hatte noch nicht aufgehört und so standen auch heute wieder Schüler der Schule auf dem Weihnachtsmarkt und verkauften Glühwein, um die Kasse aufzufüllen und die Renovierung zu finanzieren. Aber immer noch war der Geldbestand viel zu niedrig, um auch nur an Teilrenovierung zu denken.

Die Freunde schlenderten über den Weihnachtsmarkt und naschten hier und kauften dort und dazwischen sprachen sie immer wieder über ihre Abreise. Am nächsten Tag würde der Bus sie in die nächst größere Stadt fahren und von dort aus würden sie dann mit dem Zug weiter zum Flughafen reisen. Die Aufregung über die bevorstehende Reise war groß und die Kinder entsprechend aufgekratzt. Aber immerhin war ihnen bislang noch keiner auf die Spur gekommen und die Kinder konnten ihre Expediion starten. Um ihr Glück noch ein wenig mehr auszureitzen, kauften sie sich von ihrem restlichen Geld noch ein Los und gingen dann in die Schule, um noch einmal die Ausrüstung zu begutachten und letzte Überlegungen anzustellen, was noch mitzunehmen sei.

In der Schule angekommen, diskutierten die Kinder immer noch über das besondere Fernglas, dass nötig war, um die Weihnachtsstadt sehen zu können. Lilian bestand auf einem Infrarot-Fernglas, hatte aber keins vorzuweisen, Monika wollte lieber eine Nachtsicht-Fernglas mitnehmen, hatte aber auch keins. So rätselten die Kinder, wo sie das eine oder andere hernehmen sollten, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. In der Schule gab es leider auch keine Ferngläser, die sie sich hätten ausborgen können. Aber da alles Reden kein Ergebnis brachte, gingen sie nach einer Weile alle nach Hause, um noch einmal ausgiebig zu schlafen. In den nächsten Tagen würden sie davon nicht mehr so viel bekommen.

10. Dezember -  Ein großer Schreck

 

Schon vor dem piepen des Monsters namens Wecke,r wie Christa erfahren hatte, wurde sie wach. Sie schlürfte flink, aber noch ziemlich müde ins Bad, nur um dann festzustellen, dass der Schlüssel zur Werkstadt verschwunden war. Er baumelte nicht mehr an ihrem langen, dünnen Hals herunter. Die Panik erfasste sie mit einem Schlag. Christa kniff sich in den Arm in der Hoffnung, daas es nur ein schlechter Traum sei. Doch nichts passierte. Als sie das realisierte, flog sie förmlich zurück in ihr Zimmer um nachzuschauen ob der Schlüssel in ihrem Bett liegen geblieben ist. Aber so war es nicht, der Schlüssel war verschwunden. Sie sprintete zurück ins Bad um sich dort anzuziehen. Immer noch von Panik erfüllt, durchwühlte sie ihre Schultasche, ihre Jackentasche und schließlich die Anziehsachen von gestern. Aber der Schlüssel blieb verschwunden. "Denk nach Christa, denk nach!", murmelte sie ständig vor sich hin. Gestern Abend hatte sie ihn noch, bestimmt! Ob er wohl gestohlen wurde, fragte sie sich. Aber nein, dass konnte doch nicht sein, niemand hatte ihr Zimmer betreten oder verlassen außer ihr selbst. Aber richtig konzentrieren konnte sie sich frühs am Morgen noch nie, dass war schon lange eine kleine Schwäche von ihr. Da half nur eins! Backen! Sie müsste dringend Weihnachtsplätzchen backen, danach konnte sie sich immer besser konzentrieren. Also schlich sie zum Schrank mit den Backzutaten. Im Kopf malte Christa sich schon alle möglichen Rezepte aus, von Vanillekipferln bis hin zu Zimtsternen. Aber sie wurde schon wieder enttäuscht, es war alles leer bis auf eine halbe Packung Mehl. Das hieß also für Christa einkaufen.

Schnell nahm sie sich 20 Euro und ging zum Einkaufsladen um die Ecke. Es war ein gemütlicher, kleiner Laden mit viel Weihnachtsdeko und einem kleinem Weihnachtsbaum am Eingang.  Genau sowas ließ Christas Herz immer doppelt so schnell schlagen. Sie schnappte sich einen Einkaufswagen und brauste nur so durch die Gänge bis sie alles beisammen hatte. Nachdem sie bezahlt hatte lief sie zurück nach Hause. Es war ziemlich still im Haus wie Christa feststellte. Sie lief in die Küche um den Einkauf abzustellen und fand einen, in schnörkeliger Schrift geschriebenen, Zettel von Taylor. Darauf stand, dass sie sich große Sorgen machten, weil sie nicht mehr da war und keinen Zettel hinterlassen hatte! Sie sind derweil in die Schule gegangen und wollten Christa gleich noch für das heutige Fehlen entschuldigen. Nachdem das geklärt war, begann sie zu backen an und nach ein paar Stunden war sie schließlich fertig. Mittlerweile hatte sich Kaylie zu Christa gesellt und verspeiste massenhaft Plätzchen mit ihr zusammen. Nachdem Emilia und Taylor aus der Schule zurück kamen, machten sie noch ein paar Schneeballschlachten, der Schlüssel war schon längst vergessen. Als Christa dann abends schließlich wieder im Bett lag, fiel es ihr wie ein Schlag ins Gesicht wieder ein! Der Schlüssel verschwindet nach ein paar Tagen wieder zurück an den Haken im Büro von Kimball, wenn er verschwunden ist!! Überaus glücklich über die Erkenntnis das der Schüssel nicht verschwunden ist, schlief Christa ein.

So schnell würden Angus und seine Befreier wohl keinen deftigen Eintopf bekommen. Egal, wie sehr sie sich auch beeilten und durch die unterirdischen Gänge der weißen Stadt liefen, die Wachen waren ihnen auf den Fersen. Erst als Luisa die Führung übernahm und sie in Teile der Katakomben führte, in denen seit Jahrzehnten keine Menschenseele mehr gewesen war, wurde der Abstand endlich größer. Gerade liefen sie links um eine Ecke, als Luisa mit einem leisen Aufschrei stehen blieb und rückwärts taumelte. Die ganze Gruppen der Flüchtigen kam zum Stehen und starrte den vor ihnen stehenden Mann mit weit aufgerissenen Augen an.

Früh am Morgen verabschiedeten sich die Elfen voneinander. Tristian und Arun versprachen Einar ganz fest, bald wieder mit Proviant und Hilfe zur Stelle zu sein und ihn aus seinem Gefängnis zu befreien. Dann trennten sie sich schweren Herzens voneinander und Tristian und Arun kletterten den Mondberg wieder nach unten und stampften durch dichten Schnee hinaus aus dem Wald. Gegen Mittag waren sie wieder zurück in der Weihnachtsstadt, in der sie misstrauisch empfangen wurden. Tjara und Siridean waren zwischenzeitlich aus der Ohnmacht erwacht und hatten den Elfen und dem Weihnachtsmann erzählt, dass Einar gekidnappt und daraufhin Tristian und Arun verschwunden sind. Alle hatten angenommen, dass Tristian und Arun in die Verschleppung von Einar involviert waren und nun war es schwer für die beiden, dem Misstrauen zu begegnen.

Heute bließ Lilian Trübsal. Sie hatte Jake die letzten beiden Tage nur in der Schule gesehen und danach war er nach Hause verschwunden. Sie konnte ja verstehen, dass er seine Mutter beschwichtigen musste. Aber das änderte leider nichts daran, dass sie ihn vermisste. Ihre schlechte Laune ließ sie an den Geschwistern aus und da ging es zum Teil ziemlich hoch her. Schließlich griff die Mutter ein und "verdonnerte" Lilian dazu, die Outdoor-Ausrüstung durchzusehen und auszubessern, damit sie von den Geschwistern weg war. Nun war guter Rat teuer. Die Ausrüstung war ja in der Schule. Und nicht nur ihre eigene Ausrüstung lag dort, sondern auch die der Geschwister. Was also sollte sie jetzt begutachten und anschließend ausbessern? Die Mutter würde sich am Abend danach erkundigen und zeigen lassen, was Lilian gemacht hatte. Das war wirklich schlecht. Nun gab es nur eins, was sie tun konnte - und darauf hatte Fräulein Ungeduld überhaupt keine Lust: sie musste mit den kleineren Geschwistern Plätzchen backen. So sah die Mutter, dass Lilian wieder gut mit den Geschwistern war und auch keine Zeit hatte, die Ausrüstung auszubessern. Gesagt, getan. Sie rief ihre jüngeren Geschwister und die Küche und gab sich alle Mühe, gute Miene zu machen und nicht mehr mit den Geschwistern zu zanken.

Die Mutter lächelte leise in sich hinein und freute sich darüber, dass Lilian sich wieder mit den Kleinen vertrug. Sie hatte Lilian nur deshalb die Aufgabe mit der Ausrüstung gegeben, weil sie mitbekommen hatte, dass Lilian die Ausrüstung in die Schule gebracht hatte. Sie wusste zwar noch nicht, was Lilian damit wollte, war sich aber sicher, dass sie es ihr sagen würde, wenn die Zeit reif war. Lilian war zwar sehr hitzköpfig und "völlig durchgeknallt", wie sie selber immer von sich behauptete, aber sie war auch ein vernüftiger Mensch und hatte ihre Geschwister lieb. Schade, die Mutter hatte gehofft, Lilian würde ihr sagen, warum die gesamte Ausrüstung in der Schule war, aber die Zeit würde schon noch kommen.

Am Abend duftete das ganze Hause nach Plätzchen und die Kleinen waren sehr stolz und vergnügt über ihr Werk. Auch Lilian hatte sich wieder gefangen und so ging sie zuversichtlicher zu Bett und freute sich darauf, am nächsten Tag Jake wieder zu sehen.

Gestern Abend hatten Christa und die beiden Geschwister noch lange die Köpfe zusammengesteckt und beraten, wie sie den Eltern Weihnachten wieder näher bringen könnten. Die Ideen gingen von Besuchen auf dem Weihnachtsmarkt über heimlich einen Baum schmücken und aufstellen bis zu Besuch der Geschichtennacht in der Schule kurz vor Heilig Abend. Aber Christa befürchtete schon, dass diese Ideen eher ein schöner Zeitvertreib für Emilia und Taylor waren, als dass sie die Eltern wieder für Weihnachten erwärmen ließ. Ihr Problem war ja nicht Weihnachten, sondern der Verlust der Großmutter, der die beiden so sehr schmerzte und auch den Kindern sehr weh tat. Also sollte es auch etwas mit der Großmutter zu tun haben. Am schönsten wäre es, wenn man die Großmutter wieder zurück zur Familie holen konnte. Das ging aber leider nicht. Aber man konnte ihre Geschichten über die Weihnachtszeit zurück holen. Und damit das Vorhaben auch einen angemessenen Rahmen haben würde, sollte die Geschichte aufgeführt werden.

Alle drei Kinder - Elfe wie Menschen - waren begeistert von dem Vorschlag! In ihrer Fantasie probierten sie bereits Kostüme an und sagten Dialoge auf, warfen Hände voll imaginärem Schnee in die Luft und ließen ihrer Freude freien Lauf.

Doch welche Geschichte sollte es sein, fragten sich die drei. Vom Weihnachtsmann konnte sie nicht handeln. Keiner von ihnen war groß und dick genug, um die Rolle auszufüllen. Rentiere hatten sie ebenfalls nicht. Also auch keine Geschichte, in der Rentiere vorkommen. Aber eine Geschichte über Elfen, die konnten sie spielen. Alle drei waren klein und flink und fleißig wie die Elfen. Da musste sich doch was machen lassen.

Auch heute Abend würden sie wieder lange zusammen sitzen und darüber reden, wie ihr Vorhaben am besten umzusetzen sein. Fest stand eines jedoch in jedem Fall: Wenn es glückt, den Geist der Großmutter mit dem Geist der Weihnacht zu vereinen, dann würde es auch in der Zukunft wieder fröhliche Weihnachten im Hause von Emilia und Taylor geben.

Die Dämmerung war noch lange fern, die Bevölkerung lag noch in tiefem Schlaf, würde sich erst in ein paar Stunden auf den Weg zur Arbeit machen. Die Straßen waren wie leer gefegt, nur der Wind tobte über sie hinweg und die Schneeflocken tanzten ihr anmutiges Quartett im Strahle des Mondes, ehe sie sich zu Boden begaben und die Fußspuren des Vortags austilgten. Abgesehen davon bewegten auch die Zweige der wenigen Tannen, welche die Beanstandung der Adligen überstanden hatten, sich beschwingt im Takt. So bemerkte niemand die drei geduckten Gestalten, welche sich eng an die Häuserfassaden gedrückt hielten.

Tristian und Arun schauten sich um. Wohin konnte Einar nur verschwunden sein und wer hatte ihn entführt? Beide hatten, im Gegensatz zu Tjara und Siridian, den dunklen Schatten gesehen, der bei der Entführung von Einar zurückgeblieben war. Und nun hatten sie einen ganz einfachen Elfentrick angewendet, den die Elfen schon in der ersten Klasse der Elfenschule lernten: sie hatten sich unsichtbar gemacht. Damit waren sie von einem Augenblick auf den Anderen verschwunden und niemand - nicht einmal andere Elfen oder der Weihnachtsmann - konnten sie somit noch sehen. Das das Tjara und Siridian aus der Fassung bringen würde, hatten sie nicht bedacht. Aber nun galt es erstmal, die Spur des dunklen Schattens aufzunehmen und Einar wieder zu befreien. Doch wo sollten sie beginnen mit ihrer Suche. Die Spuren im Schnee ließen keinen Schluss auf die Richtung, in die Einar verschleppt wurde, zu.

Niclas ging heute nicht zu dem Treffen der Freunde. Er hatte heute eine ganz besondere Idee, die er mit Monika, seiner besten Freundin, umsetzen wollte. Darüber wollte er aber ohne die anderen in Ruhe nachdenken. Monika, die immer geradeaus war und nie ein Blatt vor den Mund nahm, war für das Vorhaben vielleicht nicht ganz geeignet. Aber zumindest konnte sie Niclas den Rücken freihalten und ihm Mut zusprechen. Niclas' Vorhaben für den heutigen Abend war nämlich ein wenig heikel - er wollte dem Weihnachtsmann einen Brief schreiben und dazu brauchte er Monikas Unterstützung. Außer seinen Wunschzetteln hatte er nämlich noch nie an den Weihnachtsmann geschrieben und langsam kam ihm seine Idee immer ungeheuerlicher vor.

Monika jedoch war guter Dinge und hatte viele Vorschläge - einer abenteuerlicher als der andere - die sie einbringen wollte. Niclas jedoch war nicht ganz so forsch und so fiel der Brief etwas höflicher aus.

Lieber Weihnachtsmann,

wie du sicher weißt, soll unsere Schule geschlossen werden. Aus diesem Grund haben sich fünf Schüler der Schule zusammen gefunden, um dagegen zu anzukämpfen. Gerade die jüngeren Schüler brauchen die Schule dringend, da sie sonst täglich einen sehr weiten Weg zurücklegen müssten.

Wir möchten dich bitten, uns bei der Rettung der Schule zu unterstützen. Um unserer Bitte Nachdruck zu verleihen, haben wir beschlossen, dich am Nordpol zu besuchen und alles persönlich vorzutragen. Bitte lass zu, dass wir die Weihnachtsstadt sehen können, sobald wir in der Nähe sind. Alles andere schaffen wir dann schon. Der Flug ist schon gebucht.

Es grüßt dich dein Freund Niclas!

 

Monika war von dem Brief nicht sehr begeistert. Sie wollte den Weihnachtsmann lieber zu konkreten Taten auffordern. Aber Niclas blieb stark und erklärte ihr, dass der Weihnachtsmann seine eigenen Mittel und Wege nutzen würde, wenn er ihnen helfen wollte. Dem Weihnachtsmann konnte man schließlich nur Wünsche vortragen und nicht befehlen. Letztendlich musste auch Monika zugeben, dass der Brief von Niclas die bessere Wahl war und so machten sie sich einträchtig auf den Weg, um den Brief zu Post zu bringen. Den anderen Freunden würden sie dann später berichten, dass sie dem Weihnachtsmann ihre Ankunft angekündigt haben.

8. Dezember - Wie eine Weihnachtselfe geboren wird

Christa schrieb und schrieb die ganze Nacht. Sie schrieb über ihre Elfenfamilie in der Weihnachtsstadt und darüber, wie ein neuer Weihnachtself geboren wird. Immer dann, wenn ein Kind zum ersten Mal sagt "Ich glaube an den Weihnachtsmann!", erblickt eine Elfe das Licht der Welt. Dann schwebt eine kleine Schneeflocke aus den Wolken und wird dicker und dicker, größer und größer bis sie so groß wie ein kleines Elfenkind ist. Die Liebe, mit der das Kind an den Weihnachtsmann denkt, haucht der Elfe dann ihr Leben ein. So hat jede Elfe ihr "eigenes" Kind, dem sie ihr Leben verdankt.

Als sie endlich fertig war, ist es draußen schon wieder hell und ein neuer Tag in der Schule wartet auf Christa. Erschöpft und sehr zufrieden ging sie mit Emilia und Taylor in die Schule. Dort angekommen reichte Chrtista gleich ihre Geschichte für den Wettbewerb ein. Danach ging es weiter mit Mathe. Was für merkwürdige Unterrichtsfächer die Menschen doch hatten. Christa hatte bislang hauptsächlich Erdkunde, Elfenkunde, Weihnachts- und Wichtelunterricht und Werken gehabt. Aber gut, sicher war auch Mathe für irgendetwas nützlich.

Einige Tage vor Heilig Abend wird es in der Schule eine Weihnachtsnacht geben, in der alle Schüler in der Schule übernachten und die eingereichten Geschichten vorgelesen werden. Christa freut sich schon sehr auf diese Nacht, die Späße und das Getuschel in der Dunkelheit. Aber natürlich hoffte sie auch, etwas über ihre Rückkehrmöglichkeiten zu erfahren. Wenn Sie doch nur besser in der Schule aufgepasst hätte.

Bis zum Abend in der Schule wollte sie sich nun um die Eltern von Emilia und Taylor kümmern. Sie hoffte so sehr, ihnen Weihnachten wieder näher zu bringen.

Als Angus endlich wieder zu sich kam, war er steif vor Kälte. Es war mitten in der Nacht und keiner hatte ihm eine Decke oder etwas zu Essen gebrachte. Ihm knurrte der Magen und brummte der Schädel. Doch wo genau war er eigentlich? Durch das Gitter über ihm konnte er nur den Mond sehen. Das gab nicht besonders viel Aufschluss über seinen Verbleib. Also sprang er nach oben, bekam mit den Händen die Gitter zu fassen uns zog sich, soweit es möglich war, hoch und schielte durch die Stäbe. Da war ein großes - natürlich weißes - Haus und soweit er sehen konnte, ein weißer Zaun. Mehr ließ sich aus seiner misslichen Position heraus nicht erkennen.

Da es gestern zu spät geworden war, um sich an den Abstieg zu wagen, ohne von der hereinbrechenden Dunkelheit überrascht zu werden, machten sie sich erst am späten Vormittag auf den Weg zurück. Genächtigt haben sie in einer abgelegenen Höhle weiter oben im Gebirge, um jeden Eindringling rechtzeitig zu erblicken und gewarnt zu sein. Deshalb schoben die drei Erwachsenen abwechselnd Wachdienst, Tristian und Arun konnten sie damit nicht beauftragen. Der flüchtige Blick war Siridean noch zu gegenwärtig, als dass er die beiden über deren Sicherheit hätte wachen lassen. Die ganze Wachschicht über hatte er versucht, aus dem Blickwechsel schlau zu werden. Und lag auf dem Gesicht der beiden Elfen eine gewisse Unmut, als sie die zerstörten Maschinen gesichtet hatten, oder hatte er sich das bloß eingebildet?

Gestern Abend war Jake nach Hause gekommen und war gleich mit seiner Mutter zusammengestoßen. Sie war sehr böse auf ihn, dass er jeden Abend weg war. Also musste Jake, damit er nicht weiteres Aufsehen erregte, ein paar Tage zu Hause bleiben und darauf vertrauen, dass die Anderen die Vorbereitungen auf die Expedition allein vorantrieben. Aber ein Punkt stand ja noch auf seiner Liste: er musste die Flüge zum Nordpol buchen. Für die Hinreise hatten alle ihre Sparschweine geplündert und zusammengelegt. Für eine Reise würde das Geld reichen. Für die Rückreise gab es noch keine Lösung. Trotzdem wollten sich die Freunde auf den Weg machen und die Expedition wagen. Für die Rückreise würde sich dann schon eine Möglichkeit auftun, an die sie heute vielleicht noch nicht dachten.

Die Luft anhaltend lauschte Jake nach nebenan, wo seine Eltern im Bett lagen und hoffentlich schon schliefen. Nichts zu hören. Gut, dann konnte er jetzt seinen Rechner hochfahren und im Internet die Tickets buchen. Das hatte er sich vorher nicht getraut, weil seine Mutter immer wieder in das Zimmer gekommen ist und sein Vorhaben entdecken könnte. Wo war noch gleich die Airline? Aha, da war sie ja und der Flug sollte bis kurz vor den Nordpol gehen. Das sie so nah an der Weihnachtsstadt landen konnten, hatten sie vorher nicht erwartet. Trotzdem gab es noch einen recht langen Weg zum Weihnachtsmann und einige Nächte würden sie wohl in ihren Zelten verbringen müssen. An der Stelle machten sie sich nicht viel vor: ein Vorwärtskommen am Nordpol war sicher nicht einfach und würde viel mehr Zeit in Anspruch nehmen, als hier auf asphaltierten Straßen und gepflasterten Gehwegen. Aber dafür war es ja auch ein Abenteuer, auf das sich die Kinder begeben wollten.

Als die Tickets gebucht und bezahlt waren, war Jake schon viel wohler und es fiel ihm ein Stein vom Herzen. Morgen würde er den anderen berichten können, dass der Flug klar ging. Dann wollte er auch seine Sachen, die er noch so mit zum Nordpol mitnehmen wollte, zusammen packen. Auf keinen Fall durfte aber sein neues Messer, welches er vom Nikolaus bekommen hatte, fehlen. Das Messer, dass er vom Nikolaus bekommen hatte....? Langsam fing er an, an Weihnachten und seine Wunder zu glauben. Letztes Jahr noch hätte er angenommen, dass das Messer von seinen Eltern gewesen wäre....

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7. Dezember - Der erste Schultag

 

Als Christa dann durch ein nervtötendes Piepen aus dem Schlaf gerissen wurde, rieb sie sich verschlafen die Augen und schaute auf die Uhr. Es war gerade mal 06:00 Uhr, dachte sie und legte sich zurück um weiter zu schlafen, aber da hatten ihr die Geschwister einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie erzählten ihr, noch total verschlafen, dass sie zur Schule gingen und wollten fragen ob Christa denn mitkommen wollen würde. Sofort Feuer und Flamme über die Tatsache, dass sie heute schon zur Schule gehen könnte, sagte sie wie aus der Pistole geschossen "Ja". Sie schlürften nacheinander ins Bad, wuschen und zogen sich an. Christa war als Erste fertig und aß zum Frühstück eine?, zwei?, Nein, drei Mandarinen! Emilia und Taylor packten noch ihre Taschen bevor sie dann gut gelaunt zum Bus liefen. Kaylie dürfe nicht mitkommen, erklärte Taylor, nachdem Christa ihn gefragt hatte warum sie denn nicht mitgekommen sei. Den restlichen Weg zum Bus überlegte sie, warum das so ist wie es ist, denn bei ihr durften die Hunde ja schließlich auch in die Schule. Knapp 10 Meter vor der Bushaltestelle rannten die beiden Geschwister los, zu den anderen Kindern die dort standen. Sie alle sahen ziemlich nett aus, dachte Christa, als sie sich ihnen näherte. Alle schauten sie mit großen Augen an, na gut fast alle. Ein paar Kinder kannte sie schon vom Spielplatz, Sebastian, Louisa, Kira und Johan zum Beispiel. Mit einem Lächeln stellte sich Christa den anderen vor. Die Geschwister schienen ziemlich stolz zu sein, dass sie eine Elfe kennen. Als der Bus dann kam setzte sie sich neben Emilia, schaute aus dem Fenster und sah Fensterläden voller Spielsachen, die festlich geschmückt waren, Tannenbäume voller Schnee und viele Menschen. In der Schule angekommen, liefen sie zu einer Tür mit der Aufschrift "6b". Sie waren also in der sechsten Klasse, Christa war gerademal in ihrem erstem Schuljahr. Gleich am Anfang sah sie die Liste zum Einschreiben für den Weihnachtsgeschichten-Wettbewerb. Voller Begeisterung schrieb sie sich ein. Heute Abend würde sie gleich weiter schreiben! Total gespannt was man so im Unterricht macht, setzte sie sich auf einen freien Platz. Die Stunde begann und Christa stellte sich noch einmal der Lehrerin vor. Gespannt lauschte sie und als der Unterricht dann endete, war sie total erschöpft. Sie wollte sich nur noch hinlegen und schlafen. Aber da sie sich geschworen hatte an der Geschichte weiter zu schreiben, setzte sie sich hin und schrieb weiter. Abends 19:00 Uhr ging sie dann total müde ins Bett und fiel in einen traumlosen Schlaf, aber natürlich erst nachdem sie allen gute Nacht gewünscht hatte.

Das Albion nicht die Umstände des Landes, so wie er sie darlegte, übertrieben sowie verquert hatte und seine Schilderungen voll und ganz zutrafen, dass dieser ihm die Tragweite der Situationen nicht einmal in voller Gänze offenbart und ihm anstatt ein X für ein U zu verkaufen, es genau anders herum gehandhabt hatte, sollte er bereits am frühen Vormittag des heutigen Tages in seiner gesamten Bedeutsamkeit bemerken.

Ganz früh am Morgen, noch bevor alle Elfen aufgestanden waren, machten sich Siridean, Einar und Tjara auf den Weg zum Mondberg. Im Schlepptau hatten sie Tristian und Arun, die nicht sonderlich begeistert dreinblickten. Aber diese miesepetrigen Gesichter war man in letzter Zeit ja fast schon gewohnt. Zunächst liefen sie den Spuren des Schlittens nach, die sie gestern entdeckt hatten. Danach wurde es etwas mühseliger, da sie sich durch den Wald und den tiefen Schnee kämpfen mussten. Einige Stunden später, in denen sich auch die Gesichter der anderen Elfen etwas verfinstert hatten, standen sie alle am Fuße des Mondberges. Selbst am Tag waren die Schatten so tief, dass man kaum ein paar Meter in den Wald mit dem dicken Dickicht schauen konnte. Den Elfen lief ein Schauer über den Rücken.

Heute nun wollten die fünf Freunde ihre Listen aufstellen, die alle Sachen enthalten sollte, für die jeder von sich aus sorgt. Die Diskussion um zu viel Gepäck war hitzig. Trotzdem bestand zum Beispiel Niclas darauf, sein Kaleidoskop, den er im Jahr zuvor vom Weihnachtsmann bekommen hatte, mitzunehmen. Aber was wollten die anderen schon dagegen tun? Schließlich musste er selber den Teddy ja neben der restlichen Ausrüstung tragen. Der eher zurückhaltende Eric würde nicht mehr so viele individuelle Sachen mitnehmen und konnte noch Ausrüstung tragen, die der Gruppe zugute kam.

Nach einigem Hin und Her war die Liste dann endlich fertig und enthielt solche Sachen wie warme Socken, Handschuhe, Mütze und Schal, Trinkbecher, Streichhölzer, Thermounterwäsche und Ohrenschützer. Jeder hatte sich zudem noch ein paar Sachen aufgeschrieben, die persönlicher Natur waren und die er gern dabei haben wollte - ein Ring, ein Teddy, ein Kaleidoskop usw. Also die Liste fertig war, flaute die ganze Aufregung langsam wieder ab und machte einer Vorfreude Platz, die die Augen der fünf Freunde glänzen ließ. Je mehr die Expedition Gestalt an nahm, um so größer wurde die Vorfreude und die Gewissheit, es schaffen zu können. Nun waren sich alle einig, an alles Notwendige gedacht zu haben und so wurde der Termin für den Start der Expedition auf den 13. Dezember gelegt. An diesem Tag hatten die 12. Klassen zwei Stunden Ausfall und könnten so den Flug, den sie sich herausgesucht hatten, erreichen. Jake würde heute Abend noch die Reise buchen. In der Zwischenzeit hieß es, sich unauffällig zu verhalten, denn ihren Eltern und Lehrern wollten die Kinder nichts von ihrem Abenteuer erzählen. Zu oft hatten sie in der letzten Zeit von den Erwachsenen gehört, dass irgendetwas, was die Kinder vorgeschlagen hatten, nicht funktioniert. Diesmal würden sie auf eigene Faust planen und durchführen, was sie für richtig hielten. Noch heute Abend wollten sie damit beginnen, ihre Sachen zusammen zu packen.

6. Dezember - Ein schöner Tag

Mit dem Gedanken, dass heute Nikolaus war, wachte Christa früh morgens um 05:00 Uhr auf. Viel zu früh nach ihres Empfinden! Aber wo sie schon einmal wach war, stand Christa schließlich auf. Sie quälte sich aus ihrem weichem Bettchen. Schnell schlich sie in die Küche um sich einen Keks zu stibitzen, aber Kaylie kam ihr schon zuvor. Schnell schaute Christa sich um und schlich dann zu Kaylie, die gerade an einem Schokoladenkeks knabberte. Sie ließ sich neben das Huskymädchen fallen und nahm sich auch einen Keks aus der Dose. Genüsslich biss sie rein und schaute dann zu Kaylie. "Warum schon wach?" fragte die kleine Elfe neugierig. Aufgeregt aber ziemlich müde sagte sie, dass sie schauen wollte ob der Nikolaus schon da gewesen wäre! "Und stell dir vor!", fuhr sie fort, "Er war da und hatte die 2 Stiefel von Emilia und Taylor voll gefüllt! Nüsse, massenhaft Schokolade und Mandarinen hatte er rein gelegt! Außerdem hatte er mir einen Lolli dagelassen." Christa war froh das Kaylie sich so freute und noch viel mehr darübe,r dass dadurch etwas Weihnachtsstimmung aufkam. Die beiden naschten noch eine Weile, bis sie sich dann auf Emilia und Taylor stürzten, die aus ihrem Schlaf aufschreckten. "Kommt, los kommt doch endlich, ich will euch was zeigen", sagte Kaylie immer wieder. Sie zerrte die beiden förmlich aus ihrem Bett und schließlich aus ihrem Schlafzimmer. Belustigt darüber und mit einem großen Grinsen verfolgte Christa das Geschehen. Als die beiden dann vor den prall gefüllten Stiefeln stehen blieben, machten sie große Augen und lächelten. Nachdem sie sich alles angeschaut hatten, machten sie den Vorschlag raus zu gehen und einen Schneemann zu bauen. Dabei blieb es natürlich nicht, sie wälzten sich im Schnee, machten Schneeengel und Schneeballschlachten. Ein richtig schöner Tag wenn man das genau bedachte. Sie backten Nachmittags noch massenhaft Plätzchen und feierten den 2. Advent fröhlich. Christa dachte sich Abends im Bett, dass sie es noch schaffen würde einen Weihnachtsbaum und den Schmuck zurück ins Haus zu holen. Mit diesem Gedanken und einem Lächeln im Gesicht schlief die kleine Elfe in dem weichen Bett ein.

Das Licht schien durch das kleine Fenster der Dachgaupe und warf einen fächerförmigen Schein, welcher kurz vor dem kleinen, fein gearbeiteten Bett endete und somit den sich im Schlaf windenden Angus nicht aufweckte, auf die Dielen des dunklen Eichenholzes. Seine haselnussbraunen Haare fielen ihm ins Gesicht, wodurch er viel verletzlicher und jünger wirkte.

Der einzige Lichtblick an diesem Tag war, dass die Werkzeuge zum Herstellen nicht gestohlen wurden. So konnten sich immerhin ein paar Elfen an ihr Tagewerk machen und weitere Geschenke fertigstellen. Man hatte über die Nacht Wachen aufgestellt, welche sicherstellten, dass nicht mehr notwendige Sachen entwendet werden. Und das funktionierte auch ganz gut soweit, schließlich waren alle restlichen Hilfsmittel aus der Werkstadt noch an ihrem Platz. Das konnte man aber nicht von all dem behaupten, was zu entwenden Wert ist. Denn wenn es eine Sache gab, die dem Ganzen die Krone aufsetzte, dann war es diese. Das Gewand des Weihnachtsmannes war gestohlen worden. Elfen rannten schreiend umher, auf der Suche nach den verschwundenen Anziehsachen. Nicht auszudenken, was diese Katastrophe nach sich ziehen würde! Schließlich wusste jeder von ihnen, dass der Weihnachtsmann ohne seinen Mantel anfangen würde zu altern, wie jeder andere Normalsterbliche. Und das hieß es unter allen Umständen zu verhindern! Was würde sonst aus Weihnachten werden?

Da die Freunde sich an Nikolaus nicht getroffen hatten, gab es heute wieder viel zu bereden. Zum Beispiel, wann die Reise endlich beginnen sollte und was bis dahin noch vorzubereiten war. Nachdem Jake gestern Flüge zum Nordpol entdeckt hatte, war klar, dass sie mit dem Flugzeug reisen würden - soweit es eben ging. Allen war klar, dass sie danach noch eine weite Strecke zurück zu legen hatten. Durch tiefen Schnee zu waten war schwierig und so sollte Niclas dafür sorgen, dass für alle Schneeschuhe bereit standen, die sie im Fall eines Falles benutzen konnten. Niclas hatte auch schon eine Idee, wie er da dran kommen sollte. Seine Vater hatte eine Schreinerwerkstatt und er war sehr geschickt im Bearbeiten von Holz. Die Schneeschuhe würde er also selber machen und auf diese Aufgabe freute  er sich schon. Dazu würden sie Stöcke gerauen, die sie sich von ihren Ski-Ausrüstungen mitnehmen wollten. Wie aber sollte der Proviant aussehen? Niclas war der Meinung, dass zu einer Expedition zum Nordpol vor allem Lebkuchen mitgenommen werden sollten, weil sie der Weihnachtszeit am nähsten waren und schließlich musste man sich den Weihnachtsmann ja schon im Vorfeld gewogen machen. Wer weiß, ob er sonst zulassen würde, dass die Kinder die Weihnachtsstadt überhaupt sehen konnten. Niclas hatte den Freunden eine Legende erzählt, derzufolge die Weihnachtsstadt nur durch ein spezielles Fernrohr zu sehen sei. Das gab weitere Rätsel auf. Was für ein Fernrohr war das und wie sollten sie es sich beschaffen? An dieser Nuss würden sie wohl noch zu knabbern haben. Aber zunächst waren die Schlafsäcke und Zelte von viel größerem Interesse. Schließlich wollten sie unterwegs nicht erfrieren. Lilian hatte sich endlich zusammen genommen und die restlichen Ausrüstungsteile mitgebracht. Auch für Monika und Niclas hatte sie Schlafsäcke und Zelte dabei und die beiden freuten sich sehr darüber. Nun waren also alle Taschenlampen, die Batterien, Zelte und Schlafsäcke zusammen. Es fehlten in jedem Fall noch outdoor-fähige Rucksäcke, Proviant, Kartenmaterial vom Nordpol und Kleinigkeiten wie Kocher, Streichhölzer, Schneeanzüge, Schutzbrillen und vieles mehr. Für den morgigen Tag wurde verabredet, eine Liste mit den Gegenständen zu machen, die die Kinder noch brauchen würden und für die jeder selber verantwortlich war. Für heute hatten die fünf Freunde genug ausgeheckt. Sie verstauten ihre Ausrüstung in einem leeren Spind und verabredeten sich für den nächsten Tag wieder. Niclas und Monika verließen als erste die Schule, Jake und Lilian folgten ihnen kurz danach. Zum Schluß verließ Eric die Schule. Bislang hatte er noch nicht viel gesagt oder getan. Aber seine Zeit würde kommen.

5. Dezember - Eine traurige Geschichte

Nachdem Christa nach Tagen wieder in einem warmen, weichen Bett geschlafen hatte, fühlte sie sich ausgeruht und voller Tatendrang.

Nach dem Frühstück ging sie mit Emilia, Taylor und Kaylie nach draußen, um sich mit den anderen Kindern auf dem Spielplatz zu treffen. Eine ganze Weile fuhren sie Schlitten und bauten einen Schneemann, bis es Christa nicht mehr aushielt. Sie fragte Emilia und Taylor, warum bei Ihnen das Haus nicht festlich geschückt sei und keine Weihnachtsstimmung aufkommt. Traurig sahen die beiden sie an. "Letztes Jahr ist unsere Oma gestorben. Sie war lange Zeit krank und haben alle sehr an ihr gehangen!", sagte Emilia traurig. "Früher war Weihnachten ein ausgelassenes und fröhliches Fest. Oma hat sich immer neue Geschichten ausgedacht und wußte viel über den Weihnachtsmann zu berichten.", fügte Taylor hinzu. Aber der Verlusst der Oma habe Mama und Papa sehr betrübt und da Oma in der Weihnachtszeit gestorben war, will dieses Jahr niemand so richtig den Schmuck herausholen und fröhlich sein. Das verstand Christa natürlich. Aber für sie hing viel davon ab, dass sie die alten Geschichten der Großmutter hören konnte. Die konnten allerdings auch die Eltern oder die Kinder erzählen. Sicher war in einer Geschichte ein Hinweis darauf, wie eine kleine, ausgesperrte Elfe wieder nach Hause finden konnte.

Taylor, noch immer in Gedanken bei seiner Oma und den vergangenen Weihnachtsfesten, erzählte Christa, dass - wie alle Jahre - in der Schule ein Weihnachtsgeschichten-Wettstreit stattfinden würde. Aber weder Emilia, noch Taylor, hatten sich angemeldet. Wie sollte Christa nun erfahren, welche Geschichten die Großmutter über den Weihnachtsmann erzählt hatte? Nun, zunächst, so beschloss Christa, würde sie selber an dem Wettstreit teilnehmen. Schließlich hatte sie genug zu erzählen - und zwar aus erster Hand. Aber wie konnte sie Emilia und Taylor das Weihnachtsfest wieder näherbringen und ihren Eltern wieder die Herzen für das Fest der Liebe öffnen? Darüber würde sie in jedem Fall noch nachdenken müssen. Vorläufig konnte sie nur an ihren Geschichten arbeiten und gleich heute Abend würde Christa eine Geschichte Taylor und Emilia erzählen.

Auch wenn der Werkstattschlüssel kalt gegen ihre kleine Brust drückte, so war sie doch zuversichtlich, ihn bald wieder in das Schloss der Werkstatt stecken zu können.

Als Angus die Augen aufschlug, war es noch dunkle Nacht. Jedoch hatte er so gefroren, dass er es auf seinem kahlen Lager nicht länger ausgehalten hatte und aufgestanden war. Er entfachte ein kleines Feuer und brachte darüber Schnee zum Schmelzen. Ein heißer Tee würde ihm jetzt gut tun. Während er darauf wartete, dass das Wasser kochte, dachte er noch einmal darüber nach, was die Elfen ihm gestern erzählt haben. Da er das nicht glauben konnte, würde er sich wohl ein Bild in der Stadt machen müssen. Fast hätte er über seinen Grübeleien das Teewasser vergessen. Nun aber schnell einen kräftigen Schluck, alles zusammen gepackt und dann los!

Endlich war Nachtruhe und alle Elfen schliefen. Siridean saß noch in seinem kleinen Kämmerchen und erledigte den Schreibkram von Tage, als er durch den Augenwinkel eine Bewegung auf dem Hof sah, die seine Aufmerksamkeit erregte. Langsam trat er an das Fester und sah hinüber zu den Ställen der Rentiere. Da war jedoch weit und breit niemand zu sehen. Sollte sich etwa jemand in die Ställe geschlichen haben und die Rentiere verletzen. Die hatten in den letzten Tagen doch genug durchgestanden und eine Besserung ihrer Krankheit war noch nicht in Sicht. Aber vermutlich hatte er sich geirrt und es war nur eine Schneeflocke, die er aus den Augenwinkeln gesehen hatte. Welcher Elf würde schon den Rentieren schaden wollen? Müde fragte er sich, wann er angefangen hatte, so misstrauisch zu werden. So was hatte es doch früher unter den Elfen nicht gegeben.

Entnervt schlug ich mir das Kissen über den Kopf, drehte mich mal hier, mal dort hin und versuchte den nervtötenden Ton meines Weckers zu ignorieren, jedenfalls bis mir einfiel, dass meine Mom nicht aufwachen durfte. Schnell wie ein Ninja, jedenfalls kam es mir in meinem schlaftrunkenen Zustand so vor, sprang ich aus meinem Bett und schaltete den noch immer piependen Wecker aus. Einen kurzen Moment hielt ich den Atem an und lauschte, ob meine Mom von dem Lärm aufgeweckt wurde. Erleichtert kniete ich mich auf den Boden, sie atmete gleichmäßig ein und aus, und holte ein kleines Beutelchen unter meinem Eschefarbenem Bett hervor. Darin war ein Schokorentier sowie ein Bild von ihr und mir, welches während unserem letzten Urlaub entstanden war. Heute war Nikolaus. Noch etwas benommen schlich ich mich die Treppe hinunter, am Wohnzimmer vorbei, zu der Garderobe. Als erstes fiel mein Blick auf die schwarzen Turnschuh, welche bis zum Rand gefüllt waren, es sind meine. Daneben standen die geradezu grotesk klein wirkenden Schuhe meiner Mom. Dorthinein legte ich das kleine Beutelchen. Ich haderte kurz mit mir, nahm dann jedoch meinen Schuh mit hoch, um alles zu verstauen. Langsam ging ich wieder die Treppe hoch, machte die Tür hinter mir zu und ließ mich mitsamt den Sachen ins Bett fallen. Träge hob ich den Blick und schaute auf die Uhr, ein Stöhnen drang aus meiner Kehle. Es war 4:37 Uhr. Ein Stechen an der Seite bewegte mich dann doch dazu, mich in eine gerade Sitzposition zu stemmen. Kurz tastete ich nach dem Gegenstand, um verwirrt festzustellen, dass ich ein Taschenmesser in der Hand hielt. Ich zog die Augenbrauen zusammen, ein Taschenmesser zum Nikolaus zu bekommen war etwas eigenartig. Stumm musterte ich es, eine feine Maserung zierte den Griff und die Klinge war aus feinstem Stahl. Es musste sehr teuer gewesen sein, außerdem hatte ich noch nie ein solches Symbol gesehen, welches ins Heft eingraviert war. Um es eingehender zu betrachten war ich jedoch zu müde und war binnen ein paar Minuten wieder eingeschlafen. Als mein Wecker das nächste mal klingelte war es 10 Uhr. Durch den Lehrermangel wurde der ganzen Schule frei gegeben. Natürlich war das Messer schon wieder vergessen, ich musste dringend aufs Klo. Danach zog ich mich an, kämmte die wirr abstehenden Haare, putzte Zähne und ging anschließend in die Küche um mir meinen wohlverdienten Kaffee zu holen. Mit meinem unglaublich gut riechenden Kaffee in der Hand ging ich ins Wohnzimmer, fläzte mich auf die Couch und fuhr meinen Laptop hoch. Während er hoch fuhr ging ich nochmal in die Küche, um mir ein Käsebrot zu schmieren, der Hunger hatte sich gemeldet. Als ich zurück kam blickte mir mein Desktop-Bildschirm entgegen. Rasch öffnete ich einen Internetbrowser, bis zum nächsten Treffen sollte jeder einen billigen Weg finden, zum Nordpol zu gelangen. Nach einer Stunde suchen fand ich einen sehr preiswerten Flug, der für alle zusammen dann doch zu teuer wäre. 7 Flüge müssten gebucht werden, für Lilian, Niclas, Monika, Eric und seine  Freundin Hannah, ihr kleiner Bruder Emanuel und mich. Ich seufzte. Wie sollten wir bloß alle ohne Aufsehen zu erregen abhauen können? Der restlich Tag ging mit vielen ungelösten Fragen und einem Anruf von Lilian zu Ende. Am Abend hatte meine Mom noch Plätzchen gebacken, aber das war auch schon das Aufregendste gewesen. Um 9 Uhr abends lag ich also wieder im Bett, wartete darauf dass ich einschlief und  machte mir, wie sollte es auch anders sein, Sorgen. Doch ohne es zu merken glitt ich in einen traumlosen Schlaf.

4. Dezember - Auf dem Spielplatz

Am nächsten Morgen wurden Christa und Kaylie von den ersten Sonnenstrahlen geweckt und zum ersten Mal, seitdem Christa die Weihnachtsstadt verlassen hatte, fühlt sie so etwas wie Zuversicht. Heute würde sie die Menschenkinder des kleinen Huskymädchens kennenlernen und vielleicht herausfinden, wie sie zurück in die Weihnachtsstadt gelangen kann.

Aber zunächst lag vor den beiden noch ein Stück des Weges in das kleine Dorf, in dem Kaylie wohnte. Schon von der Ferne konnten sie die schneebedeckten Dächer und den Rauch, der aus den Schornsteigen stieg, sehen. Als sie näher kamen, hörten sie die Stimmen und das Lachen von vielen Kindern. Ein letzter Hügel noch und sie standen vor einem kleinem Spielplatz am Rande des Dorfes. Sofort rannte Kaylie los. Sie hatte ihre Kinder gesehen und wollte nun schnellstmöglich zu ihnen. Sie hatte sie so vermisst! Was war das für eine Freude und ein Hallo, als die drei sich wiedersahen. Auch die anderen Kinder kamen hinzu und alle redeten aufgeregt durcheinander, so dass zunächst niemand Notiz von Christa nahm. Aber nach der ersten Begrüßung rannte Kaylie zurück zu Christa und ihre Kinder folgten ihr. Neugierig traten Emilia und Taylor zu dem Elfenmädchen und als Kaylie wieder und wieder an Christa hochsprang, wußten die beiden, dass sie eine Freundin war.

Nachdem sich alle begrüßt hatten, wurde Christa auch den anderen Kindern vorgestellt und sie erzählte die Geschichte, wie sie Kaylie gefunden hatte. Danach spielten alle noch eine Weile auf dem Spielplatz. Zur Abendsszeit ging Christa, die von Taylor und Emilia eingeladen worden war, mit zu deren Haus. Die Eltern der Kinder freuten sich über den Besuch und natürlich darüber, dass Kaylie wieder zurückgekommen war. Alle hatten das kleine Hundemädchen vermisst und dem Vater, der mit Kaylie geschimpft hatte, tat es längst leid, dass er sie angefahren hatte. Er drückte Kaylie an seine Brust und damit war alles wieder vergessen.

Christa schaute sich derweil im Haus der Familie um. Wie seltsam die Menschen doch wohnten. In der Weihnachtsstadt war alles viel bunter und überall brannten Kerzen und Lichter. Hier war davon nichts zu sehen. Mochten die Menschen Weihnachten etwa nicht? Traurig fragte Christa: "Wo ist euer Weihnachtsschmuck? Wo sind eure Tannenzweige und Kerzen? Feiert ihr kein Weihnachten?" Betreten schauten die Eltern weg und gingen an den großen Eßtisch der Familie. Leise folgten Taylor und Emilia. Hatte Christa etwa eine falsche Frage gestellt? Wie sollte sie hier herausfinden, wie sie zurück in die Weihnachtsstadt kam, wenn sie Weihnachten offensichtlich nicht feierten?

Ganz fest drückte Sie den Werktstattschlüssel in ihrer kleinen Hand und schlief voller Sorgen ein. Morgen würde sie herausfinden müssen, was es mit der Familie und Weihnachten auf sich hatte.

Der Abstieg war lang und beschwerlich - viel mehr, als er zunächst gedacht hatte. Kaum hatte er einen Fuß sicher auf dem kargen Fels platziert, rutschte er mit dem Anderen ab und konnte sich immer nur mit Mühe und Not halten. Als er endlich an einer etwas seichteren Stelle weit unten angekommen war, war er völlig erschöpft und verschwitzt. Angus machte eine kurze Pause und beobachtete das Dorf, auf das er einen guten Blick hatte. Abgesehen von einigen Männern und Frauen, die geschäftig hin und her liefen, war alles ruhig. Also kein Grund zur Besorgnis. Er würde kurz im Dorf vorbei schauen, sehen, ob er gegen Dienste ein Mittagessen verdienen konnte und sich weiter auf den Weg in die Stadt machen. Als er zwei Stunden später endlich dort war - der Abstieg hatte doch noch einige Zeit in Anspruch genommen - wurde er nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen.

Gleich am frühen Morgen berief er eine Geheimversammlung im engsten Rahmen der Polizei- Elfenwacht ein. Nur ausgewählte, vertrauenswürdige Elfen waren zu diesem Treffen eingeladen worden. Schließlich wollte Siridean sichergehen, dass ihr weiteres Vorgehen nicht an falsche Ohren dringt. Im Stillen war er sehr stolz auf seinen Einfall, da er doch noch nie eine Ermittlung geleitet hatte. Auch für seine anderen Mit- Elfen war es das erste Mal. Und genau das war der Knackpunkt der ganzen Sache, keiner wusste, was als nächstes zu tun war. Erst zu spät kam ihm der Gedanke, dass der Täter ein paar Spuren hinterlassen haben könnte, doch nun war es zu spät. Trotzdem machten sie sich als erstes auf den Weg zum zerstörten Schlitten, da man nie wissen konnte, ob nicht noch ein Überbleibsel zurückgeblieben war. So machten sich nun zehn Elfen sorgfältig auf die Suche, schauten in jeden entlegenen Winkel, damit ihnen ja nichts entging. Einer der wissenschaftlich geschulten Elfen machte sich daran, die sabotierte Kufe nach Fingerabdrücken oder dergleichen abzusuchen. Außerdem betrachtete er eingehend die Kerben der Einschlagstelle, um einen Hinweis auf die Tatwaffe zu erhalten.

Am Abend trafen sich die Freunde wieder in der Schule, um weiter an ihrem Plan zu feilen. Ohne entsprechende Vorbereitungen war nicht an eine Expedition zum Weihnachtsmann zu denken - dass war auch Lillian, Eric und Jake klar. Auch machte ihnen noch Sorge, dass der Rettungstrupp ziemlich klein war und im Notfall keiner so recht wusste, was eigentlich zu tun ist. Jake hatte all seine Taschenlampen und Batterien schon der Ausrüstung hinzu gefügt. Da Lillian, seine beste Freundin, mit ihren Eltern sehr oft zelten ging und in Outdoor-Dingen im Winter sehr erfahren war, sollte sie sich um die Schlafsäcke und das Zelt für die Freunde kümmern. Wie immer nahm sie die Dinge leicht und hatte die Ausrüstung noch nicht vollständig dabei. Aber das würde sie in den nächsten Tagen noch ändern. Eric, der Ruhigste der drei Freunde, war in der kleinen Gruppe zuständig für die Winterbekleidung. Da diese jedoch noch ein paar Tage warten konnte, saßen sie jetzt im Kreis und beratschlagten, wann es denn eigentlich losgehen sollte. Wie sie da so saßen und heftig diskutierten, hörten sie plötzlich ein lautes Poltern von draußen. Neugierig lehnten sie sich aus dem Fenster heraus und sahen unten auf dem Boden Niclas liegen. Er war auf eine Mülltonne geklettert und hatte die Freunde bei ihren Plänen belauscht. Bei ihm war Monika, seine beste Freundin. Beide gingen in die zweite Klasse und sollten um diese Zeit eigentlich schon zu Hause sein. Noch bevor einer der drei Freunde etwas sagen konnte, blies sich Monika wie ein Frosch auf und schimpfte los, dass sie nicht einfach zum Weihnachtsmann gehen können, ohne einen echten Weihnachtsmann-Spezialisten dabei zu haben und dass ihr Vorhaben sowieso aussichtslos sein, wenn die Freunde nicht Niclas mitnehmen. Und wo Niclas hingeht, da geht auch sie hin - dass das schon mal klar war! Das Lachen, in das Lilian, Eric und Jake ausgebrochen war, weil Niclas dort im Müll lag, erstarb auf ihren Lippen. Freilich - einen Weihnachtsmann-Spezialisten hatten sie noch nicht in ihrer Runde. Wer glaubte in der 12. Klasse schon an den Weihnachtsmann? Wenn sie ehrlich waren, glaubten sie zwar an die Wunder der Weihnachtszeit, aber nicht so richtig an den Weihnachtsmann. Also konnten sie durchaus noch jemanden brauchen, der unverbrüchlig an den Weihnachtsmann glaubte und sie so zu ihm führen konnte. Wenn es stimmte, dass die Weihnachtsstadt mit bloßem Auge nicht zu sehen war, dann würden sie jemanden brauchen, der die Augen eines Kindes hatte und Niclas war dafür geeignet. Da Monika seine beste Freundin war und ohnehin nicht nachgeben würde, sollte sie auch mit von der Partie sein. Die drei Freunde beratschlagten kurz und baten dann Niclas und Monika herein in ihre Runde. Damit hatte sich die Gruppe von drei auf fünf Freunde vergrößert. Da musste Lilian wohl noch ein paar Schlafsäcke mehr auftreiben und mitbringen. Wie gut, dass sie noch drei Geschwister hatte. So sollte das wohl kein Problem werden. An diesem Abend gingen alle zufrieden nach Hause. Nun würden sie das Weihnachtsdorf erkennen können, wenn sie erst am Nordpol sind. Das sie dort hinkommen, dafür mussten wohl die Großen sorgen. So hatte jeder seine Aufgabe und jeder würde bei den Vorbereitungen seinen Teil beitragen. Was alles vorbereitet werden musste, konnten die fünf Freunde freilich noch nicht wissen. in diese Aufgabe würden sie hineinwachsen müssen.

3. Dezember - Eine aufschlussreiche Begegnung

Mitten in der Nacht wachte Christa auf, aber nicht von alleine. Jemand hatte sie angestubst! Immer noch total müde und mit rot unterlaufenen Augen schaute sie sich um, bis ihr Blick auf einen kleinen Husky- Welpen fiel. Die Kleine schaute sie mit großen Teddybäraugen an, Christa räusperte sich kurz und fragte schließlich was das Huskymädchen um diese Uhrzeit noch draußen in der Kälte zu suchen habe. Sie winselte kurz und beichtete ihr schließlich, dass sie von Zuhause weggelaufen sei, da ihr Herrchen sie angeschrien hatte. Dabei hatte sie doch bloß einen blöden Weihnachtsbaum umgestoßen, erklärte sie Christa weiter. Ohne auf die Tatsache einzugehen, dass sie "blöden Weihnachtsbaum" gesagt hatte, fragte Christa aufgeregt und mit stark klopfenden Herzen weiter nach, ob denn Menschenkinder in dem Haus lebten, von wo sie abgehauen sei.  Dies bejahte sie mit leicht wedelntem Schwanz und verträumten Gesichtsausdruck. Als Christa die Erkenntnis überkam, fiel sie dem kleinen Hundemädchen schluchzend um den Hals. Sie konnte ihr Glück noch nicht fassen! Verdutzt schaute sie Christa an. Als die kleine Weihnachtselfe sich nach einiger Zeit wieder gefangen hatte, fragte sie schließlich, wie das kleine Huskymädchen denn hieße. Sie flüsterte ihr leise, aber mit etwas Stolz in der Stimme zu, dass ihr Name Kaylie lautete. Ihre Menschenkinder Emilia und Taylor hatten ihr den Namen gegeben, erklärte sie mit schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck und einer unfassbaren Trauer in den Augen. Christa flüsterte mit leiser und einfühlsamer Stimme, dass Kaylie ein wunderschöner Name sei, fragte aber gleich danach, ob sie denn ihre Familie sehr vermisse. Sachte nickte sie mit ihrem verwuscheltem Köpfchen. Kurz darauf beschloss Christa, dass Kaylie zu ihnen zurück gehen solle. Ohne auch nur auf eine Antwort zu warten, stand die sture Elfe auf und lief, ohne zu wissen wohin, los. Nach kurzem Zögern holte sie Christa ein. Christa fragte, wo denn das Haus liege, was Kaylie dann mit einem "ich habe keine Ahnung" beantwortete. Bestürzt schaute sie den kleinen Welpen an, der sich jedoch mit einem entschuldigendem Blick verteidigte. "Also gut" fuhr sie nach einigen Schritten fort, "liegt denn das Haus wenigstens hier in der Stadt?" Wie es das Schicksal so wollte, erklärte ihr Kaylie dann, dass es in einem Dorf ungefähr 7 Stunden von der Stadt liegt. Christa hohlte tief Luft und... schwieg. Die Sonne stand mittlerweile hoch oben und sante zarte Lichtstrahlen über die Dächer. Dann lass uns mal dein Haus finden gehen, dass kann ja schließlich nicht so schwer sein, sagte sie dann seufzend. Sie erzählten sich noch viel vom jeweiligen Leben. Sie fanden dann einen kleinen Unterschlupf und nach einenem unendlich langen Marsch und nach einer unendlich langen Zeit, wie sie fanden, fielen ihnen erschöpft die Augen zu. Die letzten Sonnenstrahlen fielen auf die Bäume und umhüllten sie mit einem weichen Rotton.

Von dem Schrei eines Albatrosse´s aufgeschreckt, erwachte Angus aus einem tiefen Schlaf. Mühsam streckte er seine steifen Glieder und hielt seine gefrorene Nase gen aufgehende Morgensonne und blinzelte die Müdigkeit weg. Einen Moment überlegt er, ob es sich nicht noch lohnen würde, ein wenig weiter zu schlafen, doch dann raffte er sich energisch auf und entfachte aus dem Heu seiner Schlafstätte ein kleines Feuer, worauf er einen Becher voll Glühwein erwärmte, damit sein Kreislauf langsam wieder in Fahrt kam.

Tjara und Siridean waren zuerst wieder in der Polizeistation. Leider war ihre Mission nicht von Erfolg gekrönt und sie hatten keine weiteren Spuren des mysteriösen Schattens, den Siridean vorgestern Abend wahrgenommen hatte, gefunden. Entsprechend zerknirscht saßen sie am Tisch und tranken Kakao, um sich ein wenig aufzuwärmen. Die Weihnachtssterne an den Fensterscheiben wehten leise im Wind, als die Tür auf ging und Thorin und Einar kamen herein. Aus ihren verwirrten Gesichtern war abzulesen, dass sie zwar eine Spur gefunden, jedoch nicht zuordnen konnten. Und so fragte Siridian die beiden gleich, ob die Schlitten-Elfen etwas bemerkt hatten. Und tatsächlich war einem der Elfen aufgefallen, dass der Schlüssel gegen 10.00 Uhr noch im Kasten hing und 10.30 Uhr verschwunden war. Er hatte angenommen, der Weihnachtsmann hätte noch beim Schlitten zu tun gehabt und hat sich nicht weiter darüber gewundert. Der Weihnachtsmann jedoch war nicht in der Garage gewesen. Das wussten die beidem vom Weihnachtsmann selbst und so blieb nur noch zu warten, bis die Polizei-Elfen, die den bommellosen Elfen  suchen wollten, zurück waren.

Der Wecker klingelte, ich stöhnte, drehte mich um und drückte mein Kissen auf die Ohren. Aber es half nichts, entnervt drückte ich die Schlummertaste und stand noch immer schlaftrunken auf. Taumelnd gelang ich ins Bad, um mich für die Schule fertig zu machen. Ich hatte schon einmal von Menschen gehört, welche aufwachten und fit wie ein Turnschuh waren, meine beste Freundin Lilian war so einer, was jedoch nicht hieß dass ich es verstand. Um wirklich wach zu werden drehte ich den Wasserhahn auf und spritzte mir eiskaltes Wasser ins Gesicht. Schon besser. Dann putzte ich mir meine Zähne und duschte noch schnell. Binnen 10 Minuten war ich wieder in meinem Zimmer und holte einen einfachen grauen Pulli sowie schwarze Jeans und Unterwäsche aus meinem Schrank. Nachdem ich angezogen war, ging ich schnell runter in die Küche. Jeder von uns musste Vorbereitungen für die Reise treffen. Ich war für den Proviant und Taschenlampen zuständig. Auf dem Weg runter zur Küche kam ich an einem Spiegel vorbei. Meine schwarzen Haare standen in alle möglich Richtungen ab, das störte mich aber herzlich wenig, schlimmer waren die schwarzen Augenringe. Schnell lief ich weiter. Als ich an der Garderobe vorbei kam, schnappte ich nach meinem alten Rucksack. In der Küche schnappte ich alles was mir in die Hände kam und stopfte es in den Rucksack, die Taschenlampen mit den dazugehörigen Batterien holte ich aus einer Schublade. Gerade als ich die Schritte meiner Mom auf den Treppenstufen hörte, war ich fertig. Zufrieden machte ich mich am Wasserkocher zu schaffen um Kaffee zu kochen. Einen Tag ohne Kaffee zu starten war fast einem Todesurteil gleichzustellen. Fast. Erstaunt blieb meine Mom mit zusammengezogen Augenbrauen im Türrahmen stehen. "Du heckst irgendetwas aus.", war ihre morgendlich Begrüßung. Tja, sie kannte mich zu gut, ich stand nie vor ihr auf, außer wenn ich etwas ausheckte. Mit der besten Unschuldsmiene gab ich ihr einen Kuss auf die Wange, drückte ihr eine Kaffeetasse in die Hand und schob mich an ihr durch die Tür vorbei, den Rucksack in meiner linken Hand. Verwundert schaute sie mir nach, sagte jedoch nichts mehr. Ich rannte schnell die Treppe wieder hoch und versteckte die Vorräte unter meinem Bett. Dann nahm ich meinen Schulrucksack, welcher an meiner Tür lehnte und rannte den Weg wieder herunter. Ich zog die schwarze Daunenjacke vom letzten Jahr an und hängte den schwarz-weiß karierten Schal um meinen Hals, außerdem setzte ich mir die blaue Mütze auf. Meine Mom schenkte ihn mir letztes Jahr, weil sie fand dass die Farbe meine Augen so gut betonte. Als ob ich nichts besseres zu tun gehabt hätte, aber ich will mich nicht beklagen. Sie meinte es bloß gut. "Bis nachher", rief ich zum Abschied. Moms Antwort kam aus dem Bad:"Viel Spaß in der Schule. Hab dich lieb Jake." Da ich heute mehr Zeit hatte um zum Bus zu gelangen, konnte ich noch etwas nachdenken. Was sollten wir bloß unseren Eltern sagen? Am besten nichts, obwohl es sicher schlecht aussehen würde, wenn auf einmal 5 Kinder am nächsten Morgen nicht mehr in ihren Betten liegen würden. Das wir zum Weihnachtsmann fahren würden, konnte ich noch immer nicht recht fassen! Der Weihnachtsmann, ich meine, welcher 18-jährige glaubte noch an den Weihnachtsmann? Aber was sollte ich sagen, drastische Zeiten verlangten drastische Maßnahmen. Ich wurde unsanft aus meinen Gedanken gerissen, da ich mich auf einmal auf dem Boden wieder fand, meine beste Freundin auf mir. Sie lachte. Ein leichtes Lächeln stahl sich auch auf meine Lippen, was mich aber nicht aufhielt lauthals zu fluchen. Lilian war immer so positiv, was ich von mir nicht immer behaupten konnte. Wir rappelten uns mühselig wieder auf und gingen zum Bus. Lilian hatte mal wieder viel zu erzählen, das liebte ich an ihr. Obwohl auch unter ihren Augen Schatten lagen, strahlte sie eine Lebensfreude aus, die unter normalen Umständen ansteckte. Der Schultag verging schnell, was natürlich daran lag dass so viele Lehrer fehlten. Eric erteilte mir noch die Aufgabe ein Kaleidoskop zu besorgen, Lilian gab mir zum Abschied ein Kuss auf die Wange und ich ging zurück nach Hause. Ein ganz normaler Tag, wenn man von der freudigen Erwartung absah. Wie wir alle zum Nordpol gelangen sollten, war wir mir ein Rätsel. Außerdem hatte ich keine Ahnung, wofür das Kaleidoskop gut sein sollte, aber ich zweifelte nicht an Erics Worten. Deshalb befand ich mich diesen Nachmittag in der Scheune und suchte nach Opas altem Exemplar. Schweißüberströmt fand ich es letztendlich in der hintersten Kiste, in der dunkelsten Ecke der Scheune. So ein Glück hatte nur ich. "Sarkasmus" *husst*. Naja, am Abend, als ich mit den Hausaufgaben fertig war, aß ich mit Mom Spaghetti zum Abendbrot. Mit einem Kuss auf die Wange ging ich dann ins Bett. Es dauerte nicht lange und ich war ins Land der Träume abgedriftet.

2. Dezember - Der Weg in die Stadt

Als Christa am nächsten Morgen aufwachte, war ihr sehr elend zumute und auch ein wenig kalt. Traurig schaute sie auf den Schlüssel in ihrer kleinen Hand und fragte sich, ob Kimball und die anderen Elfen schon sein Fehlen bemerkt hatten. Seines und das von Christa auch... Ohne den Schlüssel konnten die Elfen ihre Arbeit in der Werkstatt nicht fortsetzen und Christa sah keinen Weg, wie sie zurück in die Weihnachtsstadt kommen sollte. Natürlich hätte sie versuchen können, ihren Spuren zurück zu folgen. Aber sie wußte, dass sie in dieser Richtung die Grenze zur Weihnachtsstadt nicht durchschreiten konnte.

Leise weinend und mit schwerem Herzen machte sich Christa auf den Weg, um eine meschliche Behausung zu suchen. Wenn sie nicht wußte, wie man zurück zum Weihnachtsmann kommen konnte, so wußte es vielleicht ein Menschenkind. Hätte sie doch besser in der Schule aufgepasst!

Christa lief Stunde um Stund durch den tief verschneiten Wald und hatte manchmal das Gefühl, nie wieder etwas anderes als Bäume vor sich zu sehen, als plötzlich ein Rentier vor ihr über eine kleine Lichtung lief. Rentiere in der Wildnis hatte Christa natürlich noch nie gesehen. Aber konnten sie denn so anders sein als die vom Weihnachtsmann? Schnell rannte Christa los um das Rentier zu erreichen. Dieses jedoch hörte Christa und sprang zurück in den Wald. Nach wenigen Augenblicken was es im dichten Tann verschwunden und Christa konnte es niergends mehr entdecken. Denk nach, Christa, denk nach! Du hast doch gelernt, ein Rentier zu rufen!! Ja, stimmt. Ein Pfiff auf der Elfenpfeife! Schnell holte Christa die Kette mit der Pfeife, die um ihren Hals hing, unter dem Jäckchen hervor, blies einmal hinein und wartete. Nach einiger Zeit trat zöglerlich und zugleich neugierig das Rentier zurück auf die Lichtung. "Was war das?", fragte es. "Es fühlt sich an wie ein Lied aus einer längst vergessenen Zeit." Christa wäre am liebsten in Tränen ausgebrochen, als das Rentier zu ihr sprach. Es war also doch nicht so anders als die Rentiere vom Weihnachtsmann.

Unter lautem Schluchzen erzählte Christa dem Rentier, dass sich als Donner vorstellte, seine Geschichte und fragte ihn schließlich, ob er sie zu einer menschlichen Behausung bringen könnte. Donner tat das kleine Elfenmädchen leid und so lud er sie auf seinen Rücken. Kaum das sie saß, ging die wilde Reise auf dem Rücken des Rentiers los. Sprung um Sprung ging es durch den Wald und als sie endlich dessen Rand erreicht hatten, wurde es dunkel. In der Ferne konnte Christa viele kleine Lichter blitzen sehen. Das Rentier verabschiedete sich von Christa. Bis hier an den Rand des Waldes konnte er sie bringen. Näher traute er sich nicht an die Menschen heran. Von hier aus würde christa allein weiter gehen müssen. Sie umarmte das Rentier und bedankte sich, dicke Tränen in den Augen. Sie hatte Donner lieb und wollte nicht ohne ihn gehen. Aber sie verstand seine Angst und rief ihm noch ein letztes Lebwohl zu, bevor sie sich zur Stadt umdrehte, die nun wie ein Lichtermeer vor ihr lag. Morgen würde sie ins Tal gehen und Menschenkinder suchen, die ihr helfen konnten, zum Weihnachtsmann zurück zu kommen. Wieder legte sie sich schlafen und wieder starrte sie den Schlüssel in ihrer kleinen Hand an und weinte sich leise in den Schlaf....

...

Der Wind umtoste die Spitze des Berges, Tannenzweige peitschten durch die raue Nacht und warfen ihren dicken Schneemantel ab. Die Tiere waren schon längst in ihren Bau geflohen, hatten sich niedergebettet. Niemand käme auf die wahnwitzige Idee, sich bei diesem Wetter auf eine nächtliche Wanderung einzulassen, wo man doch die Behaglichkeit der eigenen Behausung in Anspruch nehmen konnte. Es braute sich etwas zusammen, jeder konnte förmlich das Knistern in der Luft sehen, die Spannung fühlen, die Erregung schmecken.

Als Siridean Tristian an diesem Morgen missgelaunt in die Werkstadt kommen sah, atmete er erleichtert auf. Er hatte die Befürchtung gehegt, ein verwüstetes, verweistes Zimmer aufzufinden, wenn man die Schlafzimmertür des Elfen aufbrach. Nachdem er sich gestern die alte Geschichte vergegenwärtigt hatte, kam ihm dieses Bild nur allzu real vor. Umso besser gelaunt widmete er sich wieder seiner Arbeit, mit dem Bewusstsein, dass es noch nicht zu spät war. Doch die Freude über dessen Auftauchen verflüchtigte sich bald wieder. Zwar verrichtete Tristian seine Arbeit genauso sorgfältig wie sonst, zog sich aber immer weiter von seinen Mit- Elfen zurück. Einmal mehr wünschte er sich, in die Köpfe der anderen schauen zu können, um deren Gedankengänge zu ergründen.

Nachdem alle Versuche und Überlegungen am Vorabend verworfen wurde und die Direktorin den Schülern weitere Maßnahmen untersagt hatte, da sie sich auf die Schule und den Unterricht konzentrieren sollen, war die Stimmung der Schüler am Nullpunkt angelangt. Irgendetwas musste doch getan werden können. Da kam Eric die Idee. Warum sollte in der Zeit der Liebe und Wunder nicht auch für sie ein Wunder geschehen. Wo er darum bitten konnte, war ihm sofort klar: beim Weihnachtsmann höchst persönlich. Wenn jetzt noch jemand helfen konnte, dann war es der Weihnachtsmann. Aber wie sollte man ihn erreichen? Einen Wunschzettel schicken? Das war nicht eindringlich genug und der Erfolg war fraglich. Was also konnten die Kinder tun, um dem Weihnachtsmann ihren Wunsch vorzubringen? Da kam Lilian die entscheidende Idee: Wir starten einfach eine Expedition zum Nordpol und bitten den Weihnachtsmann persönlich um den Erhalt der Schule. Als der Plan ausgeheckt war, gab es ein großes "Hallo" und "Juhu" unter den Schülern, die spät am Abend immer noch in der Schule saßen und über weitere Maßnahmen zur Rettung der Schule nachdachten. Der Plan wurde von allen mit Freude und Hoffnung willkommen geheißen und alle freuten sich schon auf die Expedition. Dies war ein großer Tag und endlich gab es wieder ein Lichtlein am Ende des Tunnels. Eine Expedition zum Nordpol. Noch gab es viele Fragen zu klären. Wer beispielsweise sollte daran teilnehmen? Woher würden sie die Ausrüstung bekommen? Wer würde mit dem Weihnachtsmann reden? Würden sie überhaupt bis zum Weihnachtsmann vordringen? Aber das waren alles Fragen, die morgen beantwortet werden. Für heute waren die Kinder erst mal froh, einen wirklich guten Plan zu haben und damit verabschiedeten sie sich voneinander und versprachen sich, sich am nächsten Abend wieder in der Schule zu treffen und den Plan weiter voran zu treiben.

1. Dezember

So ein Mist! Schon wieder ist der Eimer mit der Farbe für die Puppenaugen umgefallen. Erst letzte Woche war Christa der Sack mit den Eisenbahnen vom Tisch gefallen und dabei waren alle kaputt gegangen. Was hatte Kimball da geschimpft! Kimball war der erste Elf, derjenige, dem die Leitung der Weihnachtselfenwerkstatt unterlag. Er war auch Christas Lehrer in der Elfenschule und beäugte sie bei allem, was sie tat, misstrauisch. Was konnte sie denn dafür, dass sie gerade erst am Anfang ihrer Ausbildung stand? War es ihre Schuld, dass sie noch nicht wußte, wo die vielen Materialien stehen und man mit ihnen umzugehen hatte? Und überhaupt - Christa lernte noch! Da konnte Kimball schon mal nachsichtig sein! Auf alle Fälle mußte sie den Eimer mit der Farbe durch einen neuen Farbeimer ersetzen. Sonst würde es Ärger geben!

Nachdem die Werkstatt geschlossen, alle Elfen zu Abend gegessen und zu Bett gegangen waren, schlich sich Christa in das Büro. Dort würde der Schlüssel für die Werkstatt hängen und damit konnte sie den ganzen Schlamassel wieder ausbügeln. Im Büro angekommen stellte sie sich einen Stuhl unter das Schlüsselbrett, kletterte hinauf und streckte sich, bis sie den Werkstattschlüssel in den Händen hielt. Nun aber schnell, bevor jemand das Fehlen des Schlüssels bemerkte! Vorsichtig schlich Christa sich aus dem Bürogebäude und wollte gerade den Platz zur Werkstatt überqueren, als sie vor sich Stimmen hörte. Schnell machte Christa auf dem Absatz kehrt und rannte geschwind wie der Wind hinter die Ställe den Rentiere. Von dort aus, so wußte sie, konnte sie außen herum um die angrenzenden Gebäude in die Werkstatt gelangen, ohne dass sie jemand sah. Wenn sie frühs mal wieder verschlafen hatte, ging sie öfter diesen Weg in der Hoffnung, Kimball würde nicht bemerken, dass sie zu spät kam. Aber natürlich hat er noch nie ihre verspätete Ankunft nicht bemerkt und noch nie ist sie ohne Tadel von ihm davongekommen. Es war schon ein Kreuz mit Kimball!

Aber tagsüber, wenn sie sonst den Weg hinter den Ställen ging, war es hell. Christa konnte von innen die Grenze sehen, die die Weihnachtsstadt vor dem Rest der Welt verborgen hielt. Aber von außen, so wußte sie aus dem Unterricht, würde sie nichts weiter sehen als einen verschneiten Wald. Außerhalb der Grenze war die Weihnachtsstadt unsichtbar! Sie würde also sehr aufpassen müssen, dass sie nicht im Dunkeln in den wald hinaus stapfte und später nicht wieder zurückfinden würde. Vorsichtig machte sie sich auf den Weg, den Schlüssel für die Weihnachtswerkstatt fest in ihrer kleinen Hand. Ein paar Schritte noch und sie konnte um die Ecke laufen, die Werkstatt direkt vor sich. Da hörte sie ein Geräusch wie von einem starken Windsog und plötzlich war alles dunkel und still. Wo waren denn plötzlich die Lichter der Weihnachtsstadt? Wo die Geräusche der Rentiere, die sich für die Nacht hinlegten? Da begriff Christa, dass sie die Grenze überschritten hatte und es kein Zurück mehr für sie gab. Egal, wie weit zurück sie nun gehen würde, vor ihr würde immer nur dichter, tiefer, verschneiter Wald liegen. Die Weihnachtsstadt konnte sie jetzt nicht mehr erreichen. Heiße Tränen rannen über ihr Gesicht und nach einer Weile, müde von den Tränen und dem Schluchzen, schlief sie mit dem Werkstattschlüssel in ihrer kleinen Hand ein. Es gibt einen Weg zurück! Das wußte sie sicher. Doch darüber würde sie sich morgen Gedanken machen...

...

Kalt war es - kalt und einsam. Was hatte er sich nur dabei gedacht, in die Aurora zu laufen. Auf die ferne Stadt zu, die ihm ein Wiedersehen mit seinem Großvater Cedrik verhieß. Langsam kam Angus wieder zur sich. Er lag im Schnee, weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Flocken schmolzen in seinem Gesicht und ließen ihn aussehen, als würde er weinen. Aber so weit war es noch lange nicht. Nun, da er den Übertritt in die Welt geschafft hatte, aus der sein Großvater damals, vor 81 Jahren, zu seiner Großmutter gekommen war, wollte er nach ihm suchen. Immer hatte er sich nach dem Tod seines Großvaters ausgemalt, dass er zurück in seine Welt gegangen sei und nun würde er ihn hier wieder finden. Viel zu lang war schon die Zeit, seit sie ihn hatten gehen lassen müssen.

Schon früh am Morgen herrschte reges Treiben, schließlich hieß es, die letzten Geschenke fertigzustellen. Der Countdown läuft, der große Sack des Weihnachtsmannes ist fast bis zum Rand gefüllt und die Rentiere scharren ungeduldig mit den Hufen. Bald ist es wieder soweit. Fröhliches Gepfeife schallte bereits kurz nach fünf Uhr aus der Werkstadt. Hell strahlte das Licht in die dunklen Morgenstunden hinaus. Die Öfen liefen auf Hochtouren, in der Luft hang der Duft von Zimt und Vanille, Muskat und Kakao. Außerdem schwebten die Dünste von frisch gebrautem Glühwein durch den riesigen Gemeinschaftsraum. Alle waren gut gelaunt. Nun ja, fast alle. Tristian kam wie alle anderen pünktlich zur Arbeit, seine Missmut darüber war ihm deutlich anzusehen.

Der 2. Dezember hatte mit dem ersten Schneefall dieses Jahres begonnen. Die Straßen und Dächer waren mit einer leichten Puderschicht bedeckt, Erwachsene standen an ihren Autos um die Scheiben frei zu kratzen und aus den Bäckereien drang seit den frühen Morgenstunden der Duft von Zimt, Muskat und Schokolade. Man hätte meinen können, dass dies ein perfekter Weihnachtstag gewesen wäre, würde man von den vielen verzweifelten Gesichtern der Kinder sowie Erwachsenen absehen. Aber dies konnte man nicht so einfach, denn eine unverkennbare Hoffnungslosigkeit lag in der Luft. Die Erwachsenen hatten längst damit aufgehört ihre Verzweiflung zu verbergen, es brachte eh nichts. Manche sahen schlimmer als andere aus, dicke Augenringe zierten ihre Gesichter und müde Augen schauten sie täglich aus dem Spiegel an. Nur die Kinder sahen noch fertiger als ihre Eltern aus. Sie konnten doch nicht einfach bloß dasitzen, Trübsal blasen und nichts tun! Jeder reagierte anders darauf doch in ihrem Inneren waren sich alle einig, dass etwas unternommen werden musste. Jeden dritten Abend war eine Versammlung in der Schule um neue Ideen zusammenzutragen. Leider gab es noch keine passende Lösung und die Zeit drängte. Die Schüler hatten noch ein halbes Jahr Zeit um die Schließung ihrer Schule zu verhindern. Frau Coles, ihre Schulleiterin,  stand sehr unter Druck. Bei fast jedem Treffen konnte sie von neuen Unternehmungen berichten, wie Spendenaktionen im Internet, Petitionen und Basare mit Plätzchen und Bastelwaren. Ein paar der älteren Schüler, wie Lilian Müller, Eric Schmidt und Jake Walter wollten sich für gemeinnützige Arbeit melden, jedoch hatte Frau Coles etwas dagegen. Sie hatte ihnen mit einem Lächeln gedankt aber darauf bestanden, dass sie sich als erstes um ihr Abitur kümmern sollten. Trotz alldem reichte das Geld von hinten bis vorne nicht aus. Immer mehr Lehrer musste entlassen werden, da der Staat die nötigen Gelder nicht zusammenbekommen konnte. Somit hatten sie immer mehr Ausfall, das heißt immer mehr Zeit zum Nachgrübeln. Wenn sie dann Abends ins Bett gegangen sind waren noch mehr Fragezeichen in ihren Köpfen als vorher, alle drauf wartend beantwortet zu werden. Mit einem Gähnen klappten dann ihre Lieder zu und sie glitten in einen unruhigen Schlaf.

Der Tag am Nordpol hatte glücklich begonnen - bis der Elf, der die Rentiere versorgte, besorgt beim Oberelf erschien und mitteilte, dass die Rentiere alle krank waren. Das konnte doch wohl nicht wahr sein? 21 Tage vor Weihnachten wurden alle Rentiere krank? Was war da nur los? Der Oberelf und einige andere Elfen, die die Mitteilung vom Stall-Elfen gehört hatten, liefen in den Stall um zu sehen, was den Rentieren zu schaffen machte und wie es sich auswirkte. Der Oberelf, Kimball, betrat leise den Stall, um die Rentiere nicht noch zusätzlich zu beunruhigen. Aber in den Boxen, in denen sonst die stolzen Tiere standen, war niemand. Zumindest konnte man sie nicht sehen. Ein Blick in die Ställe zeigte jedoch, dass die Rentiere durchaus da waren. Jedoch lagen sie alle im Stroh und waren ganz käsig um die Nase.

In der kleinen Stadt Auenberg war es ungewöhnlich ruhig für diese Jahreszeit. Der erste Advent war bereits vorüber, aber Weihnachtsstimmung wollte nicht so recht aufkommen. Selbst der Weihnachtsmarkt lag leer und verlassen da. Die Kinder waren alle in ihrer alten Schule und beratschlagten, wie diese noch zu retten sei. Nach den Sommerferien sollte die Schule nur noch für ein einziges Schuljahr geöffnet werden und das lief gerade. Danach würden die Schüler in die nächstgrößere Stadt zum Unterricht fahren müssen. Was sollten die Kinder nur tun, um ihre Schule zu retten? Vorschläge gab es viele...aber die Erwachsenen sagten immer nur, dass das nicht geht. Sollte den Eltern und Kinder keine Lösung für Ihre Schule einfallen, würde das Weihnachtsfest wohl sehr traurig werden.

Hell leuchten die Lichter der Weihnachtsstadt in den Himmel. Von außen ist natürlich nichts zu sehen, da die Weihnachtsstadt nur ganz besondere Wesen sehen können - der Weihnachtsmann und die Elfen. Man sagt auch, kleine Kinder, die fest an den Weihnachtsmann glauben, können die Weihnachtsstadt sehen. Aber wann verirrt sich schon mal ein Kind an den Nordpol? Auch für jeden Radar ist die Weihnachtsstadt unsichtbar. So können sich der Weihnachtsmann und die Elfen unbekümmert bewegen und ihrer Arbeit nachgehen - dem Herstellen von Weihnachtsgeschenken. Was kann es schöneres geben, als Kindern eine Freude mit einem Geschenk machen? Darum ist in der Weihnachtsstadt, in der von früh bis spät Weihnachtsmusik aus allen Lautsprechern schallt, auch ein jeder fröhlich und geht gern seiner Arbeit nach.

Bald ist es wieder soweit: die fortlaufende Weihnachtsgeschichte beginnt. Es ist eine Geschichte, an der verschiedene Autoren jeden Tag ein neues Kapitel hinzufügen und ihr jeden Tag eine neue Wendung geben können. Es wäre schön, wenn auch du mitschreibst. Lass deinen Ideen freien Lauf und reihe dich unter den Autoren ein. Viel Spaß!

Bald ist es wieder soweit! Die fortlaufende Geschichte beginnt am 01. Dezember und wächst jeden Tag um einen weiteren Teil bis zum 24. Dezember. Jeder Tag und jeder Autor kann der Geschichte eine ganz neue Wendung geben. Also reihe dich mit ein in die Reihe der Autoren und forme die Geschichte nach deinen Vorstellungen.

Bis es wieder los geht, möchtest du vielleicht die Geschichte  im Forum oder im Archiv lesen.

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